Der König vom goldenen Berg

Der König vom goldenen Berg

Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 92). Das Märchen kombiniert das Motiv des Kindes, das leichtsinnig einem Fremden (oft Bösen) verschrieben wurde, mit dem der verlorenen Ehefrau, die der Held erst nach Bestehen schwieriger Prüfungen zurück gewinnt (Märchentyp ATU 401a: Befreiung der Prinzessin im verzauberten Schloss). Ähnliche Märchen sind u.a. Das singende springende Löweneckerchen und Die drei Prinzessinen aus Witenland.

Inhalt

Ein reicher Kaufmann verliert zwei Schiffe und steht vor dem Ruin. Er hat nur mehr einen Acker vor der Stadt, und um auf andere Gedanken zu kommen, unternimmt er dorthin einen Spaziergang. Plötzlich steht vor ihm ein kleines schwarzes Männlein, das ihn nach dem Grund für seinen offensichtlichen Kummer fragt. Der Mann erzählt von seinem Verlust, und das Männlein meint, da könne es wohl helfen — der Mann muss ihm nur versprechen, ihm nach einer gewissen Frist das erste Lebewesen zu überlassen, das bei seiner Heimkehr gegen sein Bein stößt. Der Kaufmann willigt ein, in der Annahme, jenes Lebewesen könne nur sein Hund sein. Doch just an diesem Tag macht sein kleiner Sohn seine ersten Schritte und kommt freudig auf den heimkehrenden Vater zugelaufen. Der Mann erschrickt, hofft aber zunächst, dass das Männlein sich nur einen Scherz mit ihm erlaubt hat. Doch als er etwas später eine große Menge Geld auf dem Boden findet, weiß er, mit wem er sich eingelassen hat. Immerhin ist er jetzt wieder ein reicher Mann, und was den Jungen betrifft, wird ihm sicher etwas einfallen.

Der König vom goldenen Berg, Brüder Grimm. Märchenbilder von Arthur Rackham

Der König vom goldenen Berg, Illustration Arthur Rackham

Als die vereinbarte Frist abgelaufen ist, begeben sich Vater und Sohn hinaus auf den Acker. Sie ziehen einen Kreis um sich und warten auf den Bösen. Der hat natürlich den Vertrag nicht vergessen und lässt sich durch nichts von der Einhaltung abbringen. So muss der Junge schließlich in ein Boot steigen, und der Vater muss es mit seinem eigenen Fuß abstoßen. Er sieht es noch kentern und glaubt seinen Sohn verloren. Doch der Sohn reist mit Boot in eine andere Welt. Er gelangt zu einem schönen, verwunschenen Schloss, in dem er keine Menschenseele findet. Schließlich trifft er auf eine Schlange, die behauptet, eine verzauberte Prinzessin zu sein, und er sei auserwählt, sie zu erlösen. Dazu müsse er sich drei Nächte lang von einer immer größer werdenden Zahl schwarzer Männer schlagen und quälen lassen. In der letzten Nacht würden sie im gar den Kopf abschlagen, doch sie, die dann wieder ihre menschliche Gestalt hätte, würde kommen und ihn mit dem Wasser des Lebens wieder lebendig machen. Der Junge tut, was die Schlange wünscht, und tatsächlich geschieht alles wie vorhergesagt. Er erlöst die verzauberte Prinzessin, sie heiraten und er wird der König vom goldenen Berg.

Sie leben glücklich und bekommen einen Sohn. Nach ein paar Jahren sehnt sich der König vom goldenen Berg nach seinem Vater und möchte ihn wenigstens noch einmal besuchen. Seine Frau ist darüber nicht erfreut, doch schließlich willigt sie ein. Sie gibt ihm einen Wünschring, doch warnt sie ihn, den Ring auf keinen Fall dazu zu benutzen, sie vom goldenen Berg weg zu wünschen. Der König verspricht, sich daran zu halten, und wünscht sich in die Stadt seines Vaters. Zuerst glaubt dieser ihm nicht, seinen Sohn vor sich zu haben, doch ein Muttermal lässt keinen Zweifel. Als er erzählt, er sei der König vom goldenen Berg, habe eine schöne Frau und einen ebenso schönen Sohn, glaubt der Vater ihm wieder nicht, denn er trägt, um kein Aufsehen zu erregen, die Kleider eines Schäfers. Da wird der König zornig und wünscht sich zum Beweis Frau und Kind herbei. Beide erscheinen umgehend, doch die Königin weint: er habe er ihr Glück zerstört, weil er sein Versprechen gebrochen hat. Sie lässt ihn allein an der Stelle zurück, wo ihn der Vater damals ins Boot gesetzt hat, und nun weiß er nicht, wie er zum goldenen Berg, seiner Familie und seinem Schloss zurückkommen soll. Trotzdem zieht er los (siehe Suchwanderung), um sein verlorenenes Glück wiederzufinden. Er trifft drei Riesen, die ihn bitten, ihr gemeinsames Erbe gerecht unter ihnen aufzuteilen. Das Erbe besteht aus drei Zauberdingen: ein Schwert, das im Handumdrehen allen Anwesenden die Köpfe abschlägt (nur den eigenen nicht), einen Tarnmantel und ein Paar Siebenmeilenstiefel. Weil die Riesen ziemlich dumm sind, kann der König ihnen leicht alle drei Dinge abnehmen (womit das Erbe zumindest gerecht unter den Dreien geteilt ist). Mit den Siebenmeilenstiefeln erreicht er den goldenen Berg und sein Schloss, wo die Königin kurz davor steht, erneut zu heiraten. Tarnmantel und Zaubersschwert helfen ihm, das zu verhindern (Märchentyp ATU 518: Kampf mit Zauberwaffen) und wieder der König vom goldenen Berg zu werden.

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