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Schneeweißchen und Rosenrot | Märchenatlas

Schneeweißchen und Rosenrot

Schneeweißchen und Rosenrot

Das Märchen Schneeweißchen und Rosenrot ist enthalten in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (KHM 161, ab 4. Auflage, 1840); Märchentyp ATU 426: Bär ist verzauberter Prinz. Es ist in einer anderen Fassung bereits in Wilhelm Hauffs Märchenalmanach auf das Jahr 1827 enthalten (beigetragen von Wilhelm Grimm). Beide Fassungen gehen auf das Märchen Der undankbare Zwerg der Erzieherin und Jugendschriftstellerin Karoline Stahl (Fabeln, Märchen und Erzählungen für Kinder, 1818) zurück, also auf ein Kunstmärchen von betont erzieherischem Stil (fleißige, mitfühlende Mädchen; trotz der typischen Schwesternkonstellation keine Konkurrenz zwischen beiden). Obwohl die hübsche Erzählung somit eigentlich nicht den Anforderungen der Grimms genügte – schließlich war es ihre Intention, den mündlich überlieferten Märchenschatz zu verschriftlichen – fand sie Eingang in die Grimmsche Sammlung und zählt seit Generationen zu den bekanntesten und beliebtesten Märchen der Brüder Grimm. Es gehört auch zu den Märchen, die besonders oft illustriert wurden, enthält es doch viele Szenen, die Bilder geradezu im Kopf entstehen lassen: so das idyllische Bild mit den beiden Rosenstöcken vor dem einfachen, aber reinlichen Haus, die dramatischen Begegnungen der Mädchen mit dem Zwerg und die romantische Gemeinschaft der kleinen Familie mit dem Bären, der im Winter ihr Gast ist.

Inhalt

Eine Witwe hat vor ihrem Haus zwei Rosenstöcke, einen mit weißen und einen mit roten Rosen. Und sie hat zwei hübsche, wohlerzogene Töchter, die den Rosenstöcken gleichen — Schneeweißchen und Rosenrot. Die kleine Familie lebt ein bescheidenes, aber zufriedenes, ja geradezu idyllisches Leben. Die Schwestern sind fleißig, fromm und sehr liebevoll im Umgang mit ihrer Mutter wie auch miteinander. Alle Tiere lieben die beiden sanften Mädchen, sodass sich die Mutter nicht einmal sorgt, wenn sie gelegentlich im Wald übernachten. Tatsächlich haben sie einen Schutzengel, der sich zeigt, als sie eines Morgens ganz dicht an einem Abgrund erwachen, in den sie aller Wahrscheinlichkeit nach im Dunkel der Nacht hätten stürzen müssen.

In diese Idylle bricht an einem eisigen Winterabend ein Bär, der sich bei ihnen am Ofen aufwärmen möchte. Schneeweißchen und Rosenrot fürchten und verstecken sich zunächst, doch bald fassen sie Vertrauen und toben mit dem zotteligen Gast, dass es ihm fast zu viel wird:

Schneeweißchen, Rosenrot,
schlägst dir den Freier tot
.

Zur Schlafenszeit darf der Bär am Herd liegenbleiben, und so geht es den ganzen Winter hindurch. Als der Frühling kommt, muss sich der Bär von den Mädchen, die ihn sehr lieb gewonnen haben, verabschieden. Er erzählt ihnen, dass er seine Schätze vor den bösen Zwergen hüten muss, die nun wieder aktiv werden, nachdem sie im Winter wegen der hart gefrorenen Erde nichts ausrichten konnten. Schneeweißchen öffnet ihm beim Abschied die Tür, und als er sich dabei leicht den Pelz aufreißt, scheint es ihr, als ob es darunter golden schimmert.

Schneeweißchen und Rosenrot, Brüder Grimm. Alexander Zick

Schneeweißchen und Rosenrot, Illustration Alexander Zick

Schneeweißchen und Rosenrot sind nun auch wieder öfter im Wald. Eines Tages begegnen sie einem schimpfenden Zwerg, der einen Baum gefällt und sich an dem dicken Stamm seinen auffällig langen Bart eingeklemmt hat. Die freundlichen Mädchen wollen helfen, was der Zwerg auch vehement fordert, doch werden sie von ihm übel beschimpft. Es gelingt ihnen nicht, den garstigen Kerl herauszuziehen, weshalb Schneeweißchen beherzt zur Schere greift. Der Zwerg schimpft noch mehr — weil ihm sein stolzer Bart gestutzt wurde — und verschwindet, nachdem er zwischen den Wurzeln des Baumes einen Sack Gold hervorgeholt hat.

Ein weiteres Mal treffen die Mädchen den unfreundlichen Zwerg beim Angeln. Diesmal hat sich sein Bart mit der Angelschnur verfitzt. Den Helferinnen bleibt nichts anderes übrig, als den Bart noch weiter zu stutzen. Wieder macht sich der Zwerg ohne Dank, sondern seine Retterinnen beschimpfend davon — diesmal mit einem Sack voller Perlen. Und als sie kurz darauf für ihre Mutter Nähzeug aus der Stadt holen wollen, sehen sie, wie ein Adler den Zwerg packt und fortragen will. Sie reißen den Vogel nieder und retten so den Zwerg zum dritten Mal, der natürlich wieder nur schimpft und mit einem Sack voller Edelsteine verwschwindet.

Auf dem Rückweg sehen sie, wie der Zwerg, der die Edelsteine vor sich ausgebreitet hat, von einem Bären angefallen und mit einem Prankenschlag getötet wird. Der Bär gibt sich Schneeweißchen und Rosenrot als ihr Gast vom letzten Winter zu erkennen. Seine Bärenhaut fällt ab, und vor den Mädchen steht ein schöner Königssohn. Der Zwerg hatte ihn verwünscht, doch durch seinen Tod ist der Zauber gebrochen und er kann wieder in seiner wahren Gestalt auftreten. Schneeweißchen wird seine Frau und Rosenrot heiratet seinen Bruder.

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