Zahlen im Märchen: Die Sieben

Zahlen im Märchen: Die Sieben

Die Zahl Sieben ist neben der Drei und der Zwölf eine »besondere Zahl« im Märchen. Als Summe aus der Drei (Symbol für das Göttliche) und der Vier (Symbol für Ordnung und das Rationale) steht sie für Vollkommenheit. Eine ähnliche Rolle spielt manchmal die Zwölf, das Produkt aus der Drei und der Vier.

Schneewittchen und die sieben Zwerge. Märchenbilder von Anne Anderson

Schneewittchen und die sieben Zwerge. Illustration Anne Anderson

In der Bibel wird die Erschaffung der Welt (Schöpfung) in sieben Tagen beschrieben. Dem siebenten Tag kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn an diesem Tag ruhte Gott (nachdem er die Erde, die Atmosphäre, das Festland und die Pflanzen, Sonne Mond und Sterne, Fische und Vögel, Landtiere sowie den Menschen erschaffen hatte) und bestimmte den siebenten Tag als Ruhetag für
den Menschen. Die drei göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe) werden ergänzt durch die vier Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung).

Aus Psychologie und Verhaltensforschung ist bekannt, dass es eine gewisse Bevorzugung der Sieben vor den anderen Zahlen (bzw. Ziffern) gibt. Die Sieben wird häufiger als andere Zahlen als Lieblingszahl genannt, und wenn spontan eine Ziffer zwischen 1 und 9 genannt werden soll, zeigt sich ebenfalls diese Bevorzugung der Sieben. So wundert es auch nicht, dass die Sieben besonders oft in Song- und Romantiteln, in Begriffen mit Zahlwort (Siebenmeilenstiefel, Siebensachen, siebengescheit) und eben im Märchen auftritt.

Beispiele für Märchen, in denen die Sieben auftritt, sind Schneewittchen und die sieben Zwerge, Der Wolf und die sieben Geißlein, Die sieben Raben (ein Mädchen erlöst ihre sieben, in Raben verwandelten Brüder), Die sieben Schwaben und Das tapfere Schneiderlein (welches »Siebene auf einen Streich« erledigt hat), alle von den Brüdern Grimm, desweiteren von Charles Perrault Der kleine Däumling (sieben Brüder, Siebenmeilenstiefel) und von Giambattista Basile Die sieben Schwarten (ein schwankartiges Märchen über eine nicht besonders fleißige Tochter, die trotzdem einen reichen Mann bekommt) und Die sieben Tauben (ähnlich den sieben Raben). Außerdem zu nennen ist das Märchen Siebenschön aus der Sammlung von Ludwig Bechstein. Hier kommt kein Ding, Tier oder Ereignis siebenmal vor, sondern die Kombination von sieben mit schön bedeutet einfach eine Steigerung im Sinne des Superlativs, also eben Vollkommenheit, wofür die Sieben symbolisch steht.

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