Dummling (Märchenfigur)

Der Dummling ist ein junger Mann, meist der jüngste von drei Brüdern, der als geistig minderbemittelt gilt und deshalb nicht ganz ernst genommen wird. Er kann ein einfacher Bursche oder auch ein Königssohn sein. Durch Mut und/oder sein freundliches Wesen erlangt er magische Kräfte, die ihn zu einem starken, bewunderten Mann reifen lassen. Meist gewinnt er so eine Königstochter als Frau (und das halbe Reich dazu).

Illustration von L. Leslie Brooke zum Märchen Die goldene Gans
Illustration von L. Leslie Brooke zum Märchen Die goldene Gans: Der Dummling teilt sein Brot mit einem Zwerg (The Golden Goose Book, 1905)

Der Dummling ist in gewisser Weise das männliche Gegenstück zum ebenfalls benachteiligten Aschenputtel, das jedoch unmündig bleibt und seine magischen Kräfte nur dazu nutzt, sich vom Prinzen erlösen zu lassen.

Beispiele

In dem Märchen Die goldene Gans (Brüder Grimm) gehen drei Brüder nacheinander in den Wald, um Holz zu schlagen. Die beiden Älteren verhalten sich garstig gegenüber einem alten Männlein, der Jüngste — der Dummling — dagegen ist freundlich und teilt sogar seinen Proviant mit ihm. Kurz darauf findet er unter der Wurzel seines Baumes eine goldene Gans, mit der er sein Glück macht.

In Die drei Federn (Brüder Grimm) ist der Dummling ein Königssohn. Der Vater sorgt sich, welcher seiner drei Söhne ihm auf dem Thron folgen soll, und veranstaltet deshalb einen Wettbewerb. Es scheint klar, dass nur einer der beiden als Sieger in Frage kommt, doch der Form halber darf der Jüngste mitmachen. Zunächst gewinnt dieser nicht mehr als die zweifelhafte Unterstützung einer Kröte, doch am Ende ist er der Glückliche.

Das Märchen Der Vogel Greif (Brüder Grimm) verbindet das Motiv des Dummlings mit der Wanderung zum Heim des Bösen (der Greif entspricht hier dem Teufel). Im ersten Teil empfiehlt sich der dumme Hans, im Gegensatz zu seinen beiden älteren Brüdern, zu Höherem. Denn dank seiner Geradlinigkeit und Arglosigkeit kann er die kranke Tochter des Königs mit ein paar frischen Äpfeln gesund machen. Bevor er sie (wie versprochen) heiraten darf, muss er es aber mit dem bösen Vogel Greif aufnehmen.

In dem norwegischen Märchen Die Jungfrau auf dem Glasberg (Asbjornsen und Moe) heißt der Dummling Aschenper, was auf die oben erwähnte Verwandtschaft mit der weiblichen Figur des Aschenputtel verweist. In diesem Fall ist es die unerwartete Furchtlosigkeit des geringgeschätzten jüngsten Bruders, was dessen Aufstieg bewirkt.

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