Schwank

Ein Schwank ist eine meist kurze Erzählung über eine komische Begebenheit, die sich im (oft bäuerlichen) Alltag ereignet hat. Ein häufiges Grundmuster des Schwanks besteht darin, dass ein Gewitzter (»Schelm«) einen oder mehrere Einfältige überlistet. Ein typisches Beispiel ist Das tapfere Schneiderlein. Hier nimmt es der Held, der im Grunde ein Aufschneider ist, mit (als dumm geltenden) Riesen und verschiedenen gefährlichen Tieren auf. Verbreitet ist auch das Muster, dass der Schelm von niederem Rang als der Übertölpelte ist. In Das kluge Gretel zum Beispiel verspeist eine Köchin zwei Hühner, die sie für die Herrschaft zubereitet hat. Gegen aufkeimende Skrupel erfindet sie die schönsten Ausreden und für ihren Herrn eine Räuberpistole, um nicht verdächtigt zu werden.

Das Lumpengesindel ist ein Schwank der Brüder Grimm. Illustration von Heinrich Vogeler
Das Lumpengesindel. Illustration Heinrich Vogeler. (Kinder- und Hausmärchen, Max Hesses Verlag, Leipzig 1907)

Tierschwänke

Die Handelnden können auch Tiere sein (Kombination Schwank/Tiermärchen, siehe auch Tiere im Märchen). Dann übernimmt das eigentlich unterlegene Tier die Rolle des Schelms und das starke Tier die des Einfältigen. Eine weitere Variante, die Elemente des (Tier-)Märchens mit denen des Schwanks kombiniert, finden wir bei den Bremer Stadtmusikanten, wo die altersschwachen Tiere auf komische Weise eine Räuberbande in die Flucht schlagen und auf diese Weise zwar nicht nach Bremen, wohl aber zu ihrem wohlverdienten Altersruhesitz kommen. Ein anderes Beispiel für den Tierschwank ist Das Lumpengesindel, eine groteske Geschichte, in der sich Tiere (ein Hühnchen und ein Hähnchen von zweifelhaftem Charakter) an einem Wirt für die schlechte Behandlung rächen.

Einfaltspinsel und dumme Ehepartner

Die Komik des Schwanks kann auch einfach darin bestehen, dass ein Einfältiger unsinnige Dinge tut, um Ende doch glücklich davonzukommen. Beispiele hierfür sind die Grimm’schen Märchen Der gute Handel und Hans im Glück oder auch Die guten Tage aus der Sammlung von Francesco Straparola. Nicht ganz so glücklich gehen die Tölpeleien von Vardiello (Giambattista Basile, Pentamerone) aus, der am Ende im Irrenhaus landet, oder dem »gescheiten Hans«, dem seine Braut davonläuft. Noch schlimmer ergeht es der klugen Else (Brüder Grimm), die von ihrem Mann verstoßen und aus der dörflichen Gemeinschaft ausgeschlossen wird, und erst recht dem Katherlieschen aus Der Frieder und das Katherlieschen (ebenfalls Grimm).

Auch wenn es selten so drastisch endet, bietet das eheliche Zusammenleben reichlich Stoff für Schwänke. Ein wiederkehrendes Thema ist die vermeintliche Dummheit oder Begriffsstutzigkeit eines Ehepartners (Die kluge Else, Frieder und das Katerlieschen, Die klugen Leute, Dumme Männer und närrische Weiber); ein anderes die Untreue (der Frau), wobei der Störenfried nicht selten ein Pfarrer o.Ä. ist (siehe Der alte Hildebrand). Im Unterschied zum Schelmenroman und zur ausgefeilten Parodie steuert die Handlung beim Schwank ohne große Umschweife auf ihre Pointe zu. Dabei geht es eher derb als feinsinnig ironisch zu.

Schwänke in Märchensammlungen

Da Schwänke wie Märchen oft mündlich überliefert wurden, sind sie von den Märchensammlern des 19. Jahrhunderts als Bestandteil der Volkserzählung aufgeschrieben worden, obwohl sich darüber streiten ließe, ob es sich dabei im strengen Sinne um Märchen handelt. Manche dieser Schwänke können ohne weiteres formal als Märchen aufgefasst werden, da bei den komischen Wendungen der Handlung oft magische Kräfte oder magische Helfer eine Rolle spielen. Auch im Kunstmärchen findet sich diese Kombination von Märchen und Schwank, so zum Beispiel in Hans Christian Andersens Geschichte Der Kleine Klaus und der große Klaus.

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