Die wilden Schwäne

Die wilden Schwäne

Kunstmärchen von Hans Christian Andersen, 1838
Das Märchen zeigt insgesamt starke Ähnlichkeit mit den Grimmschen Märchen Die sechs Schwäne, Die sieben Raben und Die zwölf Brüder: Eine Prinzessin sucht und findet ihre Brüder, die von der bösen Stiefmutter in Schwäne verwandelt wurden (»Suchwanderung«). Um sie zu erlösen, muss sie eine langwierige Prüfung bestehen und darf dabei kein einziges Wort reden. Verleumdung führt beinahe ihren Tod auf dem Scheiterhaufen herbei — doch sogar in Andersens Variante geht das Märchen am Ende gut aus.

Inhalt

Ein König hat elf  Söhne und eine Tochter, Elisa. Für die Kinder beginnt eine harte Zeit, als ihr Vater nach dem Tod der Mutter erneut heiratet, denn die Stiefmutter trachtet vom ersten Tag an danach, sie loszuwerden. Elisa wird zu einer Bauernfamilie aufs Land gebracht. Die Prinzen trifft bald danach ein viel härteres Los. Mit den Worten

»Fliegt hinaus in die Welt und sorgt für euch selbst, [..] fliegt als Vögel ohne Stimme«

verwandelt sie sie in wilde Schwäne. Es vergehen viele Jahre. Als Elisa fünfzehn Jahre alt ist, wird sie zurück auf des Vaters Schloss geholt, doch die böse Königin ist so voller Neid auf ihre Schönheit, dass ihr Hass noch größer ist als zuvor. Sie versucht, Elisa mithilfe dreier Kröten in ein hässliches Mädchen zu verwandeln, doch weil die Prinzessin nicht nur schön, sondern auch im Herzen rein ist, kann ihr der Zauber nichts anhaben. Also greift die böse Stiefmutter zu handfesteren Mitteln: färbt ihr mit Walnusssaft das Gesicht dunkel, verfilzt ihr Haar und schmiert sie mit stinkenden Salben. Traurig stiehlt sich Elisa vom Hof ihres Vaters und ist nun mutterseelenallein. In der Waldeinsamkeit träumt sie von ihren Brüdern und wäscht am nächsten Morgen ihr Gesicht mit klarem Wasser rein, findet also zurück zu sich selbst und zu der Kraft, die in ihr steckt. Sie weiß nun, dass sie ihre Brüder suchen muss. Dem Hinweis eine Alten folgend, geht sie an einem Fluss entlang bis zum Meer, wo sie nicht mehr weiter weiß. Doch die rundgeschliffenen Steine und das unermüdliche Meer erteilen ihre eine Lehre: obwohl das Wasser weicher ist als ihre zarte Hand, vermag es alles Harte — Steine, Glas, Eisen — rund zu schleifen. Unermüdlich will auch sie nun sein auf ihrer Suche nach den Brüdern, und tatsächlich: eines Abends lassen sich in ihrer Nähe elf Schwäne nieder. Als die Sonne untergeht stehen vor ihr ihre elf Brüder.

Die Prinzen nehmen nachts ihre menschliche Gestalt an, müssen aber am Tag als Schwäne leben. Elisa kann sie erlösen, aber sie muss dafür Mut aufbringen und bereit sein Schmerzen zu erleiden. Aus den Fasern von Brennesseln, die auf einem Friedhof wachsen, muss sie für die Brüder Hemden fertigen. Sobald sie den Schwänen die Hemden überwirft, sind sie erlöst, doch solange sie daran arbeitet, darf sie kein einziges Wort reden, ansonsten sind die Brüder auf der Stelle tot. Elisa setzt sich im wahrsten Sinne des Wortes für ihre Brüder in die Nesseln, und bald ist das erste Hemd fertig. Kurz darauf findet ein Königssohn das schöne, stumme Mädchen, nimmt sie mit sich und heiratet sie. Von Anfang an hat sie am Hof einen Feind — der Erzbischof, der die allein in der Wildnis lebende Frau für eine Hexe hält. Auch Elisa liebt ihren Mann, doch kann sie ihm nicht anvertrauen, was sie bedrückt — ein einziges Wort würde den Tod ihrer Brüder bedeuten.

Die wilden Schwäne, Märchen von Hans Christian Andersen. Märchenbilder von Anne Anderson

Die wilden Schwäne, Illustration von Anne Anderson

Heimlich arbeitet sie weiter an den Hemden. Doch irgendwann sind ihre Brennesseln alle und sie muss neue besorgen. Deshalb schleicht sie sich nachts zum Friedhof, ihr Grauen bezwingend vorbei an Hexen, die aus frischen Gräbern Leichen fressen. Immer näher kommt sie ihrem Ziel, den elf Hemden für ihre elf Brüder. Doch ein Mensch beobachtet sie bei ihrem nächtlichen Tun: der Erzbischof. Im Beichtstuhl steckt er sein Wissen dem König, und nachdem der sich selbst von der »Wahrheit« der Behauptung überzeugt hat, wird Elisa zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. In der letzen Nacht vor Vollstreckung des Urteils vollendet sie das letzte Hemd, und als sie schon auf dem Scheiterhaufen steht, kommen die elf Schwäne geflogen. Sie wirft ihnen die Hemden über, und nun darf sie reden: Sie ist unschuldig, woran angesichts der Rückverwandlung der Prinzen niemand mehr Zweifel hat.

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