Der blonde Eckbert

Der blonde Eckbert ist ein Kunstmärchen von Ludwig Tieck, veröffentlicht 1797, eines der frühesten Werke der Romantik. Es ist enthalten in der von Tieck unter dem Pseudonym Peter Lebrecht herausgegebenen Sammlung »Volksmährchen«. Der blonde Eckbert bildet auch den Auftakt der dreibändigen Sammlung Phantasus, die Tieck in den Jahren 1812-16 veröffentlichte und die unter anderem auch das ähnlich düstere Kunstmärchen vom Runenberg enthält. Beide Märchen beziehungsweise Erzählungen gehören zu den wichtigsten Beiträgen der deutschen Literatur zur sogenannten schwarzen Romantik.

Wie beim Runenberg geht es auch im Blonden Eckbert um die Vermischung von Realem und Fitkivem, um das Nebeneinander von Idylle und einem düster-dämonischen Charakter der Natur. Erreicht wird diese Vermischung durch die verschiedenen, teils ineinanderfließenden Erzählebenen: Eckbert und Bertha als zurückgezogen lebendes, vertrautes Paar; Berthas Vergangenheit, erzählt von ihr selbst; Eckberts wahnhaftes Erleben nach dem Zusammenbruch seiner heilen Welt.

Inhalt

Der Ritter Eckbert lebt mit seiner Frau Bertha in größter Zurückgezogenheit auf einer Burg im Harz. Eines Abends erzählt sie Walther, dem einzigen Freund ihres Mannes, von ihrer Jugend. Sie vertraut ihm an, dass sie die Tochter eines armen Hirten ist. Im Alter von zehn Jahren war sie vor den Schlägen und Drohungen ihres Vaters in den Wald geflüchtet. Dort fand sie Obdach bei einer alten Frau, die, wie sich herausstellte, magische Fähigkeiten besaß. Die Alte sorgte sich um Bertha wie um eine eigene Tochter behütet. Berthas einzige Gefährten in der Waldeinsamkeit waren das Hündchen und der Vogel der alten Frau.

Der Vogel singt immerzu sein wunderschönes Lied von der Waldeinsamkeit. Außerdem legt er jeden Tag einen Edelstein oder eine Perle. Mit zunehmendem Alter wird Bertha von der alten Frau gelegentlich in Waldeinsamkeit allein gelassen. Sie hat dann die Aufgabe, den Haushalt zu führen und sich um die Tiere zu kümmern. Doch als sie 14 Jahre alt ist, raubt Bertha einige Kostbarkeiten und macht sich mit dem Vogel auf und davon. Das Hündchen bleibt allein im Haus zurück und muss verhungern. Einige Jahre später lernt sie Eckbert kennen und wird seine Frau.

Nach diesem Schuldgeständnis zerbricht die Freundschaft zwischen Eckbert und Walther. Bertha, gequält von ihren Schuldgefühlen, wird schwer krank. Eine winzige Bemerkung von Walther hat sie zu der Überzeugung gebracht, dass Walther von ihrer Jugendsünde weiß. Als sie dies Eckbert anvertraut, tötet er im Zorn Walther. Unmittelbar darauf stirbt auch Bertha. Nun ist es Walter, den Schuldgefühle quälen. Er hofft, bei seinem neuen Freund Hugo Trost zu finden und vertraut ihm als Freundschaftsbeweis seine eigene Verfehlung an. Als sich Hugo nach dieser Offenbarung von ihm abwendet, ob nun scheinbar oder wirklich, wird Eckbert wahnsinnig und zieht sich in einsamste Gegenden zurück.

Im Wald hört er schließlich den Vogel, von dem ihm seine Frau erzählte, und begegnet der alten Frau. Diese fordert von ihm ihren Vogel, ihre Perlen, ihren Hund zurück; Freund Walter wie auch Freund Hugo waren niemand anders als sie selbst. Berthas Leben in der Waldeinsamkeit war eine Probe, die sie fast bestanden hätte — doch kurz vor Ende der Probezeit beging sie Verrat. Und das Schlimmste: sie war eine uneheliche Tochter seines Vaters, also seine eigene Stiefschwester. Nach diesen Enthüllungen stirbt Eckbert in geistiger Umnachtung.

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