Der Schmied von Jüterbog

Der Schmied von Jüterbog

enthalten in Ludwig Bechsteins Deutschem Märchenbuch (1845). Ähnliche Märchen und Sagen, in denen ein Schmied sich mit Tod und Teufel einlässt, gibt es vielen europäischen Märchensamlungen (vgl. Der Schmied und der Teufel, Brüder Grimm; Der Biedermann Elend und sein Hund Armut, Nordfrankreich; Vom Schmied, den sie in der Hölle nicht haben wollten, Asbjörnsen & Moe). Die Geschichte vom Schmied zu Jüterbog verbindet den Märchenstoff mit der Kyffhäuser-Sage.

Inhalt

Ein Schmied aus Jüterbog (in Brandenburg) verlässt als junger Mann seine Heimat. Als geschickter Handwerker ist er überall gern gesehen. Besonders begehrt ist seine Tinktur, mit der man Harnische einreiben und diese damit undurchdringlich für Waffen aller Art machen kann. Mit diesem Wundermittel wird er zum Rüstmeister von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) ernannt und geht mit auf den Kreuzzug. Zu Geld und in die Jahre gekommen kehrt er schließlich in seine Heimat zurück. Er ist schon über hundert Jahre alt, als eines Tages ein kleines Männlein in seinem Garten auftaucht und den Schmied darum bittet, seinen Esel zu beschlagen. Der alte Schmied erledigt diese Arbeit und fordert keinen Lohn, denn das Männlein ist in seinem abenteuerlichen Leben früher oft als Schutzgeist erschienen. Das Männlein bedankt sich und sagt, der Schmied habe drei Wünsche frei, doch er solle auf keinen Fall das Beste vergessen. Der Schmieds, der sich schon oft geärgert hat, dass Diebe seine Birnen gestohlen haben, wünscht sich als erstes, dass niemand, der auf den Birnbaum steigt, von alleine wieder runter kommt. Und weil die Diebe auch schon in seiner Stube waren, ist sein zweiter Wunsch, dass jemand, der sich in seine Stube schleicht, höchstens wieder durchs Schlüsselloch herauskommt. Vor dem letzten Wunsch warnt das Männlein noch einmal: »Vergiss das Beste nicht!«, doch der Schmied wünscht sich eine Flasche Schnaps, die niemals leer wird.

Das Männlein gewährt die Wünsche und hinterlässt dem Schmied außerdem einiges Silber. Der lebt fortan ohne Not, aber irgendwo klopft der Tod doch an seine Tür. Der Schmied zeigt sich einverstanden mitzukommen, doch bittet er den Tod, ihm ein paar Birnen vom Baum zu holen, auf den er selbst schon lange nicht mehr steigen kann. Natürlich hat der Schmied doch noch keine Lust auf den Tod, und deshalb lässt er ihn auf dem Baum fast verhungern. Irgendwann wird es aber zum Problem, dass auf der Erde keiner mehr stirbt. Also nimmt der Schmied dem Tod das Versprehen ab, ihn fortan in Ruhe zu lassen, und lässt ihn herunter. Seitdem sieht der Tod so ausgemergelt aus. Er räumt erst einmal ordentlich auf der Erde auf, doch gegen den Schmied kann er nichts machen. Das ärgert ihn, weshalb er den Teufel gegen den Schmied aufhetzt. Doch auch dem Teufel bekommt die Bekanntschaft mit dem Schmied schlecht. Nachdem er in dessen Stube spaziert ist, merkt er, dass er nicht auf normalem Weg wieder rauskommt. Es sei denn, durchs Schlüsselloch, was ihm, da er der Teufel ist, natürlich möglich ist. Hinter der Tür steht aber der Schmied, der einen großen Sack ans Schlüsselloch hält, um den Teufel zu fangen. Den Sack samt Teufel bearbeitet er ausgiebig mit seinem Schmiedehammer.

Nun lebt der Schmied noch lange unbehelligt, bis ihm das Leben auf der Erde irgendwann doch leid wird und er sich freiwillig auf den Weg in den Himmel macht. Doch Petrus — niemand anderes war das alte Männlein, das ihm seine törichten Wünsche erfüllt hat — lässt ihn nicht herein und verweist ihn in Richtung Hölle. Da auch der Teufel allen Grund hat, den Schmied nicht herein zu lassen, steigt dieser hinab in den Kyffhäuser zu seinem ehemaligen Dienstherrn, dem Kaiser Barbarossa. Erst wenn die Raben nicht mehr um den Berg fliegen und ein abgestorbener Birnbaum wieder ausschlägt, tritt der Kaiser wieder hervor, und mit ihm sein Rüstmeister, der Schmied von Jüterbog.

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