Tiere im Märchen: Die Ente

Als flug- und lauffähiger Wasservogel verbindet die Ente die Elemente Wasser, Erde und Luft. Im Märchen tritt die Ente daher oft im Zusammenhang mit Verwandlungen, dem temporären Übergang eines Menschen in eine andere Sphäre, auf. In Gestalt der Ente kann der Held bzw. die Heldin Schranken überwinden, da diese für die Ente nicht gelten. Als Helferin des Märchenhelden taucht die Ente ins trübe Wasser (Symbol des Unbewussten) und holt von dort z.B. einen Ring, eine Perle oder einen Schlüssel ans Tageslicht. Die weibliche Ente ist ein Symbol des Mütterlichen; ein Aspekt der u.a. in Hänsel und Gretel oder Die drei Männlein im Walde sichtbar wird. Entenpaare gelten als besonders treu und stehen somit für häusliches Glück, dem der Kontrast zwischen der Unscheinbarkeit der weiblichen Ente und dem prunkvollen Gefieder des Erpels nicht im Wege steht.

Illustration von Alexander Zick zu dem Märchen Das Lumpengesindel. Die Ente muss den Wagen mit Hühnchen und Hähnchen ziehen.
In dem Märchen Das Lumpengesindel ist die Ente an zwei Hallodries geraten. Illustration Alexander Zick (Märchen für Kinder, Verlag Grote Berlin, um 1880)
  • Hänsel und Gretel. Eine weiße Ente trägt die Geschwister über das Wasser, das als letztes Hindernis vor ihnen liegt, nachdem sie die Hexe besiegt haben und nach Hause zurückkehren wollen.
  • Die weiße Ente. Eine Fürstin wird von einer Hexe in eine Ente verwandelt. Aus ihren Eiern schlüpfen drei Menschenjungen, welche die Fürstin trotz ihrer Entengestalt mit größter Fürsorglichkeit behütet. Dadurch kann sie die Macht der Hexe letztendlich brechen und ihre menschliche Gestalt wiedererlangen.
  • Die Bienenkönigin. Die Enten holen für den Märchenhelden den Schlüssel zur Kammer der Königstochter vom Grund eines trüben Sees.
  • Die drei Männlein im Walde. Die junge Königin wird nach ihrer Niederkunft von der Schwiegermutter in den Fluss geworfen. In Gestalt einer Ente kommt sie in drei aufeinanderfolgenden Nächten ans Bett ihres Kindes, um nach deinem Wohlergehen zu schauen.
  • Das hässliche Entlein. In diesem Kunstmärchen von H.C. Andersen ist die Ente in Wirklichkeit ein Schwan, der sein wahres Ich erst finden muss.
  • Fundevogel. Ein Findelkind wird von seiner Stiefschwester vor der bösen Haushälterin (einer Hexe) beschützt. Am Ende verwandelt sich das Mädchen in eine Ente und ihren Stiefbruder in einen See; in Gestalt der Ente zieht sie die Hexe ins Wasser, wo diese schließlich ertrinkt.
  • Das Lumpengesindel. In diesem Schwank wird die biedere Ente von zwei Hallodries (Hühnchen und Hähnchen) gezwungen, ihren Wagen zu ziehen.
  • Der Liebste Roland. Auf der Flucht vor der Hexe verwandelt die Märchenheldin Ihren Liebsten (Roland) in eine Ente und sich selbst in einen See.

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