Sindbad der Seefahrer

Sindbad der Seefahrer

Erzählzyklus aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht; eigentlich ein Seefahrer- oder Abenteuerroman mit verschiedenen fantastischen bzw. märchenhaften Elementen. In der Übersetzung von Enno Littmann  (1927) nehmen die sieben Reisen von Sindbad dem Seefahrer die 536. bis 566. Nacht ein. In der Übersetzung von Gustav Weil werden sie in der 256. bis 276. Nacht erzählt. In der ältesten erhaltenen arabischen Handschrift fehlen die Geschichten von Sindbad und demzufolge auch in Übersetzung, die auf dieser beruhen (u.a. bei Claudia Ott).

Inhaltsverzeichnis

Rahmenhandlung

Die Abenteuer von Sindbad sind in eine Rahmenhandlung eingebettet, in der der arme Lastträger Sindbad die Bekanntschaft des reichen Kaufmanns und ehemaligen Seefahrers gleichen Namens macht. Die Geschichte beginnt in Bagdad, wo der schwer beladene Lastträger im kühlen Schatten vor dem palastartigen Haus seines Namensvetters Pause macht und dabei in wohlgesetzten Worten seinen Schöpfer anruft, der es so eingerichtet hat, dass die einen Ruhe ohne Arbeit und die anderen Arbeit ohne Ruhe haben. Zufällig hört der reiche Sindbad von seinem Fenster aus die Klage des armen Lastträgers und lässt ihn durch einen Diener hereinbitten. Er bewirtet ihn, erzählt ihm seine Abenteuer und macht ihm großzügige Geldgeschenke. Denn er war selbst nicht immer reich und kann deshalb die Klage des Armen verstehen. Außerdem ist er hin- und hergerissen zwischen seiner Abenteuerlust und seiner Liebe zu Gott, sodass er es für seine Pflicht hält, von seinem nicht immer wirklich gottgefällig erworbenen Reichtum etwas an die Armen anzugeben. Seine Erzählung beginnt damit, dass er seinen Vater früh verloren und reich geerbt hat, jedoch als Jüngling durch Feiern und Prassen fast alles verlor. Von seinen letzten Besitztümern kauft er Handelsware und sticht mit anderen ehrbaren Händlern in See.

Sindbads erste Reise

Das Schiff von Sindbad und den anderen Kaufleuten war von Insel zu Insel gesegelt und alle hatten gute Geschäfte gemacht. Eines Tages kommen sie an eine grüne Insel, die ihnen wie das Paradies erscheint. Sie gehen vor Anker und mit Erlaubnis des Kapitäns darf, wer Lust dazu hat, auf die wunderbare Insel gehen. Doch kaum haben die Abenteurer auf der Insel Feuer gemacht, um ein schönes Essen zuzubereiten, beginnt die Insel, sich zu bewegen. Denn die Insel ist in Wirklichkeit ein riesiger Fisch. Die Warnung des Kapitäns kommt für die meisten zu spät, doch Sindbad kann sich auf einem Brett retten und wird an eine unwirtliche Insel gespült. Dort wird er Zeuge, wie eine Gruppe von Männern Rassepferde züchtet, indem sie eine Stute festbinden und warten wie ein Hengst aus dem Meer aufsteigt, der sie bespringt. Sindbad geht mit den Männern in die Stadt des Königs Murdjan, wo er sich wieder als Kaufmann betätigt. Eines Tages legt dort sein ursprüngliches Schiff an, sodass er seine Handelswaren wieder in Besitz nehmen und nach Bagdad reisen kann.

Sindbads zweite Reise

Sindbad der Seefahrer, Vogel Roc. lllustration von René Bull

Der Vogel Roc. Illustration von René Bull zu Sindbad der Seefahrer

Sindbad wird das angenehme Leben in Bagdad zu langweilig, weshalb er wieder Waren auf ein Handelsschiff laden lässt und in See sticht. Auch diesmal macht er gute Geschäfte, bleibt dann aber allein auf einer Insel zurück, nachdem er im Schatten eines Baumes eingeschlafen war. Er entdeckt eine große weiße Kugel, die sich als ein Ei des Wundervogels Roc erweist. Sindbad verfällt auf die Idee, mithilfe des Vogels Roc die Insel zu verlassen, und bindet sich mit dem Tuch seines Turbans am Fuß des Riesenvogels fest. Der Vogel bringt Sindbad in ein Tal, dessen Boden mit Diamanten übersät ist. Sindbads Freude darüber währt nur kurz, denn in dem Tal wimmelt es nur so von Schlangen. Er bemerkt, dass auf den Bergen, die das Tal einkesseln, Männer stehen und etwas ins Tal werfen. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um Tierkadaver. Die Männer »ernten« mit dieser Methode Diamanten: Adler stürzen sich auf das Fleisch und holen es samt der Diamanten, die daran haften bleiben, aus dem Talkessel. Sindbad sammelt ein paar der schönsten Diamanten, dann bindet er ein großes Stück Fleisch an seinem Körper fest und lässt sich von einem großen Adler nach oben bringen. Mit den Diamantenhändlern reist er weiter, macht selbst wieder gute Geschäfte, da er für die Diamanten neue Waren erwerben kann, und kehrt schließlich wieder heim nach Bagdad.

Sindbads dritte Reise

Der erfolgreiche und angesehene Sindbad sucht neue Abenteuer. Diesmal gerät das Schiff, auf dem er mit anderen Kaufleuten unterwegs ist, in einen Sturm und infolgedessen in die Nähe einer Insel, die bei den Seeleuten in äußerst schlechtem Ruf steht. Angeblich hausen dort stark behaarte Zwerge, die über Fremde herfallen und sie töten. Tatsächlich erweist sich die Insel als ein noch viel schrecklicherer Ort: Sindbad und seine Gefährten sehen Berge von menschlichen Skeletten und überdies Bratspieße, die nichts Gutes verheißen. Allerdings sind nicht die Zwerge die Menschenfresser, sondern eine Gruppe von Riesen, die die Herrscher der Insel sind. Der Kapitän, der der fetteste von Sindbads Gefährten ist, wird das erste Opfer; weitere folgen. Die Überlebenden, darunter Sindbad, können sich auf Flößen retten, doch landen sie zunächst auf einer Insel. die von äußerst gefräßigen Schlangen beherrscht wird. Weitere Gefährten von Sindbad werden gefressen, bis er am Ende als Einziger übrig bleibt. Er hat bereits mit seinem Leben abgeschlossen, als er in der Ferne ein Schiff erblickt. Mit seinem Turbantuch winkend macht er sich bemerkbar und wird gerettet. Und nicht nur das: das Schiff, das ihn an Bord nimmt, ist das gleiche, welches ihn bei seiner zweiten Reise versehentlich allein auf einer Insel zurückgelassen hat. Der Kapitän hat seine Waren aufbewahrt, um den Erlös irgendwann den rechtmäßigen Erben Sindbads zukommen zu lassen.

Sindbads vierte Reise

Auf Sindbads vierter Reise zerschellt sein Schiff im Sturm an einer Klippe. Er kann sich mit wenigen Gefährten retten, doch die Insel, auf der die Schiffbrüchigen stranden, ist von Menschenfressern bevölkert. Während seine Gefährten einer nach dem anderen verspeist werden, achtet Sindbad darauf, so mager wie möglich zu bleiben und kann so sein letztes Stündlein hinausschieben. Schließlich gelingt es ihm zu fliehen. Er trifft eine Gruppe von Peffersammlern, überaus freundliche Menschen, die ihn in ihr reiches Land mitnehmen. Dort genießt er bald hohes Ansehen, vor allem nachdem er auf der Insel bisher unbekannte Dinge wie Sättel, Zaumzeug und Steigbügel eingeführt hat. Auf Wunsch des Königs heiratet er eine eingeborene Frau, mit der er einige Zeit glücklich lebt. Doch als die Frau seines Nachbarn stirbt, erfährt er von einem garusamen Brauch, der auch sein eigenes Leben bedroht: Wenn ein verheirateter Insulaner, egal ob Mann oder Frau, stirbt, wird der hinterbliebene Ehepartner mit ihm lebendig begraben. Bald darauf stirbt Sindbads Frau tatsächlich, und er wird mit ihrem Leichnam in einen Brunnen gekippt. Er landet in einer finsteren Höhle mit entsetzlichem Verwesungsgestank. Als er ein wildes, aasfressendes Tier beobachtet, entdeckt er einen Spalt, durch den in Richtung Meer entkommen kann. Wieder wird er von einem fremden Schiff an Bord genommen, macht in exotischen Ländern glänzende Geschäfte und kommt noch reicher zurück nach Hause.

Sindbads fünfte Reise

René Bull, Sindbad der Seefahrer, fünfte Reise. Tausendundeine Nacht

Ein böser Greis hätte Sindbad fast umgebracht. Illustration René Bull

Auf der fünften Reise finden Sindbads Reisebegleiter auf einer Insel etwas, was Sindbad bereits von seiner zweiten Reise kennt: ein Ei des Vogels Roc. Offenbar ist das Küken kurz davor zu schlüpfen. Entgegen Sindbads dringender Bitte, das Ei nicht anzurühren, zerren die Gefährten das Küken aus dem Ei, schlachten und verspeisen es. Kurz sieht der Kapitän in der Ferne zwei riesige Vögel, die Eltern des Kükens, und eiligst machen sich Kaufleute und Besatzung auf dem Schiff davon. Was natürlich nichts nützt, denn jeder der Vögel hat einen Felsbrocken in den Krallen, die sie gekonnt auf das Schiff fallen lassen. So landet Sindbad wieder einmal schiffbrüchig und allein auf einer seltsamen Insel. Sie scheint unbewohnt zu sein, doch nach einer Weile des Herumirrens trifft Sindbad auf einen dürren Greis. Der bitte ihn, ihn auf die Schultern zu nehmen und über einen Bach zu tragen. Doch kaum sitzt er da oben, presst der Alte mit erstaunlicher Kraft seine Schenkel gegen Sindbads Hals. Mit jedem Versuch, ihn abzuschütteln, wird Sindbad die Luft immer knapper. Er taumelt über die Insel und ernährt sich von Früchten. Schließlich füllt er Trauben in einen hohlen Kürbis und lässt sie vergären. Als der Greis die Wirkung des Gebräus auf Sindbad bemerkt, will er auch etwas davon haben. Berauscht lockert er die Klammer um Sindbads Hals, sodass dieser ihn schließlich doch abschütteln kann. Er erschlägt seinen Peiniger, was unnötig grausam erscheinen mag. Doch an der Küste trifft er Seeleute, die Wasser und Früchte für ihr Schiff holen, und von ihnen erfährt er, dass der Greis mit seiner Klammertechnik schon viele Männer ermordet hat, weshalb sich die Seeleute nur noch in Gruppen auf die Insel trauen. Sindbad lässt sich von dem Schiff mitnehmen und landet schließlich in einer Stadt, wo er sich zwecks Gelderwerb — denn seinen Besitz hat er verloren — den Kokosnusssammlern anschließt. Die Methode der Sammler ist bemerkenswert: sie bewerfen die Affen, welche die Kokospalmen bevölkern, mit Steinen, und diese werfen mit Kokosnüssen zurück, die dann nur noch aufgesammelt werden müssen. Als Sindbad auf diese Weise genug Geld verdient hat, kauft er ein Schiff, lässt es mit Kokosnüssen beladen und beginnt wieder zu handeln.

Sindbads sechste Reise

René Bull, Sindbad der Seefahrer, Tausendundeine Nacht

Sindbad fährt auf dem Floß in eine andere Welt. Illustration René Bull

Auf dieser Reise gerät Sindbads Schiff in eine Strömung, die es gegen einen steil aus dem Meer ragenden Berg treibt. Erneut schiffbrüchig muss Sindbad feststellen, dass ihm und seinen überlebenden Gefährten nur der Proviant zum Überleben bleibt, den sie vom Schiff retten konnten. Die ganze Insel ist mit den Überbleibseln früherer Schiffbrüchiger übersät: Gebeine, Schiffsplanken, aber auch allerlei kostbare Waren, darunter Rubine und Smaragde. Sindbad, der mit seinem Proviant am sparsamsten war, überlebt alle seine Gefährten. Alles auf dieser Insel ist verkehrt, und so gibt es auch einen Fluss, der nicht aus den Bergen ins Meer, sondern in umgekehrte Richtung fließt und irgendwo zwischen den Felsen verschwindet. Sindbad baut sich ein Floß und lässt sich davon treiben. Geschwächt wie er ist, schläft er ein, und als er erwacht, findet er sich in einer fruchtbaren Flussebene wieder, umringt von hilfsbereiten Eingeborenen. Sie bringen ihn zu ihrem König, dem Maharadscha von Sarandib (Ceylon), der ihn reich beschenkt und mit einem Brief Harun ar-Raschid, den Kalifen von Bagdad, auf die Heimreise schickt.

Sindbads siebente Reise

Nach all diesen Abenteuern möchte Sindbad, der inzwischen nicht mehr der Jüngste ist, eigentlich nicht mehr verreisen. Auch meint er, dass er sein Schicksall allzu oft herausgefordert hat und Gott womöglich die Geduld mit ihm verliert. Doch als der Kalif Harun ar-Raschid ihn bittet, die Freundlichkeit des Maharadschas zu erwidern und ihm seinerseits Geschenke zu überbringen, kann er nicht Nein sagen. Doch sein Schiff verliert den Kurs und treibt bis ans Ende der Welt. Sie treiben auf einem Strom auf einen Berg zu und durch diesen hindurch. Auf der anderen Seite ist eine schöne, blühende Stadt und erneut kann Sindbad als Händler von vorn beginnen, indem er zu erstaunlichen Preisen ein paar Schiffsplanken verkauft. Er heiratet die Tochter eines reichen Gönners und ist so erfolgreich wie in früheren zeiten in Bagdad. Irgendwann bemerkt er, dass seinen Mitbürgern bei Neumond Flügel wachsen und sie in den Himmel aufsteigen. Er klammert sich an einem Nachbarn fest und hört die Engel in der Höhe, wie sie Gott preisen. Auch er ruft den Namen seines Schöpfers, woraufhin Feuer vom Himmel fällt. Die geflügelten Freunde verschwinden, während Sinsbad in einer Einöde landet. Er rettet einen Mann aus dem Maul einer Schlange und erfährt, dass die Stadtbewohner Ungläubige sind und der Zorn Gottes sie traf, weil Sindbad ihn bei seinem Namen gerufen hat. Er kehrt in die Stadt zurück, wo ihn seine Frau bittet, sie von hier weg in seine Heimat, nach Bagdad, zu bringen.

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