Märchenquiz

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Hans im Glück

Hans im Glück

Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 83, ab 2. Auflage, 1819)
Die Geschichte vom glücklichen Hans ist im strengen Sinne kein Märchen: es kommt keinerlei Zauberei, keine sprechenden Tiere und keine wundersame Wunscherfüllung vor. Das Wunderbare ist allein das Glück, das an dem immer wieder übervorteilten Hans haften bleibt, wie an anderen Leuten Pech.

Inhalt

Hans hat seinem Meister sieben Jahre treu gedient und möchte nun nach Hause, zu seiner Mutter. Er bittet den Meister um seinen Lohn und bekommt einen Goldklumpen. Glücklich macht er sich damit auf den Heimweg. Nach einer Weile wird ihm der Klumpen schwer, sodass er ihn leichten Herzens gegen ein Pferd eintauscht, das dessen Vorbesitzer ihm »großzügig« zum Tausch anbietet.

Hans im Glück, Märchen der Brüder Grimm. Illustration von Ludwig Richter

Hans im Glück, Illustration von Ludwig Richter

Glücklich über seinen vorteilhaften Tausch reitet er Richtung Heimat. Leider wirft ihn das Pferd ab, sodass er gern auf das Tauschangebot eines Bauern eingeht, der gerade eine Kuh zum Markt bringt. Bald tauscht er die Kuh gegen ein Schwein, dessen Fleisch ihm viel besser schmecken wird als das der Kuh. Das Schwein tauscht er gegen eine Gans; einerseits wegen des schönen Fetts, das er dann wochenlang zum Brot essen kann, andererseits weil der Besitzer der Gans ihm den gutgemeinten Hinweis gibt, dass das Schwein geklaut ist. Glücklich und mit der Gans unterm Arm trifft Hans einen Scherenschleifer, der offenbar durch sein Handwerk ein gutes Auskommen hat. Das gefällt Hans, und so tauscht er die Gans gegen einen Wetzstein, der im Grunde ein gewöhnlicher Mühlstein ist. Leider ist der auch ziemlich schwer, und deshalb ist Hans gar nicht unglücklich, als ihm der schwere Stein in einen Brunnen fällt. Völlig unbelastet kommt Hans schließlich bei seiner Mutter an und freut sich, was er doch für ein Glückspilz ist.

Interpretation

Während viele Märchen eine recht eindeutige »Moral« haben, lässt die Geschichte vom glücklichen Hans gegensätzliche Interpretationen zu. Offensichtlich wird er bei jedem Tauschhandel über den Tisch gezogen. Dass er trotzdem glücklich ist, könnte also einfach daran liegen, dass er schlicht zu dumm ist, um den Betrug zu merken. So gesehen ist Hans im Glück einfach ein Schwank über einen Einfaltspinsel.

Möglich ist aber auch eine Interpretation im Sinne von »Besitz macht nicht glücklich«. Am Ende ist Hans frei — von Besitz, aber auch von Zwängen: schwere Klumpen zu schleppen, für unverständige Tiere zu sorgen, ein relativ eintöniges Handwerk auszuüben. In jeder Phase hat Hans das Prinzip des positiv Denkens perfektioniert, denn immer sieht er die positiven Aspekte des neuen Besitzes, anstatt dem alten nachzutrauern. Zum Schluss hat er nur noch sich selbst, und wer von sich selbst sagt: ICH bin mein wertvollster Besitz, der ist wohl wahrhaft glücklich.