Sonne, Mond und Thalia

Das Märchen Sonne, Mond und Thalia ist die fünfte Erzählung des fünften (und letzten) Tages im Pentamerone von Giambattista Basile. Der erste Teil wird deutschsprachigen Märchenfreunden bekannt vorkommen: es ist im Wesentlichen die bekannte Geschichte von Dornröschen. Es folgt jedoch ein längerer zweiter Teil, in dem die junge Frau sich gegen eine boshafte Konkurrentin durchsetzen muss. In dieser Form findet sich das Märchen auch in der Sammlung von Charles Perrault, wo es den Titel Die schlafende Schöne im Wald trägt.

Illustration von Warwick Goble zum Märchen Sonne, Mond und Thalia aus dem Pentamerone von Giambattista Basile
Sonne, Mond und Thalia. Illustration Warwick Goble (Stories from the Pentamerone, Macmillan, 1911)

Inhalt

Einem hohen Herrn wird eine Tochter geboren, was ihn überglücklich macht. Umso mehr erschrickt er, als geweissagt wird, dass Thalia durch eine Flachsfaser große Gefahr drohe. Rigoros lässt er alles aus seinem Schloss entfernen, was irgendwie mit Flachs zu tun hat. Doch als herangewachsen ist, sieht sie eines Tages vom Fenster aus eine alte Frau mit einer Handspindel. Weder hat sie ein solches Gerät jemals gesehen, noch weiß sie etwas über die Tätigkeit des Spinnens. Neugierig geworden, lässt sie die Alte heraufkommen und versucht selbst, einen ersten Faden zu drehen. Dabei fährt ihr eine Hanffaser unter den Fingernagel, und sie sinkt wie tot zu Boden. Die Alte verschwindet unbemerkt, während der Vater herbei eilt, aber nurmehr seine vermeintlich tote Tochter beweinen kann. Er setzt sie auf den Thron im Prunksaal und verlässt den Ort seines Unglücks für immer.

Doch Thalia ist nicht tot, sie schläft nur. Eines Tages macht ein junger König Jagd in der Gegend. Sein Falke fliegt durch ein offenes Fenster ins Schloss, und da er auf sein Pfeifen nicht zurück kommt, begibt sich der König über eine Leiter selbst hinein. Er ist erstaunt, keine lebendige Seele anzutreffen, bis er schließlich in den Raum gelangt, in dem Thalia schläft. Er versucht, sie zu wecken, doch es gelingt ihm nicht. Allerdings wirkt die Schöne frisch und lebendig, weshalb er nicht an sich halten kann und »die Früchte der Liebe pflückt«. Dann verlässt er das Schloss und vergisst nach einiger Zeit die Begegnung.

Thalia bringt, noch immer schlafend, einen Jungen und ein Mädchen zur Welt, die zunächst von zwei Feen versorgt und der Mutter an die Brust gelegt werden. Als eines der Kinder wieder einmal trinken will und anstatt der Brust an Thalias verletztem Finger saugt, wird durch das Saugen die verhängnisvolle Faser herausgezogen. Thalia erwacht aus einem tiefen Schlaf. Sie weiß nichts von dem, was in all der Zeit passiert ist, sieht sich aber instinktiv als die Mutter der beiden Kinder. Nach einiger Zeit erinnert sich der König doch wieder an seine Geliebte und besucht sie in ihrem verwunschenen Schloss. Er erkennt die beiden Kinder als die seinen und nennt sie Sonne und Mond. Die vier verbringen einige glückliche Tage miteinander, dann reitet der König wieder heim zu sein Frau.

Die hatte wegen seiner langen Abwesenheit schon Verdacht geschöpft, und als er im Schlaf von Sonne, Mond und Thalia murmelt, ist sie sicher, dass er eine Geliebte hat. Schnell findet sie heraus, wer sie ist und wo sie wohnt, und schickt einen Gesandten zu Thalias Schloss. Der behauptet, der König hätte ihn geschickt, weil er seine Kinder sehen möchte. Arglos schickt sie Sonne und Mond mit dem Gesandten fort an den Hof des König. Dort werden sie jedoch von der Königin empfangen und dem Koch übergeben, der sie töten und zu verschiedenen köstlichen Speisen verarbeiten soll.

Zum Glück hat der Koch ein gutes Herz. Er lässt die Kinder von seiner Frau verstecken und bereitet die gewünschten Speisen aus einem Zicklein zu. Gemeinsam mit seiner Frau beginnt der König zu tafeln. Es schmeckt ihm alles vorzüglich, wie er mehrfach gegenüber seiner Frau bekundet. Daraufhin antwortet sie doppeldeutig: »Iss, denn du issest von dem Deinen.« Dies wiederholt sie ebenfalls mehrere Male, bis es dem König schließlich zu bunt wird: Selbstverständlich esse er von dem Seinen, denn sie hätte ja nichts in die Ehe eingebracht. Dann verlässt er zornig das Schloss und zieht sich in sein Landhaus.

Die Königin nutzt seine Abwesenheit, um Thalia unter dem Vorwand, der König wolle sie sehen, ins Schloss holen zu lassen. Als sie dort ankommt, erwartet sie jedoch dessen Frau. Die hat schon alles vorbereitet, um Thalia dem Feuertod zu übergeben. Thalia gelingt es immerhin, ihre geplante Hinrichtung etwas hinauszuzögern, indem sie Stück für Stück ihre kostbaren Kleider auszieht. Als sie schließlich zum Scheiterhaufen geführt wird, kehrt der König von seinem Landhaus zurück und fragt was hier vorgeht. So muss schließlich die Königin anstelle von Thalia im Feuer sterben, ebenso der verräterische Gesandte. Auch dem Koch, der angeblich die Kinder getötet hat, droht dieses Schicksal. Die Frau des Kochs führt jedoch eilig die Kinder herbei, und der König schließt sie glücklich in seine Arme. Er heiratet Thalia und lebt mit ihr noch lange und glücklich.

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