Die Geschichte vom Gespensterschiff

Die Geschichte vom Gespensterschiff ist ein Kunstmärchen von Wilhelm Hauff, enthalten im Märchenalmanach auf das Jahr 1826. Hauff variiert im »Gespensterschiff« die Legende vom fliegenden Holländer — dem verfluchten Kapitän, der als Untoter bis zum jüngsten Tag über die Weltmeere segeln muss — indem er sie in den Orient verlegt.

Illustration von Theodor Hosemann zu Wilhelm Hauffs Geschichte vom Gespensterschiff
Die Geschichte vom Gespensterschiff. Illustration Theodor Hosemann

Inhalt

Der Ich-Erzähler ist ein Kaufmannssohn, der seit kurzem die Geschäfte seines verstorbenen Vaters übernommen hat. In Begleitung seines Dieners Ibrahim segelt er auf seinem mit Waren beladenen Schiff, um sein Glück in der Fremde zu versuchen. Nach fünfzehn Tagen zieht ein schwerer Sturm auf. Viel furchterregender aber ist der Anblick eines heranschwebenden Schiffes, von dem wildes Jauchzen herüber dringt. Der Kapitän spricht:

»Mein Schiff ist verloren [..] dort segelt der Tod.«

Wenig später ist das Schiff des jungen Kaufmanns nicht mehr manövrierbar und versinkt schließlich. Nur er und sein Diener können sich retten. Als der Sturm sich gelegt hat, sehen sie, auf dem Meer treibend, das unheimliche Schiff, das während des Sturms aufgetaucht war. Es ist immer noch unheimlich, aber ihre einzige Rettung. An Deck packt sie das kalte Grauen: die Planken sind von Blut gerötet und überall liegen Tote. Am Hauptmast steht mit starrem Blick ein gutgkleideter Mann — offenbar der Kapitän –, mit einem großen Nagel durch die Stirn am Mast befestigt. Die beiden halten die grausige Gesellschaft an Deck nicht aus und steigen in den Schiffsraum hinab, sich dessen bewusst, dass sie da vermutlich die Mörder erwarten.

Doch unten ist keine Menschenseele, stattdessen wertvolle Waren wie Perlen und Seide. Der junge Kaufmann möchte die herrenlosen Waren in Besitz nehmen; doch zunächst müssen sie das unheimliche Schiff in den Hafen bringen. Unbedingt wollen sie zuerst die Toten loswerden. Doch zu ihrem Entsetzen gelingt es ihnen nicht, diese auch nur von der Stelle zu bewegen. So verbringen sie mehrere Tage und Nächte auf dem Totenschiff. Tagsüber bietet sich immer das Bild wie bei ihrer Ankunft. Nachts gehen die Toten um, grölen und zechen. Tagsüber segeln sie Richtung Osten, nachts scheinen sie immer wieder zurück an die gleiche Stelle zu treiben. Indem sie die eingeholten Segel mit Bändern umwickeln, auf denen Sprüche aus dem Koran stehen, gelingt es den beiden Schiffbrüchigen schließlich doch, das Schiff in einen Hafen zu bringen.

Ein einheimischer Zauberer sagt ihnen, was es mit dem Gespensterschiff auf sich hat, und was zu tun ist, um die Untoten zu erlösen. Es handelt sich um ein ehemaliges Piratenschiff, das einmal einen Derwisch an Bord genommen hatte. Der fromme Mann hatte versucht, sie von ihrem schlimmen Lebenswandel abzubringen, wurde aber nur verspottet. Deshalb hat er Kapitän und Mannschaft dazu verflucht, solange nicht leben und nicht sterben zu können, bis sie mit ihren Häuptern auf der Erde liegen. Der Kaufmann reißt daraufhin die Planken mitsamt der darauf liegenden Toten aus dem Deck und bringt sie an Land. Sobald sie auf der Erde liegen, zerfallen die Leichen zu Staub. Mit dem Kapitän ist es schwieriger, denn der ist an den Mast genagelt. Erst als sie seinen Kopf mit Erde bewerfen, ist auch er erlöst.

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