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Tiere im Märchen: Die Katze

Tiere im Märchen: Die Katze

Unsere Hauskatze ist die Haustierform der Wildkatze (Felis silvestris), genauer gesagt stammt sie von der Afrikanischen Wildkatze oder Falbkatze (Felis silvestris lybica) ab. Heute ist sie bei uns noch vor dem Hund das beliebteste Heimtier (nicht zu Nutzzwecken gehaltenes Haustier). Die außerordentlich hohe Fruchtbarkeit von Katzen (frühe Geschlechtsreife, zwei Würfe pro Jahr mit jeweils vier bis sechs Jungen) und die mangelnde Einsicht vieler Halter in die Notwendigkeit der Kastration hat zudem zu einer großen Population verwilderter Katzen geführt, die nicht mit Wildkatzen zu verwechseln sind, aber in einigen Aspekten auch deutlich von den typischen Verhaltensweisen der Hauskatze abweichen. Beispielsweise kommt bei diesen Katzen (wie bei den Wildkatzen) das charakteristische Miauen nicht vor, das offenbar der Kommunikation der Hauskatze mit dem Menschen vorbehalten ist. Auch bilden sie mitunter größere Gruppen, was völlig untypisch für Wildkatzen ist und zumindest in dieser Form auch nicht zum typischen Sozialverhalten von Hauskatzen zählt.

Domestizierung

Die Domestizierung der Katze begann nach heutigem Kenntnisstand im sog. Fruchtbaren Halbmond, einem Gebiet nördlich der Syrischen Wüste, das sich in weitem Bogen von Jordanien über den heutigen Irak bis an den Persischen Golf erstreckt.[1]Belege in Form von Knochenfunden sind bis zu 9000 Jahren alt. Dieses Gebiet ist eine der Ursprungsregionen, in denen der Mensch zu einer seßhaften Lebensweise, begründet auf Ackerbau und Viehzucht, überging. Die Katze suchte die Nähe der menschlichen Siedlungen zunächst als Abfallverwerter. Für den Menschen hingegen war sie zunächst wohl vor allem ein Beutetier. Erst später begann ihr »Aufstieg« als Mäusejägerin. Besonders im landwirtschaflich geprägten Ägypten wuchs ihre Bedeutung und ihr Ansehen[2]Bildliche Zeugnisse für das friedliche Zusammenleben von Mensch und Katze finden sich ca. ab dem 3. Jahrtausend v. Chr., das sich schließlich zu kultischer Verehrung steigerte.[3]Archäologen haben in dem antiken Ort Bubastis, Hauptkultort der Katzengötin Bastet, Tausende von Katzenmumien in Grabkammern gefunden. Einige dieser Mumien hatten Gesichter aus Gold. Für die alten Ägypter stand die Katze für Anmut, Weiblichkeit und Fruchtbarkeit. Die Katzengöttin Bastet ist in der ägyptischen Mythologie die Tochter des Sonnengottes Ra, die entweder als Katze oder als Frau mit Katzenkopf dargestellt wird.

Im antiken Griechenland und im Römischen Reich ist die Hauskatze etwa ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar (durch Bemalungen auf Vasen). Doch war die Katze für die Griechen und Römer nie mehr als ein nützliches Haustier und blieb ihnen wegen ihrer Unberechenbarkeit suspekt bis unheimlich. Mit der Ausdehnung des Römischen Reiches breitete sich die Katze in den ersten Jahrhunderten n. Chr. weiter Richtung Norden aus, wobei ihre Bedeutung bis ins Mittelalter gering blieb.

Verbreitung in Europa

Rackham-Jorinde

Arthur Rackham, Illustration zu Jorinde und Joringel. Die Katze ist in diesem Märchen Begleiterin der Hexe

Dies änderte sich erst im Spätmittelalter, als über den Seehandel Vorratsschädlinge wie Hausratte, Wanderratte und Hausmaus eingeschleppt wurden, die eine ernsthafte Bedrohung darstellten. Im Abendland blieb das Verhältnis des Menschen zur Katze immer zwiespältig – im Gegensatz zum Hund, der als Freund angesehen wurde und wird. So wurde die Katze im Aberglauben einerseits als Begleiterin der Hexe angesehen (ein wesentlicher Aspekt im Märchen) und mit dem Teufel in Verbindung gebracht (besonders die schwarze Katze). Andererseits waren Katzen bzw. ihre Teile in der Volksmedizin sehr geschätzt[4]Katzenfelle als Leibwärmer für Rheumatiker erfreuten sich noch bis in die jüngere Vergangenheit großer Beliebtheit.. Im Adel wie im einfachen Volk gab es immer auch Katzenliebhaber, was jedoch nicht ausschloss, dass freundschaftschaftlicher Umgang mit einer Katze als verdächtig gelten konnte. In mancherlei Hinsicht ähnelt die zwiespältige abendländische Sicht auf die Katze derjenigen, mit der »das Weib« im christlichen Mittelalter und bis in die Neuzeit gesehen wurde. Wie bei den alten Ägyptern wird die Katze vor allem mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht, doch schieben sich gegenüber den positiven Aspekten (wie mütterliche Fürsorge, Anmut und Fruchtbarkeit) die negativen in den Vordergrund. Besonders die Sexualität der weiblichen Katze galt (und gilt vielen bis heute) als anstößig oder gar teuflisch. Auch die Tatsache, dass sie tagsüber relativ viel schläft (also »faul« ist) und dafür nachts auf die Jagd geht (sich »rumtreibt«) rückt sie für manche in ein ungünstiges Licht.

Symbolik im Märchen

Die Symbolik der Katze leitet sich weniger aus alten mythologischen Vorstellungen her, als aus den Verhaltensweisen, die die Katze im Zusammenleben mit dem Menschen zeigt. Während der Hund für seine Gelehrigkeit geschätzt wird, sagen zumindest Katzenliebhaber, die Katze habe »ihren eigenen Kopf«, wenn sie wenig Neigung zeigt, sich von ihrem Menschen etwas beibringen zu lassen. Folglich steht sie für Eigenwilligkeit und Freiheitsdrang, aber auch für Unberechenbarkeit und Triebhaftigkeit. Die Fähigkeit, sich lautlos anschleichen zu können, verleiht ihr etwas Dämonisches; ihre Vorliebe für die Nacht lässt sie in Gefilde vordringen, die für Menschen schwer zugänglich sind. Im Wesentlichen lassen sich die in (Zauber-)Märchen vorkommenden Katzen in zwei Gruppen einteilen: zum einen die für das Dämonische stehenden Begleiterinnen von Hexen und Teufeln, und zum anderen die Botinnen aus dem Reich des Unbewussten (Nacht), die den Helden in eine bessere Zukunft (Tag) begleiten. Dazu kommen Katzen in Tiermärchen, die nicht als Symbol zu sehen sind, sondern einfach für ein gewöhnliches Tier stehen. Dabei kommt der Katze oft eine Rolle zu, die ganz ihrer Natur entspricht, nämlich die des vermeintlich Schwachen, der plötzlich seine Krallen ausfährt.

Als Beispiele für Märchen mit Katzen seien die folgenden genannt:

  • Der gestiefelte Kater (Brüder Grimm): In dem wohl bekanntesten Katzenmärchen tritt, was eine seltene Ausnahme ist, eine männliche Katze (Kater) auf. Da es ältere Fassungen mit dem gleichen Motiv der hilfreichen Katze (weiblich) gibt, ist anzunehmen, dass die »Geschlechtsumwandlung« relativ spät erfolgte. Jedenfalls verfügt der Kater über großes Wissen und Geschick, um seinen Besitzer, einen armen Müllerssohn, zu Ansehen und Reichtum zu verhelfen.
  • Gagliuso (Basile): Ähnlich wie der gestiefelte Kater, jedoch mit einer Katze (kein Kater) als Helferin.
  • Der arme Müllersbursche und das Kätzchen (Brüder Grimm): Ein Müllerknecht dient sieben Jahre lang einer reizenden kleinen Katze, die sich am Ende als verzauberte Königstochter herausstellt.
  • Die weiße Katze (d’Aunoy): Ähnlich wie Der arme Müllersbursche…, jedoch mit einem zweiten Teil versehen, der die Verwandlung der Königstochter erklärt.
  • Der kleine Muck (Wilhelm Hauff): In diesem im Orient angesiedelten Kunstmärchen lebt der Held eine zeitlang bei einer zweifelhaften alten Frau, deren unzählige Katzen er pflegen muss.
  • Katze und Maus in Gesellschaft (Brüder Grimm): In diesem Tiermärchen sind Katze und Maus, ähnlich wie bei einer Fabel, als Stellvertreter für einen Starken und einen Schwachen zu sehen, wobei der Starke dem Schwachen einredet, mit ihm eine Gemeinschaft zu bilden, ihn aber am Ende auffrisst.
  • Die Bremer Stadtmusikanten (Brüder Grimm): In diesem bekannten Tiermärchen ist die Katze eines der ausgemusterten Tiere. Bei der Konfrontation mit den Räubern darf sie sich einmal so richtig von ihrer garstigen Seite zeigen.
  • Der alte Sultan (Brüder Grimm): Ähnlich wie bei den Bremer Stadtmusikanten soll ein alter Hund (Sultan) ausgemustert und erschossen werden. Ein Trick, den er dem Wolf verdankt, rettet ihn vor diesem Schicksal, doch dann gerät er mit dem Wolf aneinander. Seine einzige Verbündete im Kampf gegen den Wolf ist eine lahme Katze – die selbst mit drei Pfoten noch gefährlich ist.

Außerdem interessant: Übersichtsartikel zur Rolle und Funktion von Tieren im Märchen

Anmerkungen   [ + ]

1. Belege in Form von Knochenfunden sind bis zu 9000 Jahren alt.
2. Bildliche Zeugnisse für das friedliche Zusammenleben von Mensch und Katze finden sich ca. ab dem 3. Jahrtausend v. Chr.
3. Archäologen haben in dem antiken Ort Bubastis, Hauptkultort der Katzengötin Bastet, Tausende von Katzenmumien in Grabkammern gefunden. Einige dieser Mumien hatten Gesichter aus Gold.
4. Katzenfelle als Leibwärmer für Rheumatiker erfreuten sich noch bis in die jüngere Vergangenheit großer Beliebtheit.