Märchenquiz

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Fabelwesen: Der Phönix

Fabelwesen: Der Phönix

Phönix steigt aus der der Asche, aus Aberdeen Bestiary, 12. Jhd.

Phönix steigt aus der der Asche, aus Aberdeen Bestiary, 12. Jhd.

In der ägyptischen Mythologie war Phönix (ägyptisch Benu oder Boine) ein heiliger Vogel, der bei der Weltschöpfung auf dem aus Schlamm entstandenen Urhügel erschienen war. Er wurde ursprünglich als Bachstelze, später als Reiher dargestellt. Die alten Ägypter sahen den Vogel immer nach dem Rückgang der Nilüberschwemmungen auf den hervortretenden Landflächen. Damit wurde er zum Symbol der zyklischen Wiederkehr und Erneuerung. Als solches wurde er bald mit der Sonne in Verbindung gebracht, die für jedermann sichtbar jeden Tag aufs Neue als rotglühender Feuerball aus der Dunkelheit steigt. Nach dem Mythos war eine Verkörperung des Sonnengottes Re. Mit dem wachsenden Osirisglauben (Osiris: Herrscher über das Totenreich) wurde Phönix umgedeutet und nun als Seele des Osiris betrachtet. Seine Wiederkehr bedeutet nun die Auferstehung aus dem Reich der Toten. In dieser Symbolik ist der Phönix um die ganze Welt gewandert: Der Legende nach verbrennt sich der Phönix alle 500 oder mehr Jahre selbst, um anschließend aus der Asche neu aufzusteigen (daher das geflügelte Wort »wie Phönix aus der Asche«). Als Symbol der Auferstehung ließ sich der Phönix sehr gut in die christlichen Glaubensvorstellungen integrieren. Seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. tritt der Phönix in der Kunst als Sinnbild für Christus sowie allgemein für die Auferstehung und die unsterbliche Seele auf. Prägend für die bildliche Darstellung des Phönix war der Physiologus, wo der Vogel kaum mehr einem Reiher, sondern eher einem Adler ähnelt.

Das Phönixmotiv ist auch in viele Märchen eingegangen. Beispiele aus den Grimmschen Kinder- und Hausmärchen sind »Vogel Phönix« (nur in der ersten Auflage; von der Bedeutung her eher ein Greif als der Phönix), Der goldene Vogel und Von dem Machandelboom. In mehreren russischen Märchen spielt der Feuervogel eine ähnliche Rolle wie der Phönix. Typischwerweise erhält der Märchenheld den Auftrag, den Wundervogel oder eine seiner Federn aus fernen Ländern zu holen. Die Merkmale des Phönix bleiben dabei nur selten in Reinform erhalten, vielmehr vermischen sie sich mit denen anderer Fabelwesen wie dem Greif und dem Drachen.