Kalif Storch

Die Geschichte vom Kalif Storch ist ein Kunstmärchen von Wilhelm Hauff. Es ist enthalten im Märchenalmanach auf das Jahr 1826 und als erstes Märchen eingebettet in die Rahmenerzählung Die Karawane. Neben der ebenfalls orientalisch anmutenden Geschichte vom kleinen Muck gehört Kalif Storch zu den bekanntesten Märchen von Wilhelm Hauff.

Kalif Storch.Märchen von Wilhelm Hauff, Illustration Carl Offterdinger
Kalif Storch. Illustration Carl Offterdinger (Wilhelm Hauff: Mährchen für Söhne und Töchter gebildeter Stände, Rieger‘sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1869

Das Besondere an der Verwandlung in Tiere (in diesem Falle Störche) liegt hier darin, dass der Zuhörer diese stärker aus der Perspektive der Verwandelten miterlebt, während im Volksmärchen normalerweise eine Nebenfigur verwandelt ist bzw. wird. Deren Tiergestalt wird im Volksmärchen als etwas hingenommen, was kein großes Erstaunen hervorruft. Im Gegensatz dazu empfinden die Verwandelten in Kalif Storch ihre Vogelgestalt – völlig märchenuntypisch – selbst als absurd. Dass sie deswegen in Gelächter ausbrechen, bringt sie in echte Schwierigkeiten und die Märchenhandlung in Gang. Siehe hierzu auch die Artikel Märchen (allgemein), Volksmärchen und Kunstmärchen.

Inhalt

Der Kalif Chasid von Bagdad und sein Großwesir Mansor erwerben von einem zwielichtigen Kaufmann ein Zauberpulver. Angeblich kann man sich damit in ein beliebiges Tier verwandeln und die Sprache der Tiere verstehen. Jedoch darf man keinesfalls lachen, denn sonst wird die Rückverwandlung unmöglich. Da in den Palastgärten gerade ein paar Störche weilen, sprechen Kalif und Wesir das Zauberwort »Mutabor« (lateinisch: ich werde verwandelt werden). Und sofort verwandeln sie sich in Störche. Was sie zu hören bekommen, bringt sie verbotenerweise doch zum Lachen, sodass sie Störche bleiben müssen.

Schon wenige Tage nach seiner Verwandlung muss der Kalif Storch von den Dächern Bagdads aus mit ansehen, dass sich Mizra, der Sohn des bösen Zauberers Kaschnur, zum neuen Herrscher Bagdads aufschwingt. Mit seinem Wesir fliegt er in Richtung Medina, zum Grabe des Propheten. In einem alten Gemäuer begegnen sie der Eule Susa, die ebenfalls von Kaschnur verzaubert wurde. In Wirklichkeit ist sie die Tochter des Königs von Indien. Der Zauberer hatte sie als Braut für seinen Sohn Mizra auserkoren. Doch sie hatte ihn verschmäht und wurde deshalb zur Strafe in ein besonders hässliches Tier verwandelt. Wenn aber jemand bereit ist, sie auch in dieser Gestalt zu heiraten, dann ist sie erlöst.

Weder der Kalif noch der Wesir sind so recht begeistert von der Idee, die Eule zu heiraten. Immerhin bietet sie als Gegenleistung wertvolle Hinweise, wie die beiden an das vergessene Zauberwort Mutabor gelangen können. Wohl oder übel verspricht der Kalif Storch der Eule, sie zu heiraten. So gewinnen sie tatsächlich alle ihre menschliche Gestalt wieder. Zur großen Freude des Kalifen erweist sich die indische Königstochter tatsächlich als jung und schön. Manchmal droht der Wesir dem Kalifen im Scherz, der Frau Kalifin zu erzählen, wie schwer der Kalif als Storch mit sich ringen musste, sie, die Eule, zu heiraten.

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