Das hässliche Entlein

Das hässliche Entlein (auch Das hässliche junge Entlein) ist ein Kunstmärchen von Hans Christian Andersen (Erstveröffentlichung 1843). Es gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Märchen des Dänen und wurde bereits früh von Disney verfilmt (erstmals 1931 in schwarz-weiß, 1939 in Farbe). Die Geschichte vom Fremd- und Ausgestoßensein, von innerer Schönheit, die irgendwann auch nach außen sichtbar wird, wurde oft auch mit dem Autor selbst in Zusammenhang gebracht, der kaum als schöner Mann bezeichnet werden kann.

Illustration von Eleanor Vere Boyle zu dem Märchen Das hässliche Entlein
Das hässliche Entlein. Illustration Eleanor Vere Boyle (Fairy Tales by Hans Christian Andersen, London: Sampson Low, Marston, Low, and Searle, 1872)

Obwohl das hässliche Entlein in der Geschichte kaum Merkmale eines echten Märchenhelden zeigt – es bleibt fast völlig passiv, muss keine Prüfungen bestehen und erlebt seine eigene Wandlung zum schönen Schwan quasi wie ein Beobachter von außen – ist es doch seit Generationen Identifikationsfigur für Kinder (und Erwachsene), die sich nicht angenommen fühlen und sich selbst nicht annehmen können. Der Begriff »hässliches Entlein« wurde im Deutschen zum geflügelten Wort.

Inhalt

Eine Ente brütet sieben Eier aus. Langsam wird sie ungeduldig, denn viel lieber würde sie wie die anderen Enten auf dem Teich herumschwimmen. Endlich beginnen die Jungen zu schlüpfen, sechs hübsche kleine Küken zählt die Entenmama. Das siebte Ei jedoch liegt noch immer fest verschlossen im Nest.

Da bekommt die Ente Besuch von einer älteren, erfahrenen Ente. Die meint, bei dem fraglichen, ziemlich groß geratenen Ei könnte es sich um ein Truthahnei handeln. Von dem Ratschlag, es nicht auszubrüten, will die Ente nichts wissen – nachdem sie nun so lange auf den Eiern gesessen hat, will sie die Sache auch zuende bringen. Und tatsächlich schlüpft bald darauf ein Küken, größer als seine Geschwister und lange nicht so hübsch. Die Ente nimmt es gelassen, beschließt aber auszutesten, ob der zuletzt Geborene nicht womöglich doch ein junger Truthahn sei. Das geht ganz einfach, in dem sie ihre Jungen nach Entenart ins Wasser schubst. Ein Truthahnjunges würde ertrinken.

Das aus der Art geschlagene Küken schwimmt aber ganz fabelhaft, sogar etwas eleganter als seine Geschwister. Auf dem Entenhof verschafft ihm das keine Anerkennung. Jeden Tag sagt ihm jemand, wie hässlich es sei; es wird von den anderen Enten, selbst den Geschwistern, gebissen, von den Hühnern gepickt und von der Magd getreten. Irgendwann läuft es weg, fliegt über den Zaun in die Freiheit. Es lernt Wildenten und Wildgänse kennen, die es zwar auch hässlich nennen, jedoch mit einer gewissen kameradschaftlichen Anerkennung.

Das neue Leben gefällt ihm besser, doch es ist hart. Beispielsweise werden vor seinen Augen zwei Wildgänse, mit denen es eben noch gesprochen hatte, von Jägern erschossen. Zudem beginnen nun die Herbststürme, vor denen sich das hässliche Entlein in eine ärmliche Bauernhütte flüchtet. Dort lebt eine alte Frau mit ihrem Kater und ihrer Henne. Als die Alte das seltsame Entlein entdeckt, ist sie recht angetan, verspricht sie sich doch Enteneier von dem Vogel. Die bleiben natürlich aus, denn das Entlein ist ein Junge. Deshalb kann es nicht lange in der warmen Stube bleiben. Wieder ganz auf sich gestellt überlebt es den harten Winter. Einmal friert es im Eis fest und wäre mit Sicherheit gestorben, wenn nicht ein mitleidiger Bauer es gerettet hätte.

Das hässliche Entlein ist ein Schwan

Irgendwann kommt der Frühling, alles grünt und blüht, und was für das hässliche Entlein das Schönste ist: Es entdeckt in der Ferne mehrere große, weiße Vögel – das Schönste, was es in seinem Leben bisher gesehen hat. Es erschrickt, als die Vögel zu ihm geflogen kommen. Denn nach all seinen Erfahrungen erwartet es, dass diese es beschimpfen und vielleicht gar töten. Doch die Vögel schwimmen ruhig um den Kleinen herum und streicheln ihn zart mit ihren Flügeln. Da sieht er auf der Wasseroberfläche sein Spiegelbild – er schaut genauso aus wie sie, etwas kleiner vielleicht, aber ein wunderschöner Schwan! Am Ufer laufen Kinder herbei, zeigen auf die Gruppe der Schwäne und rufen, es wäre ein neuer dabei, und dieser wäre der schönste.

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