Der Floh

Der Floh

enthalten in Giambattista Basiles Märchensammlung Pentameron (fünftes Märchen des ersten Tages). Es bildet die Grundlage von Clemens Brentanos Märchen von dem Baron von Hüpfenstich (siehe auch Italienische Märchen) und ist eines der drei Märchen, die Matteo Garrone in seinem 2015 erschienen Film Das Märchen der Märchen verwendet hat (die anderen beiden sind Die bezauberte Hirschkuh und Die entdeckte Alte).

Inhalt

Der Floh, Märchen aus Giambattista Basiles Pentameron

Der Floh, Märchen von Giambattista Basile, Illustration Warwick Goble

Ein König mästet einen Floh, der zu phantastischer Größe heranwächst. Als er so groß ist wie ein Hammel, zieht er ihm die Haut ab und lässt sie gerben. Dann lässt er verkünden, dass der erste, der errät, von was für einem Tier das Fell stammt, seine Tochter zur Frau bekommt. Viele versuchen ihr Glück und geben ihre Vorschläge ab: War es ein Luchs, eine Meerkatze oder gar ein Krokodil? Schließlich kommt ein wilder Mann, beguckt und beschnuppert die Haut, und verkündet ohne zu zögern die richtige Lösung: dies ist die Haut vom Großmeister der Flöhe. Die Königstochter macht ihrem Vater große Vorwürfe, dass er sie wegen seinem Spleen, dem Floh, mit einem solchen Unhold verheiraten will. Gegen ihren Willen nimmt der wilde Kerl sie mit in sein Haus, das in einer ganz und gar unwirtlichen Gegend steht. Zu ihrem Entsetzen befindet sich in den Schüsseln, die zum Essen aufgetragen werden, deutlich erkennbar Menschenfleisch. Denn ihr Gatte ist ein Orco (Menschenfresser).

Als er einmal fort ist, kommt eine alte Bettlerin am Hof vorbei. Die Königstochter erzählt ihr verzweifelt von ihrem grausamen Schicksal, worauf die Alte ihre Hilfe anbietet. Sie hat sieben Söhne, von denen jeder eine besondere Gabe besitzt. Dank der Zauberkünste dieser Söhne gelingt der Königstochter die magische Flucht vor dem Orco, der ihr nachsetzt. Der erste Sohn kann alles hören, was auf der Welt vor sich geht, und somit die Fliehenden warnen. Doch der Orco ist schneller, sodass die Künste des zweiten Sohnes gefragt sind: dieser spuckt einen Seifensee, der den aufholenden Orco bremst. Aufhalten lässt der Unhold sich nicht und bald ist er wieder gefährlich nah. Der dritte Sohn wirft ein Stück Eisen auf den Boden, woraufhin ein Feld voller scharfer Klingen wächst. Der Orco kehrt um, rüstet sich ganz in Eisen und nimmt die Verfolgung wieder auf. Nun wirft der vierte Sohn einen Span auf die Erde, was bewirkt, dass auf der Stelle ein ganzer Wald mit dicken Eichen und Pappeln zwischen den Fliehenden und dem Orco erscheint. Doch der Orco hat gewaltige Klingen dabei, mit denen er den Wald einfach niedermäht. Der fünfte Sohn spuckt einen Fluss, der den Verfolger wieder etwas bremst, aber nicht aufhält. Der sechste Sohn wirft einen Stein, woraufhin ein dicker Turm entsteht, indem sie Zufluch suchen. Der wütende Orco rennt zurück und holt eine Leiter. Als er hinaufklettert, zeigt der siebente seine Kunstfertigkeit: er ist ein hervorragender Schütze und holt den Bösewicht gekonnt von der Leiter, um ihm dann die Kehle durchzuschneiden.

Die Brüder liefern die Königstochter bei ihrem Vater ab, der seine Dummheit längst von Herzen bereut. Die sieben Retter und ihre Mutter werden reichlich belohnt, und für die Königstochter findet sich bald ein anständiger Bräutigam.

Motive

Die Figur des Orcos kommt in Basiles Märchen mehrfach vor, mal als »wilder Mann« (erstes Märchen des ersten Tages), der zwar von abstoßender Gestalt, jedoch von gutartigem Wesen ist, mal als schlimmer Unhold oder gar Menschenfresser wie im Märchen vom Floh (siehe hierzu Riesen, Trolle, Menschenfresser: der Unhold im Märchen). Der monströse Floh ist hier die Vorankündigung des Monströsen, das die Königstochter in Gestalt ihres Ehemanns erwartet. Die eigentliche Geschichte ist die der magischen Flucht der Königstochter dank der Hilfe der zauberkräftigen Brüder (siehe auch Die vier kunstreichen Brüder, Brüder Grimm). In den Märchen der Brüder Grimm tritt das Motiv der magischen Flucht beispielsweise in Der Liebste Roland und Die beiden Königskinder auf. Dort werden die Fliehenden von einer Hexe bzw. der Stiefmutter verfolgt, und die Zahl der Zauberkunstücke ist drei anstatt sieben (siehe auch Zahlen im Märchen: Die Drei bzw. Die Sieben). Das Motiv der Gefährten oder Diener mit außergewöhnlichen, ins Übernatürliche gesteigerten Fähigkeiten tritt bei Basile auch im Märchen vom Dummling sowie den fünf Söhnen auf; bei den Brüdern Grimm etwa in Sechse kommen durch die ganze Welt und Die sechs Diener.

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