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Die Blume als Märchensymbol | Märchenatlas

Die Blume als Märchensymbol

Die Blume als Märchensymbol

Die Schneekönigin, Märchen von Hans Christian Andersen, Illustration Artur Rackham

Rosen vorm Fenster: Illustration von A. Rackham zu Andersens Schneekönigin

Blumen stehen auch im Märchen für Gefühle. Ihre Zartheit symbolisiert die Verletzlichkeit der Märchenheldin oder des Märchenhelden, ihre Schönheit in Verbindung mit Vergänglichkeit ist wie eine Parabel für den Lauf des menschlichen Lebens. Die Blume kann aber auch für sich genommen für die Sehnsucht nach dem Ewigen oder Göttlichen stehen. Letzteres finden wir vor allem im Symbol der „blauen Blume“ der Romantik. Manchmal steht auch der Duft der Blüten im Vordergrund. Düfte oder allgemeiner Gerüche können, wie man weiß, ganz unmittelbar, also ohne Umweg über Sprache, Emotionen wecken und sogar lange zurück liegende, verborgene Erinnerungen ins Bewusstsein zurückholen. Vor allem über ihren Duft können Blumen „Herzen öffnen“, wenn dies auf andere Weise nicht mehr oder noch nicht möglich ist. Die Rose ist nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihres starken und doch als angenehm und edel empfunden Duftes die Königin unter den Blumen.

Auf Märchenatlas werden einige Blumenmärchen vorgestellt, die die verschiedenen Aspekte der Blumensymbolik illlustrieren. In Jorinde und Joringel ist die rote Blume, welche Joringel den Weg zu seiner Braut weist, eindeutig das Symbol der Liebe und der Sexualität. Die als Nachtigall in einem Käfig eingesperrte Jorinde erlangt ihre menschliche Gestalt (= Identität als Frau) und ihre Freiheit zurück, nachdem sie Joringel mit der roten Blume berührt. Das Motiv des in eine Blume verwandelten jungen Mädchens, das erst erlöst werden muss, bevor es zur Frau werden kann, finden wir auch in Clemens Brentanos Märchen von dem Myrtenfräulein. Hans Christian Andersens Däumelinchen wird in einer Blume geboren, spielt mit Schmetterlingen, Vögeln und Käfern, bevor es einen zu ihr passenden Blumen-Prinzen findet. Oscar Wildes Märchen Die Nachtigall und die Rose erzählt von einem jungen, romantisch veranlagten Mann, der mithilfe einer Rose das Herz eines oberflächlichen Mädchens gewinnen will. Auch in Brentanos Märchen von dem Rosenblättchen wird ein junger, schüchterner Mann von seiner Angebeteten spöttisch zurückgewiesen, doch hier bleiben beide auf schicksalhafte Weise für immer verbunden, weil sich der Zurückgewiesene in einen Rosenstock in ihrem Garten verwandelt. Das Üppige, Wuchernde der Blumen steht in Hans Christian Andersens Märchen von der Schneekönigin am Beginn der Geschichte (auch hier ist es ein Rosenstock, der in einem Blumenkasten vor Kay und Gerdas Fenstern wächst). Hier bilden die Blumen als Sinnbild für die Schönheit des Natürlichen den Kontrast zur kalten Schönheit der Schneekönigin. Ganz besondere Blumen, nämlich betörend duftende Schierlingsblüten, symbolisieren die unmögliche und deshalb tragisch endende Liebe zwischen einem Mann und einer Seejungfrau in Der Fischer und seine Seele von Oscar Wilde.

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