Der Tannenbaum

Der Tannenbaum

Kunstmärchen von Hans Christian Andersen, veröffentlicht 1844

Inhalt

Die Geschichte erzählt von den Erwartungen und Enttäuschungen eines kleinen Tannenbaums. Als er noch klein ist und im Wald steht, kann er sich seines jungen Lebens nicht recht erfreuen, weil er nichts anderes im Sinn hat, als möglichst schnell groß und nützlich zu werden. Es ärgert ihn, dass die Hasen über ihn hinweg springen — wenn er erst groß ist, dann werden die Vögel in seinen Zweigen Nester bauen. Oder vielleicht wird er eines Tages das Meer sehen, denn wie er von den Zugvögeln gehört hat, werden aus besonders kräftigen Tannen Schiffsmasten gemacht. Manche Bäume werden auch schon in jungen Jahren aus dem Wald geholt, um als festlich geschmückte Weinachtsbäume in den Stuben der Menschen zu stehen. Jedenfalls, da ist er sicher, wird sein richtiges Leben erst später, irgendwann, beginnen.

Der Tannenbaum, Märchen von Hans Christian Andersen. Märchenbilder von Oskar Herrfurth

Der Tannenbaum. Märchenpostkarte von Oskar Herrfurth

Als er etwa fünf Jahre alt ist und Weihnachten naht, kommen Männer in den Wald und zeigt auf ihn: Das ist ein schöner Baum — und schon fährt ihm eine Axt durchs Mark, und er sinkt mit einem Seufzer nieder. Dann wird er zusammen mit anderen gefällten Bäumen unsanft weggebracht. Der Gedanken, dass er die vertrauten Mitbewohner seines Waldfleckens nie mehr wiedersehen wird, gefällt ihm gar nicht. Dann kommen wieder Leute, die auf ihn zeigen und sagen: der da ist prächtig. Er wird in ein vornehmes Haus mit einem schönen Saal gebracht und festlich geschmückt. Ganz oben an seiner Spitze wird ein Stern aus Goldpapier befestigt. Als die Diener die auf seinen Zweigen sitzenden Kerzen anzünden, bebt er vor Aufregung so heftig, dass ein Zweig Feuer fängt und die Kerzen von den Dienern sicherheitshalber gelöscht werden. Nun, das würde er sicher noch lernen und bald besser machen. Auf den Gedanken, dass er an diesem schönen Abend seines Lebensende schon fast erreicht hat, kommt er nicht. Jemand erzählt die Geschichte von Klumpe-Dumpe, der die Treppe runter fällt und trotzdem die Prinzessin bekommt. Das gefällt ihm. Er denkt an eine junge Birke, die im Wald ganz nahe bei ihm wuchs. Ja, das wäre vielleicht seine Prinzessin gewesen.

Am nächsten Morgen denkt er, dass das schöne Treiben wieder von vorne beginnt. Doch für ihn ist alles vorbei. Er wird auf den Dachboden gebracht und dort in einer dunklen Ecke abgestellt. Immerhin leisten ihm ein paar Mäuse Gesellschaft. Ihnen erzählt er von früher, von seinem Leben im Wald. Nun merkt er, wie glücklich und frei er damals gewesen — aber bestimmt würde es wieder so werden. Er erzählt den Mäusen auch die Geschichte von Klumpe-Dumpe und der Prinzessin. Sogar zwei Ratten kommen und hören ihm zu. Als sie merken, dass er nur diese eine Geschichte zu erzählen weiß und fast nichts von der Welt gesehen hat, verlieren sie das Interesse. Bald bleiben auch die Mäuse weg, und der Tannenbaum ist ganz allein in seiner dunklen Ecke.

Schließlich kommt doch jemand, um ihm wieder hervor zu holen. Eine neue Etappe in seinem Leben, denkt der Tannenbaum noch immer. Tatsächlich ist die Natur um ihn herum zu neuem Leben erwacht, doch seine eigenen Nadeln sind vertrocknet und braun. Er erkennt, wie töricht sein Hoffen auf die Zukunft war, und hört seine Äste erst brechen und dann im Feuer knistern. Im Garten spielen die Kinder mit dem Goldstern, der sich bis zum Schluss auf seiner Spitze gehalten hat.

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