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Das Natternkrönlein

Das Natternkrönlein

Das Natternkrönlein ist ein Märchen von Ludwig Bechstein (Neues deutsches Märchenbuch, 1856), der den Stoff der Sammlung von Ignaz und Josef Zingerle (Kinder- und Hausmärchen aus Süddeutschland, 1854) entnahm. Seine Bearbeitung betrifft vor allem den Anfang und das Ende der kurzen Geschichte. Vor der eigentlichen Handlung wird in wenigen Sätzen die Vorstellung von schönen Schlangenkönigen oder -königinnen als alte Sage eingeführt, etwas, das »alte Großväter und Großmütter ihren Enkeln und Urenkeln erzählt« hätten (siehe auch Tiere im Märchen: Die Schlange). Durch diesen Kniff hat der Leser bzw. Hörer einen Wissensvorsprung vor den beiden handelnden Personen (einer gutherzigen Magd und ihrem geizigen Herrn), sodass er dem Geschehen von Anfang an mit der Erwartung folgt, dass die Magd am Ende belohnt, der Bauer dagegen bestraft wird. Völlig zwanglos verbinden sich dabei Aberglauben (kleine Mitbewohner im Stall sollten gut behandelt werden, damit das Vieh gedeiht) und Vorstellungen von christlicher Tugendhaftigkeit bzw. Lasterhaftigkeit (Geiz bzw. Habsucht ist eines der Hauptlaster). Konsequenterweise hat Bechstein zudem das Ende deutlicher und märchentypisch herausgearbeitet.

Inhalt

Bei einem geizigen Bauern dient eine fromme, gutherzige Magd. Diese hat die Kühe des Bauern so lieb gewonnen als wären es ihre eigenen. Im Kuhstall wohnt auch eine Krönleinnatter, deren wunderschöner Gesang nachts manchmal zu hören ist und die zutraulich die Nähe der Magd sucht, als wollte sie um etwas bitten. Die Magd gewöhnt sich an, der hübschen, kleinen Schlange etwas euterwarme Milch hinzustellen. Sie sieht auf deren Kopf eine kleine Krone glitzern und stellt auch fest, dass die Kühe besser gedeihen, seit sie die Schlange füttert. Doch das friedvolle Miteinander endet, als eines Tages der Bauer in den Stall kommt, während die Schlange aus ihrem winzigen Gefäß trinkt. Er wird zornig, als hätte die Magd die Milch eimerweise verschenkt, und jagt sie vom Hof. Womöglich sei sie gar eine Hexe und die kleine Schlange ein Satanswesen.

Die hinausgeworfene Magd packt weinend ihr Bündel und geht ein letztes Mal in den Stall, um sich von ihren lieben Tieren zu verabschieden. Als sie ihre Lieblingskuh streichelt, kommt die Natter, lässt ihr Krönchen in die Hand der Magd fallen und verschwindet aus dem Stall – ein Zeichen, dass auch sie den Hof verlassen wird, auf dem man ihr die wenigen Tropfen Milch nicht gönnt. Die Magd ist nun völlig auf sich allein gestellt und weiß nicht wohin. Vor dem Dorf trifft sie den Sohn des Schulzen, der sich auf der Stelle in das schöne Mädchen verliebt. Er nimmt sie in seinen Haushalt auf, wo sie dank ihrer Tugendhaftigkeit schnell alle für sich einnimmt – besonders auch seine Mutter, die nichts einzuwenden hat, als er erklärt, dass er das schöne, aber arme Mädchen heiraten will. Wie es sich fügt, ist der alte Schulze kürzlich verstorben, sodass die ehemalige Magd schon bald die reichste Frau im Dorf ist. Den geizigen Bauern aber hat mit der Natter auch das Glück verlassen. Schließlich muss er sein Vieh und dann auch seine Äcker verkaufen. Der Käufer ist niemand anderes als der junge Schulze, sodass seine Frau nun wieder die Kühe bei sich hat, die sie früher als Magd gepflegt hat. Auch als reiche Frau kümmert sie sich noch immer selbst um ihre Kühe, und einmal trifft sie bei dieser Gelegenheit die kleine Schlange wieder. Sie gibt ihr die Krone zurück, die sie nun, reich und glücklich, nicht mehr braucht.

Varianten und ähnliche Märchen

Wie eingangs erwähnt, folgt Bechsteins Fassung sehr dicht der angegebenen Quelle (Noch ein Mährchen von der Krönlnatter, I. und J. Zingerle). Dort fehlt die Einleitung, und anstelle des ausführlichen Schlussteils wird nur knapp berichtet, dass der Bauer verarmt, während die Magd bei allem Glück hat, was sie beginnt. Insbesondere die märchenhafte Hochzeit mit dem wohlhabenden Bräutigam fehlt.

Bei Bechstein selbst (Neues deutsches Märchenbuch) taucht das Motiv der Schlange mehrmals auf: Die Schlange mit dem goldenen Schlüssel (NDMB 26) handelt ebenfalls von einer frommen Magd, die die fleißig die Kühe ihres Herrn versorgt und im Stall eines Tages eine Schlange (hier auch »Unke« genannt) antrifft. Diese verspricht der Magd großes Glück, wenn sie ihre Anweisungen genau befolgen würde. Sie würde in drei Tagen wiederkommen, dann viel größer geworden sein und sich dreimal um den Hals der Magd wickeln. Auf keinen Fall dürfe die Magd sie dann abschütteln. Doch die Magd überfällt so heftiger Ekel, dass ihr dies nicht gelingt. So entgehen ihr die versprochenen Schätze und die Schlange muss weitere hundert Jahre bis zu ihrer möglichen Erlösung warten. In Schlange Hausfreund (NDMB 46) bringt die Schlange Segen über das Haus eines armen, alten Waldarbeiters. Die Schlange hatte sich um den dicken Ast geschlungen, den der Alte eigentlich für seinen eigenen Bedarf mit nach Hause nehmen wollte. Der Alte verzichtet auf den schönen Ast und begnügt sich mit etwas Reisig, aus dem dann zu Hause zu seiner Überraschung die Schlange kriecht. Seine Frau ist anfangs wenig begeistert, doch der Mann erinnert sie an die alten Sagen von Glück bringenden Schlangen. Und selbst wenn nichts dran sei an diesen Geschichten, sei die kleine Unke (das Wort auch hier verwendet) weder giftig noch gefährlich, sondern im Gegenteil nützlich, da sie Mäuse fresse. Die gemeinsame Vorliebe für Mäuse und, wie sich herausstellt, für Milch stimmt auch die Hauskatze um, die der Schlange zuerst am liebsten den Kopf abgebissen hätte, sich dann aber mit ihr anfreundet. Abends erzählen sich die beiden Tiere Geschichten und die beiden Alten hören, was die Überleitung zum nächsten Schlangenmärchen bildet. Das Märchen Die Schlangenamme (NDMB 47) wird also von der Schlange selbst erzählt, die während ihrer Rede mehrmals bedauert, dass die Menschen sie und ihresgleichen für falsch und undankbar hielten. Die Geschichte handelt von einer armen, jungen Frau, die Gras mäht und zwischendurch ihr kleines Kind stillt. Müde von der Arbeit schläft sie neben dem Kind ein, während ihre nach Milch duftende Brust eine kleine Schlange herbei lockt. Die Schlange heftet sich fest an ihre Brust – und zwar so fest, dass sie sie zehn Monate lang nicht los wird. Das Kind muss sich mit der anderen Brust begnügen, was ihm aber offensichtlich nicht schadet: Kind und Schlange gedeihen prächtig. Doch leider wird die Frau wegen der Schlange an ihrer Brust zum Gespött des ganzen Dorfes. Schließlich kommt ein Fremder ins Dorf, der verspricht, sie von der Schlange zu befreien. Er führt sie in den Wald und spielt auf seiner Flöte, womit er andere viele Schlangen herbei lockt. Endlich lässt Schlange die Brust der Frau los und verschwindet mit ihren Brüdern und Schwestern. Einige Jahre später wird das Kind beim Beeren Sammeln von wilden Tieren angefallen und von der inzwischen zu einem riesigen »Lindwurm« herangewachsenen Schlange gerettet. Die Frau, die ihr Kind schon verloren glaubte, erkennt die Schlange, die sie an ihrem Busen genährt hat, und sieht ein, dass das schlechte Ansehen de Schlangen nicht gerechtfertigt ist.

In den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sind an der Stelle 105 drei kurze Stücke enthalten, die den Titel Märchen von der Unke haben und von denen die ersten beiden einen Bezug zu den Sagen von den Glück bringenden Schlangen haben. Die Unke ist auch dort wie bei den verschiedenen Schlangenmärchen von Bechstein eine Schlange. In der ersten Geschichte isst ein Kind jeden Nachmittag im Hof ein Schüsselchen Milch und darin eingeweichtes Brot. Aus einer Mauerritze kommt eine kleine Schlange dazu und nimmt auch etwas von der Milch. Das Kind hat seinen Spaß, möchte aber, dass die Schlange auch etwas von dem Brot kostet. Arglos schlägt es der Schlange mit seinem Löffel auf den Kopf, was die Mutter sieht und missdeutet: Sie meint, die Schlange wolle ihrem Kind etwas Böses und erschlägt das Tier. Das propere Kind beginnt beginnt abzumagern, wird kränklich und stirbt. Auch die zweite Geschichte geht nicht gut aus, wenn auch nicht ganz so traurig: Ein Mädchen sitzt auf einer Mauer und entdeckt eine kleine Unke (Schlange). Schnell breitet es sein blaues Tüchlein aus, denn es kennt die alte Sage, wonach Schlangen Schatzhüter sind und ihre Schätze bereitwillig auf ebensolche Tücher legen. Tatsächlich legt die Unke ihre Krone auf das Tuch und verschwindet wieder in der Ritze. Das Mädchen freut sich, nimmt Tuch und Krone und geht. Doch die Unke kommt wieder und vermisst ihre Krone, worüber sie so verzweifelt ist, dass sie ihren Kopf solange gegen die Mauer schlägt, bis sie stirbt. Das Stück endet mit dem belehrenden Hinweis, dass das Mädchen noch viel mehr Schätze von der Schlange bekommen hätte, wenn es nur geduldiger gewesen wäre.