Corvetto

Corvetto

Märchen aus dem Pentameron von Giambattista Basile (siebtes Märchen des dritten Tages). Es wurde von Clemens Brentano bearbeitet und unter dem Titel Das Märchen vom Witzenspitzel seine Italienischen Märchen aufgenommen.

AT 328

Inhalt

Ein junger Mann steht im Dienste des Königs von Breitenfluß und ist bei diesem so beliebt, dass die anderen Höflinge neidisch werden und ihm durch allerlei Intrigen und Verleumdungen zu schaden versuchen. Als das alles nicht fruchtet, verfallen sie darauf, ihn durch hinterlistiges Lob aus dem Weg zu räumen. Einige Meilen vom Königshof entfernt lebt nämlich der »wilde Mann«, ein grimmiger und scheußlicher Mensch, den der König verfolgt und der sich deshalb in einen finsteren Wald geflüchtet hat. Das Schloss des wilden Mannes steht auf einem hohen, unzugänglichen Berg in der Mitte dieses unheimlichen Waldes. Die Höflinge stacheln den König auf, indem sie ihm von dem unglaublichen Pferd des wilden Mannes erzählen, das nicht nur an Schönheit seinesgleichen sucht, sondern auch noch sprechen kann. Natürlich will der König dieses Zauberpferd unbedingt haben. Daraufhin loben die Höflinge die Fähigkeiten des Corvetto über alle Maßen — wenn überhaupt einer es schafft, dem wilden Mann sein Pferd zu stehlen, dann er. Ihre Hoffnung ist natürlich, dass Corvetto bei diesem Unterfangen vom wilden Mann getötet wird.

Corvetto, Märchen von Giambattista Basile, Illustration Warwick Goble

Corvetto, Illustration von Warwick Goble

Corvetto weiß, welche Absicht die Höflinge verfolgen, doch es bleibt ihm nichts anderes übrig, als dem Wunsch des Königs nachzukommen, um bei ihm nicht in Ungnade zu fallen. Also begibt er sich auf den Berg des wilden Mannes, wo es ihm tatsächlich gelingt, das Pferd zu stehlen. Doch als er mit ihm davon reitet, ruft das Tier nach seinem Herrn und nennt Corvettos Namen. Der wilde Mann verfolgt mit seinen Bestien den flüchtetenden Corvetto, der mit knapper Not entkommt und seinem Herrn das begehrte Pferd übergibt. Der König ist entzückt, sodass Corvetto nicht nur einen Beutel voller Taler als Lohn bekommt, sondern noch weiter in der Gunst des Königs steigt. Das wiederum bringt die missgünstigen Höflinge noch mehr gegen Corvetto auf, weshalb sie einen neuen Plan ersinnen, um ihn loszuwerden. Diesmal schwärmen sie dem König von den kunstvollen Wandteppichen vor, die der wilde Mann in seinem Schloss hat. Und natürlich kann niemand anderes als der von ihnen scheinheilig gerühmte Corvetto sie aus dem Schloss stehlen. Also begibt sich Corvetto ein zweites Mal auf den Berg zum wilden Mann und stiehlt diesem nicht nur die kostbaren Wandteppiche, sondern sogar noch die Decke, unter der er gerade schläft. Wieder entkommt er dem wilden Mann nur mit knapper Not, und der König ist über die Beute noch mehr entzückt als über das Pferd.

Überhaupt nicht entzückt sind die Höflinge, die dem König nun etwas schier Unmögliches in den Kopf setzen: das Schloss des wilden Mannes sei eines Kaisers würdig, also solle Corvetto es für den König stehlen. Aber wie stiehlt man ein Schloss? Corvetto gelingt auch dies, indem er sich einschleicht, als die wilde Frau des wilden Mannes allein zu Hause ist. Dann tötet er zuerst die Frau, um anschließend hinter dem Tor eine große Grube zu graben, in die der heimkehrende wilde Mann mitsamt seiner Meute hinein stürzt. Den Rest besorgt Corvetto mit Steinwürfen. Dann verschließt er das Tor und übergibt den Schlüssel seinem Herrn. Dafür bedankt sich der König, indem er Corvetto seine Tochter zur Frau gibt. Corvettos Neider haben das Nachsehen.

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