Aladdin und die Wunderlampe

Aladdin und die Wunderlampe

Die Geschichte von Aladdin und der Wunderlampe ist in den meisten europäischen Ausgaben der orientalischen Märchensammlung Tausendundeine Nacht enthalten, jedoch nicht im arabischen Original. Sie wurde zusammen mit einigen anderen bekannten Geschichten von Antoine Galland, dem ersten europäischen Übersetzer der Sammlung, hinzugefügt. Ob er sie aus anderen Quellen hatte (Galland war Orientalist) oder ob es sich um eine eigene Schöpfung handelt, ist unklar. Neben Sindbad und Ali Baba gehört Aladdin zu den populärsten orientalischen Märchenfiguren, wozu nicht zuletzt die äußerst erfolgreiche Disney-Verfilmung (1992) beigetragen hat. Das zentrale Motiv (der mit der Lampe bzw. dem Licht oder Feuer verknüpfte dienstbare Geist) findet sich unter anderem auch in den Märchen der Brüder Grimm (Das blaue Licht) sowie bei Hans Christian Andersen (Das Feuerzeug).

Inhalt

Aladdin und die Wunderlampe,Tausendundeine Nacht, Illustrationen Walter Crane

Aladdin und die Wunderlampe, Illustration Walter Crane

Aladdin ist der einzige Sohn eines armen Schneiders und lebt mit seinen Eltern in einer Stadt in China. Auch mit 15 Jahren hat er nichts anderes im Kopf, als mit jüngeren Kindern zu spielen, sich herumzutreiben und Unsinn anzustellen. Weder mag von seinem Vater das Schneiderhandwerk lernen, noch steht ihm der Sinn nach einem anderen ehrbaren Handwerk. Darüber grämt sich sein Vater so sehr, dass er stirbt. Nun muss die Mutter allein als Spinnerin für beider Lebensunterhalt sorgen, denn Aladdin bleibt seinem liederlichen Lebenswandel treu. Eines Tages begnet er einem aus Nordafrika stammenden Magier, der behauptet, Aladdins längst tot geglaubter Onkel zu sein. Er schmeichelt sich bei Aladdin und dessen Mutter unter anderem damit ein, dass er verspricht, aus Aladdin einen Kaufmann zu machen. Kaufmann zu werden gefällt Aladdin wesentlich besser als jedes Handwerk, und so folgt er seinem vermeintlichen Onkel vertrauensvoll, als er ihn auf einem langen Spaziergang vor die Tore der Stadt führt.

Dort bittet der maurische Magier Aladdin, etwas Reisig aufzuhäufen und macht ein Feuer. Dazu murmelt er allerlei Zaubersprüche, bis sich die Erde öffnet und ein großer Stein sichtbar wird. Der Stein verdeckt den Eingang zu einer Höhle, in der, wie der Zauberer sagt, ein Schatz verborgen ist. Aladdin soll nichts weiter tun, als unter genauer Befolgung der Anweisungen des Zauberers eine Öllampe für ihn zu holen. Zur Sicherheit gibt der Zauberer ihm einen Siegelring mit, der ihm bei Gefahr helfen soll. Aladdin findet die Lampe genau an der beschriebenen Stelle und steckt sie in sein Hemd. Auf dem Rückweg stopft er zwischen Lampe und Hemd einige von den herrlich funkelnden und ihm gänzlich unbekannten Früchten, die an den Bäumen wachsen — ohne zu wissen, dass es sich um Edelsteine handelt. Als er wieder durch den Einstieg nach oben steigen will, verlangt der Magier zuerst die Lampe. Doch Aladdin kann nicht an die Lampe kommen, weil die Glitzersteine darüber liegen. Der Magier, dessen Sinnen und Trachten auf nichts anderes als die Lampe gerichtet ist, glaubt, Aladdin wolle ihn betrügen. Wütend schiebt er den Stein über das Einstiegsloch und entschwindet in seine ferne Heimat. So ist Aladdin in der Höhle eingesperrt und meint, sein Ende sei gekommen. Am dritten Tag ruft er Allah, den Allmächtigen an, und dreht dabei den Ring des Magiers. Daraufhin erschein ein Dschinni, der »Diener des Rings«, und fragt nach seinen Wünschen. So kann Aladdin aus der Höhle entkommen und zu seiner Mutter eilen, die ihn schon tot glaubte.

Nachdem sich der Magier und angebliche Onkel als Betrüger erwiesen hat, überlegen Mutter und Sohn, wie sie zu etwas Geld kommen könnten. Sie beschließen, die Lampe zu verkaufen, die anscheinend doch von einigem Wert sein muss. Als die Mutter an der Lampe reibt, um sie zu putzen, erscheint ein weiterer Dschinni, der »Diener Lampe«, und fragt sie nach ihren Wünschen. Sie wünscht sich nichts weiter als ein gutes Essen für sich und ihren Sohn. Daraufhin erscheinen die herrlichsten Speisen samt edlem Geschirr. Später verkaufen die beiden nach und nach Teile des Geschirrs und können vom Gewinn lange Zeit gut leben. Außerdem wissen sie nun, dass sie jederzeit die Dienste des Dschinnis in Anspruch nehmen können, machen davon aber nur sparsam Gebrauch, um nicht den Neid und das Misstrauen der Nachbarn zu erregen. Aladdin wird auf diese Weise allmählich zum geschickten Händler, der den Wert verschiedener Waren richtig einschätzen kann. Bald weiß er auch, dass die aus der Höhle mitgebrachten »Früchte« wertvolle Edelsteine sind.

Eines Tages werden alle Einwohner der Stadt angewiesen (unter Androhung der Todesstrafe) in ihren Häusern zu bleiben, weil die Tochter des Sultans unverschleiert zum Bad gehen will. Aladdin erhascht einen Blick auf die Schöne und verliebt sich unsterblich. Die Mutter soll beim Sultan für ihn werben, was Dank der unvergleichlichen Edelsteine Erfolg verspricht. Doch der Wesir des Sultans intrigiert, um seinen eigenen Sohn zum Schwiegersohn des Sultans zu machen. Während Aladdin geduldig die verabredete Frist bis zur Hochzeit abwartet, wird plötzlich die Vermählung der Prinzessin mit dem Nebenbuhler verkündet. Aladdin befiehlt dem Geist der Lampe, das Brautbett samt Braut und Bräutigam zu entführen, sobald sich beide niedergelegt haben. So kann die Ehe nicht vollzogen werden; der Nebenbuhler muss in der Kälte auf dem Abort schlafen, während sich Aladdin ins Bett zur Braut legt, jedoch mit einem Schwert dazwischen. Die Prinzessin ist nach dieser Hochzeitsnacht völlig verstört, und als die zweite Nacht ähnlich verstörend verläuft, löst der Sultan die Ehe seiner Tochter mit dem Sohn des Wesirs. Aladdins Mutter bringt ihren Sohn erneut ins Spiel. Zwar muss er eine Reihe von Proben bestehen, bevor er die Prinzessin heiraten darf, doch dank des Dschinnis in der Lampe ist das für ihn kein Problem. So heiratet Aladdin schließlich doch seine Angebete und wird, da er sich stets gegenüber den Armen großzügig zeigt, zu einem beliebten Herrscher. Für seine Prinzessin lässt er über Nacht ein herrliches Schloss errichten.

Aladdin und die Wunderlampe, Tausendundeine Nacht, Illustrationen Arthur Rackham

Aladdin und die Wunderlampe, Illustration Arthur Rackham

Der maurische Zauberer wähnte Aladdin längst tot, da in der Höhle verhungert. Doch seine Zauberkünste verraten ihm, dass er wider Erwarten noch lebt und wo sich die magische Lampe befindet. Als Lampenhändler erscheint er bei Aladdins Gemahlin. Mit dem Angebot, alte Lampen gegen neue zu tauschen, gelingt es ihm, ihr die Zauberlampe abzuluchsen. Dadurch gewinnt er unerhörte Macht, die er dazu nutzt, das Schloss mitsamt Prinzessin in seine maurische Heimat zu versetzen. Der Sultan ist über den Verlust seiner Tochter so erzürnt, dass er Aladdin hinrichten lassen will, doch da dieser beim Volk zu beliebt ist, gewährt er ihm eine Frist, in der er die Prinzessin wieder herbeischaffen soll. Zum Glück hat Aladdin noch den Ring seines Widersachers, dessen Dschinni zwar nicht so mächtig ist wie der Lampen-Dschinni, doch mit List und der Hilfe seiner Prinzessin kann das Paar den Zauberer austricksen. Das Schloss kommt wieder an seinen alten Platz und der Zauberer wird hingerichtet. Noch einmal droht dem Paar Gefahr, denn der Bruder des Zauberers will Rache an ihnen nehmen und sie ermorden. Als fromme Frau verkleidet verschafft er sich Zutritt zum Schloss, doch erkennt der Dschinni der Lampe an einer unbedachten Äußerung die Maskerade. Der Dolch, den der Bösewicht unter dem Gewand trägt, kehrt sich gegen ihn selbst. Fortan lebt Aladdin mit seiner Prinzessin unbehelligt als gerechter und vom Volk geliebter Herrscher.

 

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