Märchenquiz

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Tiere im Märchen: Der Bär

Tiere im Märchen: Der Bär

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Vom klugen Schneiderlein. Illustration Paul Meyerheim

Der Bär symbolisiert die Kraft der ungebändigten Natur. Wie diese steht er einerseits für Kraft, Ruhe und Ursprünglichkeit, andererseits wirkt er bedrohlich, wild und unberechenbar. Im Märchen übernimmt der Bär daher auch recht unterschiedliche Rollen: im Gefolge des Helden tritt er als dessen Beschützer auf, manchmal aber auch als gefährliches Raubtier im Dienst von dessen Gegenspieler. Im Tiermärchen gehört er typischerweise zur Gruppe der Starken, die wider Erwarten von den Schwachen besiegt werden. Eine wichtige Eigenschaft ist außerdem seine Fähigkeit, sich aufzurichten, was ihn menschenähnlich wirken lässt. Wohl aus diesem Grund tritt er im Märchen recht häufig als verwandeltes Wesen (Mensch in Tiergestalt) auf, mitunter auch als ein in gewissem Sinn ebenbürtiger Gegenspieler, den es trotz seiner Kraft zu bezwingen gilt. Da die Bibel den Bären als gefährliches Tier erwähnt, verwundert es nicht, dass er im europäischen Märchen oft die negative Rolle besetzt, bis hin zur Verbindung mit dem Teufel. Im Gegensatz dazu ist die Bärin in der griechischen Mythologie Attribut der Göttin Artemis (Göttin der Jagd).

Beispiele auf Märchenatlas:

  • Der Bärenhäuter (Brüder Grimm): Der Bär symbolisiert den Pakt des Helden mit dem Teufel
  • Der Zaunkönig und der Bär (Brüder Grimm): Kampf der schwachen gegen die starken Tiere, Anführer sind Zaunkönig und Bär
  • Östlich der Sonne und westlich vom Mond, Eisbär König Valemon (Asbjørnsen/Moe): In diesen beiden norwegischen Märchen ist der (Eis-)Bär ein verzauberter junger Mann, der von einer jungen Frau erlöst wird
  • Die Bärin (Basile): Eine Königstochter verwandelt sich in eine Bärin, um den Nachstellungen durch ihren Vater zu entkommen. Bei diesem italienischen Märchen entspricht die Bärin vermutlich dem Attribut der Artemis.
  • Die dankbaren Tiere (Straparola): Bär mit anderen starken Tieren als Helfer im Gefolge des Helden
  • Die zwei Brüder (Brüder Grimm): Bär mit anderen starken Tieren als Helfer im Gefolge des Helden
  • Schneeweißchen und Rosenrot (Brüder Grimm): Der Bär ist ein verzauberter Prinz, der durch die Fürsorglichkeit der Schwestern erlöst wird
  • Vom klugen Schneiderlein (Brüder Grimm): Der Bär wird dem Schneider als Bedrohung gegenüber gestellt, doch diesem gelingt es durch Gewitzheit, das Tier in Schach zu halten; am Ende macht er ihn zum Tanzbären, der nach seiner Fiedel tanzen muss.

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