E.T.A. Hoffmann

E.T.A. Hoffmann

Ernst Theodor Amadeus (eigentlich Ernst Theodor Wilhelm) Hoffmann, * 24. Januar 1776 in Königsberg, † 25. Juni 1822 in Berlin, war ein deutscher Schriftsteller und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Romantik. Vielseitig begabt, wirkte Hoffmann auch als Komponist, Zeichner und Musikkritiker. Den Namen Amadeus anstelle von Wilhelm benutzte er aus Verehrung für Wolfgang Amadeus Mozart.

Einordnung und Wirkung

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E.T.A. Hoffmann, Selbstporträt

Das literarische Schaffen von E.T.A. Hoffmann ist geprägt von einer starken Neigung zum Unheimlich-Phantastischen, dem oft im scharfen Kontrast Besonnenheit und Vernunft gegenüberstehen, so beispielsweise in der Erzählung Der Sandmann oder in der Novelle Der goldne Topf. Beeinflusst von Vertretern der Romantik wie Ludwig Tieck und Novalis bediente sich Hoffmann ungeniert auch der Mittel des trivialen Schauerromans. Trotzdem greift das Klischee vom Gespenster-Hoffmann viel zu kurz, denn die »Gespenstergeschichten« thematisieren bei genauerem Hinsehen Phänomene wie Bewusstseinsspaltung und Wahnsinn, die Bedeutung von Träumen und das Verhältnis von Realität und Fiktion.

E.T.A. Hoffmann hatte mit seinen Romanen und Erzählungen bereits zu Lebzeiten großen Erfolg. Im Ausland wurde er der meistgelesene Autor der deutschen Romantik. Unter den deutschen Dichtern seiner Zeit gab es nicht wenige, die mit seinem Werk nichts anfangen konnten, ihn ablehnten oder gering schätzten. Der um einiges jüngere Heinrich Heine bewunderte ihn, ebenso der etwa gleichaltrige Adalbert von Chamisso, der zu seinen Freunden zählte. Beachtet wurde das Werk E.T.A. Hoffmanns von vielen Großen der Weltliteratur: Honoré de Balzac, Victor Hugo, Charles Baudelaire, Fjodor Dostojewski, Edgar Allan Poe — wo genau sich im Einzelnen der Einfluss des außergewöhnlichen Künstlers niedergeschlagen hat, ist sicher nicht ganz einfach auszumachen und letztendlich egal. Sein prägender Einfluss auf die fantastische Literatur bis in die Gegenwart steht außer Zweifel.

Leben

E.T.A. Hoffmann war das jüngste von vier Geschwistern. Sein Vater war Advokat und entstammte seinerseits, wie auch die Mutter, einer Juristenfamilie. Die Eltern trennten sich, als Ernst Theodor Wilhelm zwei Jahre alt war. Die Mutter ging mit dem Jüngsten zurück in ihr Elternhaus, wo auch mehrere unverheiratete Geschwister von ihr lebten, die an der Erziehung des Jungen Anteil nahmen. Von 1792 bis 1800 studierte Hoffmann der Familientradition entsprechend Jura, zunächst in seiner Heimatstadt Königsberg, nach dem zweiten Staatsexamen (1798) dann in Berlin. Neben seinem Studium widmete er sich seinen breitgefächerten musischen Neigungen.

Ab 1800 war Hoffmann im Justizdienst tätig, anfangs als Gerichtsassessor in Posen, das seit der zweiten polnischen Teilung 1793 zu Preußen gehörte. Dort lernte er seine Frau, eine Polin, kennen, die er 1802 heiratete. Im gleichen Jahr wurde er in den kleinen, weit im Osten gelegenen Ort Płock versetzt, was formal eine Beförderung darstellte. In Wirklichkeit war es eher eine Strafversetzung, denn in der Karnevalszeit 1802 waren Karikaturen aufgetaucht, die die Honoratioren der Stadt lächerlich machten. Hoffmanns zeichnerisches Talent war offenbar hinreichend bekannt, um ihn als Urheber auszumachen. Weitere zwei Jahre später ließ sich Hoffmann nach Warschau versetzen, das im Zuge der dritten polnischen Teilung (1795) ebenfalls an Preußen gefallen war. Als im Novenber 1806 die Franzosen in Warschau einmarschierten, verlor Hoffmann wie fast alle preußischen Beamten seine Stellung.

Hoffmann beschloss, sein Leben als Jurist hinter sich zu lassen, seine musische Neigung zum Beruf zu machen und Künstler zu werden. Trotz einer gewissen Reputation, die er sich während seiner Beamtenzeit nebenher auf künstlerischem Gebiet (v.a. der Musik) erworben hatte, fiel ihm dieser Neubeginn schwer. 1808 sah er sich gezwungen, einen engen Freund um Geld zu bitten, und auch die einmalige Entschädigung von staatlicher Seite an die in Not geratenen Beamten war hoch willkommen. Hoffmanns Wunsch, in Berlin Fuß zu fassen, schien unerfüllbar. Immerhin erhielt er im Herbst die Stelle des Theaterdirektors in Bamberg, die er jedoch schon nach wenigen Monaten wieder verlor. Seine Kompositionen wurden zwar gelegentlich aufgeführt, brachten ihm aber wenig Geld ein. 1809 druckte die Leipziger Allgemeine musikalischen Zeitung Hoffmanns erstes literarisches Werk, die Erzählung »Ritter Gluck«, in der der Erzähler in Berlin einem interesanten aber seltsamen Mann begegnet, der am Ende behauptet, der Komponist Christoph Willibald Gluck zu sein. Allerdings war Gluck zu diesem Zeitpunkt schon über 20 Jahre tot, und so zeigt denn bereits »Ritter Gluck« ein typisches Merkmal Hoffmannscher Phantastik: Es bleibt offen, ob sich der Autor die Freiheit nahm, eine reale Person in eine fiktive, sogar unmögliche Konstellation zu setzen, oder ob es sich um eine realistische Erzählung von einer Person handelt, die sich in den Wahn hineingesteigert hat, der Komponist Gluck zu sein. Nach dieser ersten Veröffentlichung erhält Hoffmann das Angebot, als Musikkritiker für die Allgemeine musikalischen Zeitung zu schreiben.

Ab 1810 war Hoffmann u.a. als Bühnenbildner und Dekorationsmaler am Bamberger Theater beschäftigt; daneben gab er (wie auch schon zu seiner Studienzeit) privat Musikunterricht. Dass er sich zu seinen Schülerinnen hingezogen gefühlt habe, wurde ihm auch schon früher nachgesagt, doch wurde die Sache peinlich, als er als 34-Jähriger für die erst 13-Jährige Julia Marc entflammte, was anderen nicht verborgen blieb. Hoffmann wurde in Bamberg zum Bürgerschreck, und als Julia im Jahr 1812 auf Betreiben ihrer Mutter vorsorglich verheiratet wurde, war er froh, Bamberg gen Sachsen verlassen zu können. In den folgenden beiden Jahren war er als Musikdirektor bei der in Dresden und Leipzig auftretenden Operngesellschaft von Joseph Seconda angestellt. Dann kam es zum Bruch mit Seconda, doch zum Glück für Hoffmann fiel dieser zeitlich mit dem endgültigen Sieg Preußens über Napoleon zusammen, sodass Hoffmann 1814 wieder in den preußischen Staatsdienst eintreten konnte und nach Berlin übersiedelte.

Mittlerweile hatte sich Hoffmann als Schriftsteller einen Namen gemacht. Die im gleichen Jahr veröffentlichten »Fantasiestücke« wurden ein großer Erfolg. Darin enthalten ist u.a. das Märchen Der goldene Topf, das Hoffmann selbst als sein vollkommenstes Werk ansah. Das Schreiben wurde nun zu einem willkommenen Nebenerwerb, zumal er als Jurist zunächst keine feste Besoldung sondern nur Honarar erhielt. Nach wie vor fühlte sich Hoffmann mindestens ebenso stark zur Musik hingezogen, doch seine Bemühungen, eine Anstellung als Kapellmeister zu finden, blieben erfolglos. Umso erfreulicher dürfte für ihn gewesen sein, dass 1816 in Berlin seine romantische Oper »Undine« uraufgeführt wurde. Die Handlung basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué, mit dem er befreundet war und der auch das Libretto schrieb.

1816 wurde Hoffmann zum Kammergerichtsrat ernannt, was ihm endlich eine respektable Existenz sicherte. Seine  Beamtenkarriere entwickelte sich erfolgreich, und auch als Schriftsteller konnte er sich nun fest etablieren. In schneller Folge erschienen »Die Elixiere des Teufels« (1815/16), »Nachtstücke« (1816/17), »Die Serapionsbrüder« (1819), »Klein Zaches, genannt Zinnober« (1819) und »Lebensansichten des Katers Murr« (1820). In diese Phase des Erfolgs fiel Hoffmanns schwere Erkrankung infolge einer früheren Luesinfektion.

Die politischen Verhältnisse in Deutschland waren nach dem Sieg über Napoleon durch die Restauration geprägt, die auf der Gegenseite Verschwörungen und Attentate provozierten. Hoffmann wurde 1819 Mitglied der »Immediat-Commission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen«, die derlei Bedrohungen aufdecken sollte. Desweiteren hatte die Kommission zu prüfen, ob die einem Verdächtigen zur Last gelegten Vergehen eine Inhaftierung rechtfertigten. In etlichen Fällen musste sie gegenüber der Polizeidirektion klarstellen, dass eine feindliche Gesinnung allein noch kein Straftatbestand ist und deshalb eine Inhaftierung nicht infrage kommt. Das Verhältnis zwischen Polizei und Justiz darf in diesem Fall also als gespannt bezeichnet werden. Als Hoffmann sich dann erdreistete, in »Meister Floh« einen bekannt gewordenen Fall eines »Verbrechens im Kopf« zu parodieren, brachte er das Fass zum überlaufen. Das Manuskript wurde vor der Drucklegung beschlagnahmt und gegen Hoffmann wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. »Meister Floh« wurde einer Zensur unterzogen und erschien im Frühjahr 1822 ohne die beiden Kapitel, die besonderen Anstoß erregt hatten (das vollständige Original wurde erstmals 1908 veröffentlicht). Etwa zur gleichen Zeit verschlechterte sich Hoffmanns Gesundheitszustand stark und es traten als Folge der Lues erste Lähmungserscheinungen auf. Vom Krankenbett aus diktierte er noch seine letzten Erzählungen. Am 25. Juni 1822 starb Hoffmann an den Folgen seiner Krankheit.

Werke (Auswahl)

Erzählungen und Märchen

  • Ritter Gluck (1809)
  • Fantasiestücke in Callot’s Manier, 4 Bände (1814/15), darin u. a.: Don Juan; Der goldne Topf; Der Magnetiseur; Die Abenteuer der Silvesternacht sowie die bereits zuvor veröffentlichte Erzählung Ritter Gluck
  • Nachtstücke, 2 Bände (1816/17), darin u. a.: Der Sandmann; Das Majorat
  • Die Serapionsbrüder, 4 Bände (1819‒21), darin u.a. Rat Krespel; Der unheimliche Gast; Die Bergwerke von Falun; Nußknacker und Mausekönig; Doge und Dogaresse; Meister Martin der Küfner und seine Gesellen; Das Fräulein von Scudéri
  • Klein Zaches genannt Zinnober (1819)
  • Prinzessin Brambilla (1821)
  • Des Vetters Eckfenster (1822)
  • Meister Floh (1822)

Romane

  • Die Elixiere des Teufels (1815/16)
  • Lebens-Ansichten des Katers Murr (erschienen in 2 Bänden, 1819/21)

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