Märchenquiz

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Der Trommler

Der Trommler

Das Märchen Der Trommler ist ab der 5. Auflage (1843) in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm enthalten (KHM 193). Es beginnt mit dem Motiv der Schwanenjungfrau (vergleiche etwa Der König vom goldenen Berg) und setzt sich, nachdem der Held dank der Hilfe seiner Liebsten einige Prüfungen bestanden hat, dort mit dem Motiv der magischen Flucht und dem Erkennen der wahren Braut (vergleiche etwa Die beiden Königskinder). In Giambattista Basiles Pentameron weist vor allem das Märchen Die Taube einige Ähnlichkeiten auf.

Inhalt

Ein junger Trommler findet beim Spazierengehen an einem See drei Stück Leinen und nimmt eines davon an sich. Als er sich in der folgenden Nacht schlafen legt, vernimmt er eine leise Frauenstimme, die ihn bittet, ihr ihr Hemdchen wiederzugeben. Sie sei eine Königstochter, die zusammen mit ihren beiden Schwestern von einer Hexe in den fernen Glasberg gebannt sei und jede Nacht ein Bad in jenem See nehmen müsse. Und ohne ihr Hemdchen könne sie nicht mehr zurück. Der Trommler gibt ihr das Hemd, zusammen mit dem Versprechen, sie aus den Fängen der Hexe zu befreien. Doch mehr als den Hinweis, dass der Weg zum Glasberg durch einen gefährlichen Wald voller Menschenfresser führt, erfährt er von ihr nicht.

Unerschrocken macht sich der Trommler auf den Weg. Bald schon sieht er den ersten Riesen, der im Gras liegt und schläft. Der Trommler trommelt ihn aus dem Schlaf und macht ihm weis, dass sein Trommeln dazu dient, Tausenden Kameraden den rechten Weg anzuzeigen. Der Riese bekommt Angst vor den kleinen, listigen Erdwürmern und ist nur zu gern bereit, den Trommler mit seinen langen Schritten zum Glasberg zu tragen, auf dass er ihn möglichst schnell wieder los wird. Unterwegs lässt er sich von einem seiner Kumpane ablösen und dieser von einem dritten, und schneller als gedacht ist der Trommler am Fuße des Glasbergs angekommen. Allerdings weigert sich der dritte Riese, ihn auch noch auf den Gipfel des Glasbergs zu befördern. Der Trommler ist ratlos, denn der Glasberg ist so hoch wie drei aufeinandergesetzte Berge und obendrein glatt wie ein Spiegel, wie ein kurzer Versuch unzweifelhaft ergibt. Da hört der Trommler in der Nähe zwei Männer um einen Sattel streiten. Er macht eine Bemerkung, wie dumm es sei, um den Sattel zu streiten, wo sie doch beide augenscheinlich gar kein Pferd haben. Die Antwort bringt ihn auf eine Idee, denn der Sattel ist deshalb ein solches Streitobjekt, weil er ein Wunschsattel ist: derjenige, der darauf sitzt, braucht sich nur zu wünschen, wo er hin will – und schon ist er da. Der Trommler gibt vor, den Streit der beiden schlichten zu wollen, indem er die beide einen Wettlauf austragen lässt: der Gewinner soll den Sattel haben. In einiger Entfernung vom Sattel schlägt er einen Pflock als Ziel in den Boden, doch kaum sind die beiden ein paar Schritte gerannt, setzt er sich in den Sattel und wünscht sich auf den Glasberg.

Oben auf dem Berg findet er sich in einer Hochebene wieder, vor ihm ein Fischteich und ein altes Haus, dahinter ein finsterer Wald. Beherzt klopft er an die Tür und begehrt von der alten Frau, die ihm öffnet, »Einlass, Kost und Nachtlager«. Die Alte willigt ein, doch er muss dafür arbeiten. Die Arbeit, die sie ihm am nächsten Morgen aufträgt, ist höchst sonderbar: er soll mit einem Fingerhut den Fischteich ausschöpfen, außerdem die Fische nach Art und Größe sortieren. Der Trommler versucht sein Bestes, doch nachdem er den ganzen Morgen geschöpft hat, sieht er ein, dass das Unterfangen sinnlos und unmöglich ist. Gegen Mittag kommt ein schönes Mädchen, das ihm Essen bringt. Er erzählt ihr von der Königstochter, derentwegen er hier her gekommen wäre und die er nun wohl niemals zu Gesicht bekommen würde. Das Mädchen tröstet ihn: er solle den Kopf in ihren Schoß legen und ein wenig schlafen; die Arbeit würde sich von ganz allein tun. Kaum ist der Trommler eingeschlafen, dreht das Mädchen (das natürlich niemand anderes als die gesuchte Königstochter ist) an ihrem Wunschring, woraufhin das Wasser im Teich verschwunden ist und die Fische sortiert am Ufer liegen. Nur ein einziger Fisch liegt für sich allein, und diesen solle der Trommler, so erklärt das Mädchen, nachdem dieser aus seinem Schlummer aufgewacht ist, der Hexe am Abend ins Gesicht werfen, die ihn fragen wird, was der einzelne Fisch dort soll. Der Trommler tut, was ihm das Mädchen gesagt hat, und die Hexe begreift, dass ihre Macht am Schwinden ist, doch kann sie nichts anderes tun, als dem Trommler für den nächsten Tag eine noch schwerere Aufgabe zu geben. Diese besteht darin, den Wald hinter dem Haus vollständig zu roden und das Holz zu spalten, und zwar mit einer Axt aus Blei und Keilen aus Holz. Natürlich sind die Werkzeuge nach wenigen Schlägen unbrauchbar, sodass der Trommler erneut von Mutlosigkeit erfasst wird. Wieder bringt das Mädchen ihm Essen und lässt ihn in ihrem Schoß schlafen, während die Arbeit nach Drehen an dem Wunschring von Zauberhand erledigt wird. Ein einzelner Ast liegt am Ende ungespalten auf dem Boden; damit solle er der Hexe einen Schlag versetzen. Das tut der Trommler, woraufhin die Hexe nur höhnisch lacht. Am nächsten Tag soll er alles Holz zu einem riesigen Haufen aufschichten und ein gewaltiges Feuer machen. Wieder hilft ihm das Mädchen mit dem Wunschring; als er von seinem Mittagsschlaf erwacht, lodern die Flammen schon bis zum Himmel. Die Hexe kommt und sagt, er wäre nun so gut wie frei, nur eine Kleinigkeit müsse er noch tun, nämlich einen Holzklotz holen, der mitten auf dem Haufen liegt, aber nicht brennen will. Mutig steigt der Trommler in die Flammen, die ihm nichts anhaben können. Als er den Klotz vor der Hexe auf den Boden legt, erscheint seine Helferin in einem goldglänzenden Kleid, und er begreift endlich, dass sie selbst die gesuchte Königstochter ist. Er packt die Hexe und wirft sie ins Feuer (was ihm das Mädchen am Mittag gesagt hatte).

Damit ist die Königstochter befreit, und da ihr der junge Trommler gefällt, ist sie bereit, seine Frau zu werden. Von den Schätzen, welche die Hexe in ihrem Haus gehortet hat, nehmen sie nur die Edelsteine an sich, um anschließend so schnell wie möglich vom Glasberg zu verschwinden. Dazu müssen sie nicht einmal den Sattel bemühen, mit dem der Trommler gekommen war, denn die Königstochter hat ja ihren Wunschring. Damit wünschen sie sich zum Tor der Stadt, in der die Eltern des Trommlers leben. Der bittet seine Braut, ihn zunächst allein zu den Eltern gehen zu lassen, damit ihr ein angemessener Empfang bereitet werden kann. Sie ist einverstanden, warnt ihn aber dringend davor, seine Eltern zur Begrüßung auf die rechte Warnung zu küssen. Doch die Wiedersehensfreude ist so groß, dass er diese Warnung vergisst – und die Begrüßungsküsse bewirken, dass er auch sie selbst vergisst.

Die Königstochter wartet vergeblich, dass er sie abholen kommt, und wünscht sich schließlich mit ihrem Wunschring in ein abseits gelegenes Waldhaus. Jeden Abend geht sie am Haus des Trommlers vorbei, manchmal sieht sie ihn, doch er erkennt sie nicht mehr. Nach einiger Zeit hört sie die Leute reden, dass der Trommler bald heiraten wird, eine Frau, die die Eltern für ihn ausgesucht haben. Da wünscht sie sich von ihrem Ring ein Kleid, goldglänzend wie die Sonne, und mischt sich in diesem unter die Gäste. Die Braut, die schöne Kleider über alles liebt, handelt der schönen Fremden das Goldkleid ab, indem sie ihr erlaubt, eine Nacht vor der Tür ihres Bräutigams zu verbringen. Sicherheitshalber verabreicht sie ihm einen Schlaftrunk, sodass er nicht hört, wie sie ihm die ganze Nacht durch die Tür von ihren gemeinsamen Erlebnissen auf dem Glasberg erzählt. Doch sie gibt nicht auf und versucht ihr Glück noch einmal mit einem Kleid, das silbrig glänzt wie der Mond, und schließlich ein drittes Mal mit einem Kleid, das funkelt wie die Sterne. In der dritten Nacht endlich schläft der Trommler nicht, weil die Nachbarn ihm von den Reden der Fremden erzählt haben und er deshalb den Schlaftrunk heimlich weggeschüttet hat. Schlagartig kommt die Erinnerung an seine frühere Braut wieder. Er heiratet sie, während die andere mit den schönen Kleidern entschädigt wird.