Der gescheite Hans

Der gescheite Hans

Der gescheite Hans, enthalten in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (ursprüngliche Schreibweise Der gescheidte Hans, KHM 32), ist ein Schwank. Dass der Held alles andere als gescheit, sondern von Mitleid erregender Blödheit ist, wird stilistisch unterstrichen durch den von Anfang bis Ende durchgehaltenen formelhaften Dialog zwischen und seiner Mutter sowie seiner Braut Grethel, der in einigen Wendungen an Kleinkindsprache erinnert. Die Komik beruht darauf, dass Hans wortwörtlich nimmt, was die Mutter ihm rät, ohne jedoch auch nur ansatzweise den Sinn der Worte zu verstehen. Ähnliche Schwänke sind u.a. Vardiello von Gimabattista Basile sowie Die kluge Else und Der Frieder und das Katherlieschen (beide Brüder Grimm), wobei in Letzteren junge Frauen die Antiheldinnen sind.

Inhalt

Hans verabschiedet sich von seiner Mutter und geht zu seiner Braut, der Grethel. Die fragt ihn, was er mitgebracht hätte, doch er versteht seine Rolle als Bräutigam nicht, sondern antwortet: nichts hätte er mitgebracht, vielmehr wolle er etwas haben. Grethel schenkt ihm eine Nadel. Hans legt die Nadel auf seinen Heuwagen und fährt heim. Die Mutter sagt ihm, dass es keine gute Idee war, die Nadel auf den heuhaufen zu legen. Er hätte sie besser in seinen Ärmel stecken sollen.

Als er das nächste Mal zu Grethel geht, bringt er wieder nichts mit, bekommt von ihr aber ein Messer geschenkt. Das steckt er, den auf die Nadel bezogenen Rat der Mutter beachtend, in seinen Ärmel. Zuhause fasst sich die Mutter wieder an den Kopf – der richtige Platz für das Messer wäre die Tasche gewesen. Das Spiel geht eine ganze Zeit so weiter: Hans bekommt von Grethel ein Zicklein, dass er in die Tasche steckt, wo es erstickt. Die Mutter sagt, er hätte der Ziege ein Seil anbinden und sie an diesem nach Hause führen sollen. Dann bekommt er von Grethel ein Stück Speck, das er an einem Seil hinter sich her schleift, bis die Hunde es aufgefressen haben. Die Mutter sagt, er hätte den Speck auf dem Kopf tragen sollen.

Der gescheite Hans, Illustration Arthur Rackham

Der gescheite Hans, Illustration Arthur Rackham

Als nächstes schenkt ihm Grethel ein Kalb, und lädt es sich prompt auf den Kopf, von wo aus es ihm das Gesicht zertrampelt. Oh, nein, stöhnt die Mutter; das Kalb hätte er nach Hause führen und an den Futtertrog stellen sollen. Als Hans das nächste Mal seine Grethel besucht, gibt sie ihm kein Geschenk, sondern sagt, sie würde mit ihm kommen. Der gescheite Hans führt seine Braut nach Hause, stellt sie in den Stall an den Futtertrog und wirft ihr ein Bündel Gras hin. Als er dies der Mutter erzählt, kann sie’s kaum fassen und erklärt, seiner Braut müsse ein junger Mann kein Gras, sondern schöne Augen zuwerfen. Daraufhin sticht Hans allen Kälbern und Schafen die Augen aus und wirft sie nach Grethel. Die hat nun endlich die Nase voll und ist die längste Zeit die Braut vom »gescheiten Hans« gewesen.

 

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