Die Krähen

Die Krähen

Die Krähen ist ein Märchen der Brüder Grimm, das bis zur 4. Auflage in den Kinder- und Hausmärchen enthalten war (KHM 107a). Es verbindet die ambivalente Symbolik der einerseits als wissend geltenden, andererseits als »Galgenvögel verschrieenen Vögel (siehe Tiere im Märchen: Raben und Krähen) mit der Figur des Soldaten, der in vielen Märchen als Wanderer zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt auftritt.

Ab der 5. Auflage wurde das Märchen ersetzt durch Die beiden Wanderer, das die wesentlichen Motive aus der Krähe enthält, aber länger und vielschichtiger ist.

Inhalt

Ein rechtschaffener Soldat hat etwas Geld zusammengespart, anstatt es wie die anderen in den Wirtshäusern durchzubringen. Zwei seiner Kameraden, die freundlich tun, aber in Wirklichkeit unlautere Absichten haben, überreden ihn, zusammen mit ihnen zu türmen. Natürlich haben sie es nur auf sein Geld abgesehen, und als sie die Garnisonsstadt ein gutes Stück hinter sich gelassen haben, schlagen sie ihn zusammen. Nicht genug damit, dass sie ihm sein Erspartes abnehmen, stechen sie ihm auch noch die Augen aus. Bevor sie sich mit dem Geld aus dem Staub machen, schleppen sie ihr Opfer zum Galgen und binden es dort fest.

Als der Ausgeraubte wieder zu sich kommt, hat er keine Ahnung, wo er überhaupt ist. Er merkt nur, dass er an einem Holzbalken sitzt, und meint, die Halunken hätten ihn gnädigerweise an ein Kreuz gebunden. Gegen Abend lassen sich drei Krähen auf dem Galgen nieder und tauschen Neuigkeiten aus. Die eine hat gehört, dass die Tochter des Königs schwer krank ist und dass der König versprochen hat, sie demjenigen zur Frau zu geben, der sie wieder gesund macht. Aber das würde wohl niemandem gelingen, weil niemand des Mittel kennt: Man muss dazu die Kröte aus dem Teich neben dem Galgen verbrennen und ihre Asche der Königstochter zu trinken geben. »Ach ja«, seufzen die Krähen, »wenn die Menschen nur wüssten, was wir wissen«. Auch die zweite Krähe hat ein Geheimnis erfahren. Heute Nacht wird ein besonderer Tau vom Himmel fallen – der hat die Kraft, Blinde wieder sehend zu machen. Die dritte Krähe hat von einem Wunder erfahren, das (wenn es die Menschen denn erkennen würden) sehr vielen Menschen große Nutzen bringen würde. In der Stadt herrscht große Not, weil die Brunnen vertrocknet sind; dabei gibt es eine Quelle direkt unter dem Marktplatz. Es müsste nur jemand einen bestimmten Stein wegschieben und bräuchte nicht allzu tief graben.

Bald nach ihrer Unterhaltung fliegen die Krähen wieder fort. Der blinde Soldat macht sich von seinen Fesseln los und streicht sich Tau in seine Augenhöhlen. Die Krähe hat die Wahrheit erzählt – er kann wieder sehen. Dann holt er die Kröte aus ihrem Teich und verbrennt sie. Mit ihrer Asche geht er zum Königshof, wo er verkündet, er könne die Prinzessin heilen. Tatsächlich wird die Prinzessin nach Einnahme der Krötenasche umgehend wieder gesund. Der König will aber sein Versprechen nicht halten, weil ihm der Soldat in seinen abgerissenen Kleidern nicht als Schwiegersohn geeignet scheint. Um ihn loszuwerden, stellt er ihm eine zweite Aufgabe, nämlich Wasser für die Stadt zu beschaffen. Das ist für den Soldaten, der das Gespräch der weisen Krähen belauscht hat, eine leichte Aufgabe. Er geht zum Marktplatz, schiebt den Stein weg und findet nach kurzem Graben Wasser. Nun kann der König ihm die Tochter nicht mehr verweigern, und so wirde der ehemalige Soldat ein reicher und glücklicher Mann.

Nach einiger Zeit trifft er auf einem Spaziergang die beiden Halunken, die ihn beraubt und ihm die Augen ausgestochen haben. Sie erkennen ihn nicht, doch er sagt ihnen unverblümt, dass er derjeinige ist, dem sie so übel mitgespielt haben. Die beiden staunen, denn es ist mehr als offensichtlich, dass der andere sein Glück gemacht hat. Sie fragen ihn, wie sich das zugetragen hat, und er erzählt ihnen von den geschwätzigen Krähen auf dem Galgen. Das wollen sie auch unbedingt ausprobieren, vielleicht kommen die Krähen ja wieder und sie erfahren von ihnen auch etwas Nützliches. Also setzen sie sich für eine Nacht unter den Galgen, und tatsächlich kommen die Krähen wieder. Sie unterhalten sich darüber, dass jemand sie belauscht haben muss, denn die Königstochter ist plötzlich wieder gesund geworden, die Kröte ist aus dem Teich verschwunden, ein Blinder ist wieder sehend geworden und in der Stadt gibt es wieder Wasser. Und als sie die beiden Gestalten unter dem Galgen erblicken, sind die sich schnell einig, dass dies die Lauscher sein müssen, und hacken ihnen zur Strafe die Augen aus. Dann hacken sie weiter auf ihnen herum, bis sie tot sind, und am Ende sind nur noch ihre Skelette übrig.

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