Die beiden Königskinder

Die beiden Königskinder

Märchen der Brüder Grimm, auch De beiden Künigeskinner (Kinder- und Hausmärchen, KHM 113). Das Märchen ist ein Beispiel für den Märchentyp „magische Flucht“, ATU 313: Ein Jüngling gerät in die Gewalt eines bösen Gegenspielers mit übernatürlichen Fähigkeiten, der ihm eine Reihe von eigentlich unlösbaren Aufgaben stellt, wobei im Falle des Nichtbestehens der Tod angedroht wird. Wider Erwarten besteht der Held die Prüfungen, doch der Widersacher hält sich nicht an sein Versprechen, ihm im diesen Fall seine Tochter (eine Prinzessin) zur Frau zu geben. Den weiteren Nachstellungen entzieht sich der Held mithilfe von erworbenen Zauberkräften (Zaubergegenstände oder dankbare Tiere).

Inhalt

Ein sechzehnjähriger Königssohn ist im Wald jagen, als er einen großen Hirsch vor sich sieht, den er vergeblich zu erschießen versucht. Aus den Sternen wurde bei seiner Geburt geweissagt, dass er mit sechzehn Jahren von einem Hirsch getötet würde. Trotz der ungünstigen Zeichen, verfolgt er den Hirsch, bis sich schließlich ganz allein mit dem Hirsch außerhalb des Waldes wiederfindet. Anstelle des Hirschs steht plötzlich ein großer Mann vor ihm, der zu ihm sagt, dass er schon lange hinter ihm her ist, und ihn mit zu seinem Schloss nimmt. Dort angekommen verlangt er von ihm, dass er eine Nacht bei seiner ältesten Tochter wacht. Er wird jede volle Stunde kommen und nach ihm rufen. Sollte er nur ein einziges Mal keine Antwort geben, also eingeschlafen sein, würde er ihn töten. Doch wenn er die Prüfung besteht, würde er die Tochter zur Frau bekommen.

Die beiden Königskinder, Brüder Grimm. Märchenbilder von Elenore Abbott

Die beiden Königskinder, Illustration von Elenore Abbott

Der Königssohn besteht die Prüfung dank des großen, steinernen Christophorus, der statt seiner antwortet, nachdem er eingeschlafen ist. Doch der fremde König verweigert ihm die älteste Tochter und verlangt ihm stattdessen die gleiche Prüfung noch einmal ab, diesmal im Schlafgemach der zweiten Tochter. Die Prüfung verläuft wie beim ersten Mal, doch wieder ist der König nicht bereit, sein Versprechen zu halten. Die dritte Nacht verbringt der Königssohn im Zimmer der jüngsten Tochter, und wieder antwortet statt seiner ein steinerner Christophorus, während er selber schläft. Auch dies ist dem König nicht genug. Es folgen weitere Prüfungen: der Königssohn muss jeweils in einer einzigen Nacht einen ganzen Wald fällen, einen Teich vom Schlamm befreien und schließlich einen Berg von Dornbüschen befreien und darauf ein Schloss bauen. Für jede dieser Aufgaben gibt ihm der fremde König entsprechende Werkzeuge, doch sie sind alle aus Glas und zerbrechen beim ersten Handschlag. Jedesmal ist der Königssohn verzweifelt, denn wenn er die Aufgabe nicht erfüllt, wird er getötet. Doch die jüngste Königstochter, die ihm zur Mittagszeit Essen bringt, kommt ihm jedes Mal zur Hilfe. Sie tröstet und streichelt ihn, sodass er einschläft. Dann ruft sie eine Schar von »Erdmänneken« (Zwerge! nicht die putzigen Tierchen) herbei und befiehlt ihnen, die von ihrem Vater gestellte Aufgabe zu erfüllen.

Doch auch nachdem er diese drei weiteren Prüfungen bestanden hat, steht der fremde König nicht zu seinem Wort. Diesmal redet er sich damit heraus, dass er zuerst die beiden älteren Töchter verheiraten müsse. In der darauffolgenden Nacht laufen die beiden Verliebten zusammen fort. Als das Mädchen bemerkt, dass der Vater sie verfolgt, rettet sie sich und ihren Geliebten mit einer Verwandlung. Sie verwandelt ihn in einen Dornbusch und sich in eine Rose, die mitten im Dornbusch blüht. Der Vater kehrt zurück zu seinem Schloss, wo ihm die Königin sagt, was es mit der Rose und dem Dornbusch auf sich hat. Er nimmt die Verfolgung wieder auf. Diesmal verwandelt das Mädchen den Jungen in eine Kirche und sich in einen Pastor, der von der Kanzel predigt. Wieder kehrt er unverrichteter Dinge heim, woraufhin die Königin selbst die Verfolgung aufnimmt. Das Mädchen verwandelt den Jungen in einen Teich und sich in einen Fisch, der darin herumschwimmt. Die Königin trinkt den ganzen Teich leer, um an den Fisch zu kommen, doch davon wird ihr übel, sodass aus alles wieder ausspuckt. Sie erkennt, dass hier nichts mehr zu machen ist und lässt die beiden ziehn. Zum Abschied schenkt sie ihrer Tochter drei Nüsse mit dem Hinweise, dass diese ihr helfen werden, wenn sie sich in höchster Not befindet.

Kurz bevor die beiden das elterliche Schloss des Königssohns erreichen, lässt der Junge seine Braut in einem Dorf zurück, wo sie auf ihn warten soll, damit er sie angemessen mit Wagen und Dienern zum Schloss bringen kann. Doch kaum hat ihm die Mutter zuhause mit einem Kuss begrüßt, vergisst er schlagartig seine im Dorf wartende Braut (vgl. Die wahre Braut). Alleingelassen bleibt der Königstochter nichts anderes übrig, als sich als Magd bei einem Müller zu verdingen. Die Mutter sucht ihrem Sohn indessen eine andere Braut. Doch mithilfe der Nüsse kann die Königstochter die Hochzeit mit der falschen Braut verhindern. In jeder ieser Nüsse befindet sich ein wunderschönes Kleid, mit dem sie in die Kirche geht, um der Trauung beizuwohnen. Die falsche Braut wird jedesmal so neidisch, dass sie ihr Jawort verschiebt. Sie bekommt von der Unbekannten das Kleid gegen das Versprechen, vor der Tür des Bräutigams schlafen zu dürfen. Nachts erzählt sie ihm alles, was sie zusammen erlebt haben. In der drittem Nacht dringen ihre Worte endlich an sein Ohr, und er erinnert sich an seine wahre Braut.

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