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Der alte Hildebrand (Brüder Grimm) | Märchenatlas

Der alte Hildebrand

Der alte Hildebrand

Der alte Hildebrand ist ein Schwank, enthalten in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (ab der 2. Auflage, KHM 95). Das Hauptmotiv ist das heimliche Stelldichein des Pfarrrs mit einer verheirateten Frau (hier: einer Bäuerin), was als Nebenmotiv etwa auch in dem Märchen Das Bürle (dort ist die Frau eine Müllerin) vorkommt. In sprachlicher Hinsicht stellt der Schwank eine Besonderheit innerhalb der Sammlung der Brüder Grimm dar, da er auf österreichisch niedergeschrieben ist.

Inhalt

Ein Pfarrer hat ein Auge auf eine bestimmte Frau seiner Gemeinde geworfen (die Frau des alten Hildebrand) und sinnt nach einer Möglichkeit, einmal ein paar Stunden mit ihr allein verbringen zu können. Schließlich hat er folgende Idee: er sagt der Bäuerin, sie solle sich am Mittwoch ins Bett legen und jammern, wie krank sie sei. Die folgenden Tage das Gleiche. Die Bäuerin, die auch an dem Stelldichein interessiert ist, tut, was der Pfarrer ihr gesagt hat. Bauer Hildebrand macht sich langsam Sorgen um seine Frau, und als sie am Sonntag trotz ihrer Schmerzen in die Kirche gehen will, sagt er, sie solle nur ja liegen bleiben, er würde allein zur Predigt gehen und ihr zuliebe ganz besonders aufmerksam zuhören, was der Herr Pfarrer sagt. Genau das hatte der Pfarrer beabsichtigt. In seiner Predigt erzählt er der Gemeinde, dass, wer immer einen kranken Angehörigen zu Hause hat, solle eine Wallfahrt zum Göckerliberg unternehmen, wo man für einen Kreuzer eine bestimmte Menge Lorbeerblätter kaufen kann. Gleich nach der Predigt geht Bauer Hildebrand zum Pfarrer und lässt sich ihm den Sack für die Lorbeerblätter geben. Der Pfarrer freut sich, dass sein Plan aufgegangen ist, und macht sich flugs auf den Weg zu Hildebrands Frau.

Bauer Hildebrand trifft auf dem Weg zum Göckliberg seinen Gevatter und erzählt ihm, was er vor hat. Der Gevatter hat den richtigen Riecher und äußert den Verdacht, dass Hildebrand von dem Pfarrer hereingelegt wurde, der sich in diesem Augenblick mit dessen Frau vergnügt. Hildebrand vergisst den Göckliberg und den Lorbeer; allein der Gedanke, es könnte an den Reden des Gevatters etwas dran sein, bringt ihn aus der Fassung. Der Gevatter, der ein Eiermann ist, d.h. ein Eierverkäufer mit einer großen Kiepe auf dem Rücken, bietet Hildebrand an, ihn in der Kiepe zu verstecken und so in sein eigens Haus einzuschmuggeln, auf dass er mit eigenen Augen sehen kann, was von der Sache zu halten ist.

Der alte Hildebrand. Illustration Otto Ubbelohde

Der alte Hildebrand. Illustration Otto Ubbelohde

Gesagt, getan. Die Bäuerin lässt den Gevatter Eiermann ein, doch gibt sie ihm gleich in der Tür zu verstehen, dass er äußerst ungelegen kommt. Dezent verzieht sich der Gevatter mit seiner Kiepe auf die Ofenbank, während die Bäuerin und der Pfarrer einen drauf machen. Schließlich bittet der Pfarrer die Bäuerin, für ihn zu singen, was sie nach einigem Zieren auch tut. Sie singt davon, dass ihr Mann auf dem Göckliberg ist und dass sie sich wünscht, er bliebe dort ein ganzes Jahr. Daraufhin fängt auch der Gevatter an zu singen, und zwar: Ei, du, Gevatter Hildebrand, was machst du auf der Ofenbank? Hildebrand singt nun auch einen kurzen Vers, steigt aus dem Korb und prügelt den Pfarrer zur Türe raus.

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