Märchenquiz

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Jungfrau Maleen

Jungfrau Maleen

Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 198, ab 6. Auflage). Die Brüder Grimm übernahmen das Märchen mit wenigen Textänderungen aus Karl Müllenhoffs Sammlung Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (1845). Eine stilistische Besonderheit sind die von Maleen aufgesagten Verse im Dialekt, während das Märchen ansonsten auf Hochdeutsch niedergeschrieben wurde.

AT 870

Inhalt

Jungfrau Maleen, Märchen der Brüder Grimm. Illustration Arthur Rackham

Jungfrau Maleen, Illustration Arthur Rackham

Ein Königssohn und eine Königstochter haben sich heimlich verlobt, doch der Vater der Braut will seine Tochter mit einem anderen verheiraten. Weil sie sich nicht fügt, lässt er sie, zusammen mit ihrer Kammerjungfer, auf sieben Jahre in einem Turm einmauern. Völlig von der Außenwelt abgeschnitten fristen die beiden jungen Frauen ein kümmerliches Dasein in dem Turm, in den nicht einmal ein Lichtstrahl eindringt. Daran, dass der Proviant langsam zur Neige geht, merken sie, dass die sieben Jahre bald vorbei sein müssen und die Zeit der Freiheit gekommen ist. Doch niemand kommt, um sie zu holen, und nur mühsam brechen sie Stein um Stein aus der dicken Mauer des Turms. Die frische Luft und der blaue Himmel sind das einzige, was den traurigen Anblick etwas mildert, der sich ihnen bietet. Nirgendwo ein Menschenseele, verbrannte Felder, wohin sie blicken. Die Feinde haben das Land verwüstet und den König verjagt. Die beiden jungen Frauen müssen lange wandern und sich in ihrer Not von Brennnesseln ernähren, bevor sich jemand erbarmt und ihnen eine Anstellung und Obdach bietet. So landet die Jungfrau Maleen ausgerechnet in der Küche des Königs, mit dessen Sohn sie einst verlobt war. Auf Druck des Vaters hat dieser endlich eingewilligt, eine andere Frau zu heiraten, die der Vater für ihn ausgesucht hat. Seine Braut Maleen hat er nie vergessen, und die falsche Braut ist zudem hässlich wie die Nacht und hat ein böses Herz. Weil sie fürchtet, dass sie auf dem Weg zur Kirche vom Volk wegen ihrer Hässlichkeit verspottet wird, zwingt sie die hübsche Magd Maleen, ihr Brautkleid anzuziehen und an ihrer Stelle mit dem Königssohn zur Trauung zu gehen.

Maleen sträubt sich, doch als die falsche Braut ihr androht, sie köpfen zu lassen, gibt sie nach. So geht sie schließlich am Arm ihres früheren Bräutigams zur Kirche, jedoch als eine andere. Der ist erfreut über die Schönheit seiner künftigen Frau und etwas verwundert, wie sehr sie seiner früheren Braut Maleen ähnelt. Als sie an einem Brennnesselbusch vorbei kommen, murmelt sie einen seltsamen Vers:

Brennettelbusch,
Brennettelbusch so klene,
wat steist du hier allene?
ik hef de Tyt geweten
da hef ik dy ungesaden
ungebraden eten

(Brennesselbusch … es gab Zeiten, da habe ich dich ungesotten und ungebraten gegessen.) Auch die Kirchentreppe und die Kirchentür bedenkt sie mit seltsamen Sprüchen. Jedesmal fragt der Königssohn, was ihre Spruch bedeutet, und jedesmal antwortet sie: »ach, ich dachte nur an die Jungfrau Maleen«. Der Königssohn schenkt ihr Geschmeide, und das Paar wird getraut. Doch natürlich denkt die falsche Braut nicht daran, Maleen ihren Platz zu überlassen. Als sie am Abend ins eheliche Schlafgemach geführt wird, verschleiert sie ihr Gesicht. Der Königssohn bittet sie zu wiederholen, was sie zum Brennesselbusch, zur Kirchentreppe und zur Kirchentür sagte, und jedesmal muss die falsche Braut erst die vor der Tür stehende Magd Maleen fragen. Als sie schließlich auch von dem Geschmeide nichts weiß, das ihr der Königssohn eigenhändig umgelegt hat, versteht er, dass ihm die falsche Braut untergeschoben werden soll. In der schönen Magd erkennt er schließlich Maleen. Das Paar wird glücklich, die falsche Braut jedoch wird geköpft.

Motive und ähnliche Märchen

Das Einsperren der Jungfrau im Turm erinnert v.a. an Rapunzel sowie auch an Jorinde und Joringel, wo die Braut vor ihrer Hochzeit mit dem Jugendfreund von einer Hexe in einen Vogel verwandelt und eingesperrt wird. In dem Märchen Prinzessin Rosette von Marie-Catherine d’Aulnoy wird die Heldin als kleines Mädchen in den Turm gesperrt, weil von den Feen geweissagt wurde, dass ihren Brüdern ihretwegen Unheil droht. Das Motiv der zur Magd herabgewürdigten Königstochter findet sich u.a. in Allerleirauh und Die Gänsemagd. Die untergeschobene Braut ist ein sehr häufiges Motiv, u.a. in Die wahre Braut.