Der alte Hildebrand

Der alte Hildebrand ist ein Schwank, enthalten in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (ab der 2. Auflage, KHM 95). Das Hauptmotiv ist das heimliche Stelldichein des Pfarrers mit einer verheirateten Frau (hier: einer Bäuerin), was als Nebenmotiv etwa auch in dem Märchen Das Bürle (dort ist die Frau eine Müllerin) vorkommt. In sprachlicher Hinsicht stellt der Schwank eine Besonderheit innerhalb der Sammlung der Brüder Grimm dar, da er auf österreichisch niedergeschrieben ist.

Illustration von Otto Ubbelohde zu dem Märchen Der alte Hildebrand. Hildebrand trifft den Eiermann
Der alte Hildebrand. Illustration Otto Ubbelohde (Kinder- und Hausmärchen, Turm-Verlag Leipzig, 1907-09)

Inhalt

Ein Pfarrer hat ein Auge auf eine Frau seiner Gemeinde geworfen, und zwar auf die Frau vom alten Hildebrand. Nun sinnt nach einer Möglichkeit, einmal ein paar Stunden mit ihr allein verbringen zu können. Schließlich hat er eine Idee. Er sagt der Bäuerin, sie solle sich am Mittwoch ins Bett legen und jammern, wie krank sie sei. Die folgenden Tage das Gleiche. Die Bäuerin, die auch an dem Stelldichein interessiert ist, tut, was der Pfarrer ihr gesagt hat. Bauer Hildebrand macht sich langsam Sorgen um seine Frau. Als sie am Sonntag trotz ihrer Schmerzen in die Kirche gehen will, sagt er, sie solle nur liegen bleiben, er würde allein zur Predigt gehen. Ihr zuliebe würde er ganz besonders aufmerksam zuhören, was der Herr Pfarrer sagt.

Genau das hatte der Pfarrer beabsichtigt. In seiner Predigt erzählt er der Gemeinde, dass, wer immer einen kranken Angehörigen zu Hause hat, solle eine Wallfahrt zum Göckerliberg unternehmen. Dort kann man für einen Kreuzer eine bestimmte Menge Lorbeerblätter kaufen. Gleich nach der Predigt geht Bauer Hildebrand zum Pfarrer und lässt sich ihm den Sack für die Lorbeerblätter geben. Der Pfarrer freut sich, dass sein Plan aufgegangen ist, und macht sich flugs auf den Weg zu Hildebrands Frau.

Bauer Hildebrand trifft auf dem Weg zum Göckliberg seinen Gevatter und erzählt ihm, was er vor hat. Der Gevatter hat den richtigen Riecher. Er äußert den Verdacht, dass Hildebrand von dem Pfarrer hereingelegt wurde, der sich in diesem Augenblick mit dessen Frau vergnügt. Hildebrand vergisst den Göckliberg und den Lorbeer; allein der Gedanke, es könnte an den Reden des Gevatters etwas dran sein, bringt ihn aus der Fassung. Der Gevatter, der ein Eiermann ist, d.h. ein Eierverkäufer mit einer großen Kiepe auf dem Rücken, schlägt Hildebrand vor, ihn in der Kiepe zu verstecken. So wolle er ihn in sein eigens Haus einschmuggeln, auf dass er mit eigenen Augen sehen kann, was von der Sache zu halten ist.

Illustration von Otto Ubbelohde zu dem Märchen Der alte Hildebrand. Der Pfarrer tanzt mit Hildebrands Frau
Illustration Otto Ubbelohde (Kinder- und Hausmärchen, Turm-Verlag Leipzig, 1907-09)

Gesagt, getan. Die Bäuerin lässt den Gevatter Eiermann ein. Noch in der Tür gibt sie ihm zu verstehen, dass er äußerst ungelegen kommt. Dezent verzieht sich der Gevatter mit seiner Kiepe auf die Ofenbank, während die Bäuerin und der Pfarrer einen drauf machen. Schließlich bittet der Pfarrer die Bäuerin, für ihn zu singen, was sie nach einigem Zieren auch tut. Sie singt davon, dass ihr Mann auf dem Göckliberg ist und dass sie sich wünscht, er bliebe dort ein ganzes Jahr. Daraufhin fängt auch der Gevatter an zu singen, und zwar: Ei, du, Gevatter Hildebrand, was machst du auf der Ofenbank? Hildebrand singt nun auch einen kurzen Vers, steigt aus dem Korb und prügelt den Pfarrer zur Türe raus.

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