Das Märchen von dem Witzenspitzel

Das Märchen von Witzenspitzel gehört zu den Italienischen Märchen (veröffentlicht 1806-1811) von Clemens Brentano. Die Geschichte basiert auf dem Märchen Corvetto aus Giambattista Basiles Pentamerone.

Das Märchen von Witzenspitzel, Clemens Brentano, Illustration Alexander Zick
Das Märchen von Witzenspitzel. Illustration Alexander Zick

Inhalt

Der König des Landes Rundumherum ist in einen seiner Höflinge, den Edelknaben Witzenspitzel, geradezu vernarrt. Er überhäuft ihn mit Gunstbezeigungen und schürt auf diese Weise den Neid der anderen. Eines Tages beschließt der König, um die verwitwete Königin eines Nachbarlandes zu werben, doch die gibt zu verstehen, dass sie außer ihm viele andere Verehrer hat. Sie lässt allen ausrichten, dass sie denjenigen heiraten würde, der am Montagmorgen als erstes bei ihr in der Kirche ist.

Das scheint den Höflingen eine gute Gelegenheit, Witzenspitzel auszuschalten. Sie raten dem König, das sagenhaft schnelle Pferd eines anderen Nachbarn zu benutzen. Allerdings ist dieser Nachbar der Riese Labelang, mit dem der König seit langem im Clinch liegt. Das Pferd muss also gestohlen werden — und zwar von Witzenspitzel. Natürlich versprechen sich die Neider nichts anderes, als dass der Riese den Edelknaben Witzelspitzel beim Diebstahlversuch erwischt und tötet. Auf dem Schloss des Riesen — auf einem hohen Berg inmitten eines dichten Waldes — leben außer dem Riesen, dessen Frau und dem besagten Pferd nur vier schreckliche Tiere: ein Löwe, ein Bär, ein Wolf und ein Hund. Witzenspitzel gelingt es, das Pferd zu stehlen und die in verfolgenden Bestien abzuschütteln, indem er den Bären durch einen Bienenkorb, den Löwen durch einen Hahn (vor dem der Löwe sich fürchtet), den Wolf durch ein Lamm und den Hund durch einen Hasen ablenkt.

Mit dem Pferd des Riesen ist der König tatsächlich lange vor den anderen Freiern bei der Königin des Nachbarreichs in der Kirche und vermählt sich mit ihr. Seine Dankbarkeit gegenüber Witzenspitzel wurmt dessen Neider nur noch mehr. Deshalb setzen sie dem König den Floh ins Ohr, er müsse sich, um seiner königlichen Gemahlin gerecht zu werden, unbedingt in den Besitz der überaus kostbaren und reich verzierten Kleider des Riesenpaares bringen. Was wiederum nur Witzenspitzel gelingen könne. Der meistert auch diese Aufgabe, indem er die vier Bestien des Riesen austrickst.

Am übelsten ergeht es dabei dem Löwen. An dessen Schwanz befestigt Witzenspitzel einen Sack, in dem die gestohlenen Kleider stecken. Dann setzt er sich auf den Sack und ruft »kikeriki«, woraufhin der Löwe (der sich vor dem vermeintlichen Hahn fürchtet) davon stürmt und den Witzelspitzel zur Residenz des Königs zieht. Kurz vorm Stadttor zerschneidet Witzenspitzel das Seil. Der plötzlich von seiner Last befreite Löwe prallt mit dem Kopf gegen das Tor und stirbt.

Der König ist entzückt über die Kleider und ebenso über seinen Diener Witzenspitzel. Doch die Neider haben sich schon einen neuen Plan ausgedacht, eine Aufgabe, die bestimmt unmöglich zu erfüllen ist. Witzenspitzel soll für den König das Schloss des Riesen stehlen. Dafür muss der dem Riesen mitsamt Weib und neugeborenem Kind den Garaus machen und den Schlüssel des Riesenschlosses an sich bringen. Er übergibt den Schlüssel dem König und darf sich seine Belohnung selbst aussuchen. Witzenspitzel erbittet die Tochter der Königin und lebt mit ihr fortan auf dem Schloss des Riesen.

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