Die Nachtigall und die Rose

Die Nachtigall und die Rose

Kunstmärchen von Oscar Wilde, erschienen in der Sammlung Der glückliche Prinz und andere Märchen (1888)

»Sie sagte, sie wolle mit mir tanzen, wenn ich ihr eine rote Rose brächte«, rief der junge Student, »doch in meinem ganzen Garten ist keine rote Rose.«

Die Nachtigall und die Rose, Märchen von Oscar Wilde. Illustration Heinrich Vogeler

Die Nachtigall und die Rose. Illustration Heinrich Vogeler

Der Student ist verliebt in die Tochter seines Professors. Angesichts eines bevorstehenden Balls und des vagen Versprechens seiner Angebeteten ist er verzweifelt, weil es ihm nicht gelingt, die begehrte Rose zu beschaffen. Eine Nachtigall hört seinen Kummer und will ihm helfen, denn in ihm sieht sie verkörpert, wovon Nacht für Nacht singt. Sie bittet mehrere Rosensträucher um eine Rose, doch die ersten blühen nicht in der rechten Farbe und der letzte, der eigentlich rote Blüten hat, blüht überhaupt nicht, weil seine Knospen im harten Winter erfroren sind. Doch der erfrorene Rosenstrauch kann auf ganz besondere Weise eine rote Rose hervorbringen: Die Nachtigall muss die ganze Nacht ihr Lied von Liebe und Liebesleid singen und dabei ihr Herz gegen einen Rosendorn pressen. Das Blut aus dem Herzen der Nachtigall färbt das Herz der Rose rot.

Die Nachtigall ist bereit, für die Liebe des Studenten den Märtyrertod zu sterben. Am nächsten Morgen findet der Student die rote Rose und bringt sie sofort seiner Angebeteten. Doch die weist ihn ab mit den Worten, die Rose würde nicht zu ihrem Kleid passen und außerdem hätte ihr ein anderer Verehrer Juwelen geschenkt. Der Student wirft die Rose enttäuscht in den Rinnstein und widmet sich seinen Studien.

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