Die Schneekönigin

Ein Märchen in sieben Geschichten

Kunstmärchen von Hans Christian Andersen. Die Geschichte von der Schneekönigin ist eines der längsten und zugleich poetischsten Märchen des Dänen und ist durch die Strukturierung in sieben Teile wie ein kleiner Roman aufgebaut. Die Märchenheldin ist nicht die titelgebende Schneekönigin, sondern ein kleines Mädchen namens Gerda, dessen Freund Kay von der Schneekönigin in ihr kaltes Reich entführt wurde. Der größte Teil des Märchens handelt von Gerdas Suche nach Kay (»Suchwanderung«). Andersen erzählt in diesem Märchen außerordentlich fantasiereich, manches wirkt gar wie die Schilderung eines Traums. Bizarre Begegnungen (beispielsweise mit sprechenden Blumen) und grotesk-komische Episoden (beispielsweise Gerdas Begegnung mit einem kleinen Räubermädchen) wechseln mit romantischen Motiven, etwa im Palast einer Prinzessin, die ihren Traumprinzen gefunden hat.

Inhaltsübersicht

Der böseste aller Trolle, nämlich der Teufel selbst, hat einen Spiegel erschaffen, der alles Gute und Schöne ganz klein macht, bis es fast nicht mehr zu sehen ist …

… aber das, was nichts taugte und sich schlecht ausnahm, das trat recht hervor und wurde noch ärger.

Die Trolle in des Teufels Trollschule haben Spaß an den Verwirrungen, die der Zauberspiegel bei den Menschen auslöst, und fliegen deshalb eines Tages mit dem Spiegel hoch zum Himmel, um sich selbst über Engel und Gott lustig zu machen. Dabei entgleitet ihnen der Spiegel und geht auf der Erde zu Bruch. Millionen kleiner Glassplitter fliegen durch die Luft, und wessen Auge von einem Splitter getroffen wird, der sieht das Schöne in den einfachen Dingen nicht mehr, dafür tritt jeder kleine Makel übergroß hervor.

Einige Menschen bekamen sogar eine Spiegelscherbe ins Herz, und dann war es ganz entsetzlich, das Herz wurde wie ein Klumpen Eis.

Diese erste Geschichte bildet den Prolog zur eigentlichen Handlung, in der zwei Nachbarskinder, Gerda und Kay, sich verlieren und nach langer Trennung wiederfinden. Am Ende sind sie nicht einfach nur wieder zusammen, sondern auch — auf ganz unterschiedliche Weise — erwachsen geworden. Dabei ist das Mädchen die aktiv Suchende, Herausforderungen Annehmende, während der von der Schneekönigin ent- bzw. verführte Junge seines eigentlichen Wesens beraubt ist und erst durch Gerda wieder erlöst wird.

Die Schneekönigin. Gerda und Kai. Märchenbilder von Arthur Rackham

Die Schneekönigin. Illustration Arthur Rackham

Gerda und Kay wohnen in zwei benachbarten Dachkammern in den kleinen Häusern ihren Eltern. Im Sommer erfreuen sie sich am Rosenstock, der in einem Blumenkasten vor ihren Fenstern wächst, im Winter hauchen sie kleine Gucklöcher auf die mit Eisblumen beschlagenen Fenster. In jenem Sommer, als die Geschichte ihren Anfang nimmt, wird Kay am Auge und im Herzen von den Splittern des Zauberspiegels getroffen. Nun ist nichts mehr, wie es war; Kay findet die Rosen hässlich, ebenso Gerda, wenn sie über sein verändertes Wesen weint. Er äfft die einfachen Leute in seiner Straße nach und benimmt sich sogar gegen Gerdas Großmutter rüpelhaft, die ihnen immer Geschichten erzählt hat. Im nächsten Winter nimmt er seinen Schlitten und geht (ohne Gerda) zum großen Platz rodeln. Die kecksten Jungen hängen dort ihre Schlitten an Fuhrwerke an und lassen sich ziehen. So macht es diesmal auch Kay — er bindet seinen Schlitten an den Schlitten der Schneekönigin, die gekommen ist, um ihn zu entführen. Er hat sie im vorigen Winter schon einmal gesehen, ganz klein, als sie in einer großen Scheeflocke vor dem Fenster tanzte. Doch als er die Schneekönigin erkennt, ist es zu spät; er schafft es nicht seinen Schlitten loszubinden.

Die Schneekönigin, Märchen von Hans Christian Andersen. Märchenbilder von Anne Anderson

Die Schneekönigin. Illustration von Anne Anderson

Gerda macht sich auf eine lange, abenteuerliche Suche und gelangt schließlich auf einem Rentier ganz hoch in den Norden, auf die Insel Spitzbergen, wo das Schloss der Schneekönigin steht. Kay steht ganz unter ihrem Bann. Er ist ganz blau vor Kälte und versucht die Aufgabe zu lösen, die ihm die Schneekönigin gestellt hat: kleine, flache Eisstücke zu dem Wort Ewigkeit anzuordnen. Dann könne er sein eigener Herr sein und würde obendrein ein Paar neue Schlittschuhe bekommen. Doch es will ihm nicht gelingen. Als Gerda ihm gegenübersteht, glücklich, weil sie ihn endlich gefunden hat, ist er zunächst ganz steif und kalt. Erst ihre Tränen und ihr Lied, das sie ihm als kleines Mädchen schon vorgesungen hat, holen ihn zurück in seine frühere Welt. Endlich daheim sitzen sie wie früher bei der Großmutter …

…und [sie] las aus der Bibel vor: »Werdet ihr nicht wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!«

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