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Der Müller und die Nixe

Der Müller und die Nixe

Märchen aus Ludwig Bechsteins Deutschem Märchenbuch (1845). In geringfügig abweichender Form ist es ab der 5. Auflage (1843) auch in den Kinder- und die Hausmärchen der Brüdern Grimm enthalten (dort: Die Nixe im Teich, KHM 181). Bechstein wie auch die Grimms übernahmen das Märchen von dem aus Zittau stammenden Philologen Moritz Haupt (*1808, †1874),  der es 1841 unter dem Titel »Ein Märchen aus der Oberlausitz« in der Zeitschrift für deutsches Altertum veröffentlicht hatte. Ähnliche Sagen von Teichnixen sind aus vielen Gegenden Deutschlands bekannt, wobei es relativ häufig Müller sind, die von den Nixen ins Unglück gestürzt werden. Zum einen erklärt sich dies natürlich aus dem Wohnort des Müllers nahe am Wasser (wasserbetriebene Mühlen). Zum anderen schlägt sich in diesen Erzählungen aber auch der schlechte Ruf nieder, den die Müller bis weit ins Mittelalter hatten, standen sie doch im Verdacht, durch Betrügereien zu Wohlstand gekommen zu sein oder gar mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Die Nixe in diesem Märchen ist daher wohl weniger als Elementargeist zu sehen (siehe Undine), sondern vielmehr als weibliche Entsprechung des Bösen.

Inhalt

Der Müller und die Nixe

Die Nixe im Teich, Illustration Otto Ubbelohde

Ein ehemals reicher, aber binnen kurzer Zeit verarmter Müller geht nach schlaflos verbrachter Nacht frühmorgens zu seinem Mühlteich, um auf andere Gedanken zu kommen. Wie er dort sorgenvoll auf und ab geht, sieht er auf einmal eine weiße Frau aus dem Wasser steigen. Er ahnt sofort, dass dies die Teichnixe ist, vor der er sich in Acht nehmen muss. Doch die Nixe spricht ihn freundlich an und fragt nach dem Grund für seine Sorgen. Der Müller fasst Vertrauen und erzählt ihr von seinem einstigen Reichtum und seiner jetzigen Not. Die Nixe tröstet ihn: Wenn er ihr gibt, was eben in seinem Hause jung geworden ist, würde er fortan reicher sein als je zuvor. Der Müller geht auf das Angebot ein und macht sich keine Gedanken wegen des seltsamen Wunsches der Nixe. Was er ihr zu geben hat, kann doch wohl nur ein junges Hündchen oder Kätzchen sein.

Als er freudig nach Hause eilt, erkennt er seinen Irrtum. Seine Frau ist vor der Zeit mit einem kleinen Jungen niedergekommen. Die Müllersleute denken nicht daran, ihren Sohn der Nixe zu geben, sondern schärfen ihm ein, sich von dem gefährlichen Weiher fernzuhalten. So wächst der Junge behütet auf. Die Müller kommt langsam wieder zu Wohlstand und ist irgendwann– wie die Nixe versprochen hatte — tatsächlich reicher als je zuvor. Doch im Stillen plagt ihn die dunkle Ahnung, dass sich die Nixeeines Tages doch noch den Lohn für ihre Hilfe holen wird.

Als er herangewachsen ist, lernt der Sohn das Handwerk des Jägers und heiratet. Eines Tages schießt er in der Nähe des verbotenen Weihers einen Hasen und weidet ihn an Ort und Stelle aus. Als er seine blutigen Hände im Teich waschen will, wird von der Nixe hineingezogen. Die junge Frau des Jägers findet am Weiher seine Tasche und kann sich ihren Reim darauf machen. Verzweifelt irrt sie am Weiher umher und fällt schließlich einen tiefen Schlaf. Sie träumt von einer Zauberin, die behauptet zu wissen, wie sie ihren Mann wiederfinden könne. Wieder erwacht beschließt die junge Frau, die Zauberin zu suchen. Tatsächlich findet sie diese Frau und erzählt ihr ihre traurige Geschichte. Die Zauberin gibt ihr den Rat, nachts bei Vollmond am Teich ihr Haar mit einem goldenen Kamm zu kämmen und den Kamm anschließend ans Ufer zu legen. Das die Jägersfrau, und tatsächlich sieht sie ihren Mann aus dem Wasser steigen. Doch es gelingt ihr nicht, ihn zu befreien, denn nur sein Kopf ragt aus dem Wasser. Als eine große Welle kommt, verschwindet er wieder ohne ein einziges Wort gesagt zu haben.

Die Frau geht wieder zur Zauberin, um sich neuen Rat zu holen. Diesmal soll sie auf einer goldenen Flöte spielen und sie dann ans Ufer legen. Sie befolgt den Rat und sieht ihren Mann bis Brust aus dem Wasser steigen. Er streckt sogar die Arme nach ihr aus, doch wieder sinkt er nach kurzer Zeit zurück ins Reich der Nixe. Bei einem dritten Besuch bei der Zauberin bekommt die Frau den Rat, am Teich auf einem goldenen Spinnrad zu spinnen und das Spinrad dann ans Ufer zu stellen. Diesmal kann die Frau ihren Mann vollständig aus dem Teich befreien, doch das Glück bleibt ihnen noch immer verwehrt. Denn kaum dass der Mann dem Teich entstiegen, hebt sich das Wasser und überschwemmt die Ufer. Die Zauberin kann die beiden retten, indem sie die Frau in eine Kröte und den Mann in einen Frosch verwandelt (siehe auch Tiere im Märchen), doch sie werden in entgegengesetzte Richtungen fortgespült. Nachdem die Flut zurückgegangen ist, erlangen sie zwar ihre menschliche Gestalt wieder, bleiben aber voneinander getrennt. Sie leben als Schäferin und Schäfer, und eines Tages kommt der Mann mit seiner Herde in das Gebiet der Schäferin. Sie werden Freunde ohne einander zu erkennen. Erst als der Schäfer eines Abends bei Vollmond auf einer goldenen Flöte spielt, erinnert sich die Frau an ihre Liebe und beginnt zu weinen. Da wird auch dem Mann klar, wen er vor sich hat. Sie werden wieder Mann und Frau und ziehen zurück in ihre alte Heimat.