Märchenquiz

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Sechse kommen durch die ganze Welt

Sechse kommen durch die ganze Welt

Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, ab 2. Auflage, KHM 71). Seine große Popularität verdankt das Märchen auch seiner Verfilmung 1972 (DEFA) bzw. 2014 (RBB). Es handelt, wie etliche andere Grimm’sche Märchen, von einem entlassenen Soldaten, doch nimmt es eine andere Wendung als die meisten Soldatenmärchen. Der prekäre Situation des Soldaten wird nicht durch die Heirat mit der Königstochter aufgehoben, sondern indem der Soldat den gesamten Reichtum des Königs in seinen Besitz bringt.

Inhalt

Ein Soldat wird nach dem Krieg entlassen und bekommt zum Dank für seine Treue gerade mal drei Heller. Auf seiner Wanderschaft trifft er fünf Burschen, von denen jeder etwas ganz und gar Außergewöhnliches kann und die er in seine Dienste nimmt. Einer kann Bäume ausreißen und so sehr verbiegen, dass er damit ein Bündel weiterer Holzstämme zusammenbinden kann. Ein anderer kann so schnell laufen, dass er sich im Normalmodus immer ein Bein abschnallt, damit er nicht zu schnell ist. Ein dritter kann meilenweit entfernte Windmühlen antreiben, indem er durch das eine Nasenloch pustet, während er das andere zuhält. Ein vierter ist Jäger kann auf zwei Meilen Entfernung einer Fliege ein Auge ausschießen und der fünfte hat eine Kappe, mit der er tiefen Frost um sich herum zu erzeugen kann. Zusammen fühlen sie sich bärenstark und sind überzeugt: »Wir sechse kommen durch die ganze Welt!«

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Sechse kommen durch die ganze Welt. Illustration Otto Ubbelohde

Zumindest kommen sie in die Stadt, wo der König gerade einen Bräutigam für seine Tochter sucht. Sie ist eine sehr gute Läuferin, und so haben sie sich überlegt, dass derjeinige sie heiraten darf, der sie beim Wettlauf besiegt. Wer den Versuch wagt und unterliegt, verliert seinen Kopf. Der Soldat meldet sich als Bewerber, verkündet aber, dass einer seiner Diener für ihn laufen werde. Der König ist einverstanden, allerdings unter der Bedingung, dass im Fall des Falles beide, Soldat und Läufer, den Kopf verlieren werden. Der Läufer schnallt sein Bein an und hängt die Königstochter mühelos ab. Es ist verabredet, dass sie bis zu einem Brunnen laufen, dort zum Zeichen Wasser schöpfen und mit dem vollen Krug zurückkommen. Der schnelle Läufer ist schon auf dem Rückweg, und weil er einen so großen Vorsprung hat, bettet er sein Haupt auf einen herumliegenden Pferdeschädel, um ein wenig auszuruhen. Er schläft ein, und als die Königstochter ihn einholt, kippt sie den Krug des Schlafenden aus. Dies hat zum Glück der Jäger mit seinem scharfen Auge gesehen. Er weckt den Schläfer, indem er den Pferdeschädel unter seinem Kopf entzwei schießt. Der Läufer läuft noch einmal zum Brunnen und siegt am Ende doch noch mit großem Vorsprung.

Der König und vor allem seine Tochter wollen ihr Versprechen aber nicht halten. Sie verlangen, dass der Soldat noch weitere Proben besteht. So wird er mit seinen Dienern in eine Kammer gesperrt, in der schöne Speiesen für sie aufgetischt sind. Allerdings ist der Boden der Kammer aus Eisen, ebenso haben Türen und Fenster Eisengitter. Der König lässt die Kammer heizen, in der Hoffnung, die Eingesperrten würden darin ersticken. Doch zum Glück gibt es den Diener der Frost machen kann. Schließlich versucht der König zu handeln: der Soldat möge doch lieber Gold von ihm fordern, so viel, wie seine Leute tragen können, und dafür auf die Tochter verzichten. Dagegen hat der Soldat nichts einzuwenden. Er lässt alle Schneider der Stadt einen riesigen Sack nähen, in den der gesamte Inhalt der königlichen Schatzkammern hineinpasst und den der Starke mühelos davonträgt. Als der König die Bande mit seinem Reichtum davonziehen sieht, schickt er ihnen sein Heer hinterher. Auch damit kann er nichts ausrichten, weil der, welcher durch sein Nasenloch Sturm pusten kann, alle durcheinanderwirbelt, dass sie um ihr nacktes Leben flehen.

Motive

Das Motiv, des von einem undankbaren Herrscher ohne Perspektive entlassenen Soldaten (u.a. Das blaue Licht, Des Teufels rußiger Bruder) wird in diesem Märchen kombiniert mit dem der wunderbaren Helfer, die dem Helden beim Lösen unlösbar scheinender Aufgaben beistehen (bei den Brüdern Grimm v.a. in Die sechs Diener). Letzteres Motiv, jeweils mit fünf Helfern, findet sich auch in mehreren Märchen des Pentamerons von Giambattista Basile (Der Floh, Der Dummling, Die fünf Söhne).