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Die zwölf Brüder | Märchenatlas

Die zwölf Brüder

Die zwölf Brüder

Die zwölf Brüder ist ein Märchen der Brüder Grimm (KHM 9). Es gehört zu dem weitverbreiteten Märchentypus, in dem ein nachgeborenes Mädchen ihre Brüder sucht, die ihretwegen von zu Hause fortgezogen sind und in Vögel verwandelt werden (siehe u.a. Die sieben Raben, Die sechs Schwäne, Die sieben Tauben); um sie zu erlösen, legt sie ein Schweigegelübbde ab, dass sie dem Tode nahe bringt, bevor sie ihrerseits von den Brüdern gerettet wird. Einige Details wie die vorbereiteten Särge für die unschuldigen Jungen, ihr gegen alle Mädchen gerichteter Racheschwur oder die Totenhemdchen, die die Mutter noch viele Jahre später wäscht und pflegt, machen das Märchen etwas gruseliger und für Kinder weniger geeignet als verwandte Märchen.

Inhalt

Ein König hat bereits zwölf Söhne (siehe auch Zahlen im Märchen: Die Zwölf) und ist entschlossen, sie alle zu töten, sollte das Kind, mit dem seine Frau schwanger ist, ein Mädchen sein. Ihr allein will er sein Königreich vererben; für die Söhne dagegen lässt er bereits Särge anfertigen, die in einem abgeschlossenen Raum aufgestellt werden. Den Schlüssel zu dem Raum gibt er perfiderweise seiner Frau, die ob des angekündigten Kindermordes tieftraurig ist. Ihr jüngster Sohn, Benjamin, bemerkt, wie traurig die Mutter ist, und will wissen warum. Da er nicht locker lässt, zeigt sie ihm schließlich die Särge und offenbart ihm, dass sie für ihn und seine Brüder vorgesehen sind. Sie fleht ihn an, mit den Brüdern zu fliehen und aus sicherem Abstand auf ihr Zeichen zu warten: sollte das erwartete Kind ein Junge sein, wird eine weiße Fahne anzeigen, dass sie heimkehren können. Eine rote Fahne dagegen steht für Blut; die Brüder sollten in diesem Fall laufen, so weit sie ihre Beine tragen, um sich vor dem Vater in Sicherheit zu bringen.

Die Brüder folgen dem Rat der Mutter und sehen bald darauf aus ihrem Versteck eine rote Fahne. Da werden sie zornig und schwören sich gegenseitig, jedes Mädchen zu töten, das ihnen begegnet, aus Rache, dass sie von einem Mädchen aus dem Reich ihres Vaters vertrieben wurden. Tief im Wald finden sie ein leerstehendes Häuschen, in dem sie sich niederlassen. Etliche Jahre leben sie dort zurückgezogen aber zufrieden; Benjamin, der Jüngste, besorgt üblicherweise den Haushalt, während die anderen Brüder auf der Jagd sind. Währenddessen wächst ihre Schwester zu einem schönen jungen Mädchen heran, das als besonderes Merkmal einen goldenen Stern auf der Stirn trägt. Eines Tages entdeckt sie in der Wäsche zwölf Männerhemden, die allerdings zu schmal für den Vater sind. Neugierig fragt sie die Mutter nach den Besitzern dieser Hemden und erfährt, dass sie zwölf ältere Brüder hat. Dann zeigt die Mutter ihr weinend die zwölf Särge. Das Mädchen zögert keinen Augenblick und verlässt den elterlichen Hof, um nach ihren Brüdern zu suchen.

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Die zwölf Brüder. Illustration Henry J. Ford

Tatsächlich gelangt sie zu dem Haus im Wald, in dem Brüder leben. Als sie dort ankommt, ist nur Benjamin zu Hause, dem schnell klar wird, dass er seine Schwester vor sich hat. Er gibt sich zu erkennen, hat jedoch Bedenken, dass seine Brüder wegen des Racheschwurs sie töten könnten. Also versteckt er sie zunächst und verkündet seinen Brüdern beim Essen, dass sich etwas Bemerkenswertes zugetragen habe, während sie im Wald waren. Er verspricht ihnen, das Geheimnis mit ihnen zu teilen, wenn sie ihrerseits versprechen, entgegen ihres Racheschwurs das erste Mädchen zu schonen, das ihnen begegnet. Dann erst holt er die Schwester aus ihrem Versteck. Alle Brüder sind glücklich über eine so schöne Schwester und nehmen sie in ihre Gemeinschaft auf. Eines Tages will das Mädchen ihren Brüdern eine besondere Freude machen und pflückt vor dem Häuschen zwölf Lilien, um damit den Tisch zu schmücken. Doch kaum hat sie die Lilien abgebrochen, da steigen zwölf Raben in den Himmel auf, der Garten wie auch das Häuschen verschwinden. Eine alte Frau erscheint und klagt sie an: durch ihren Frevel seien die Brüder in Raben verwandelt und für immer verloren. Es gibt nur ein einziges Mittel, sie zu erlösen: das Mädchen darf sieben Jahre lange kein einziges Wort reden und zudem nicht lachen. Ein zweites Mal ist die Schwester bereit, für ihre Brüder alles hinter sich zu lassen.

Sie steigt auf einen hohen Baum und schweigt. Auch als ein fremder Königssohn sie dort findet und von ihrer Schönheit überwältigt ihr einen Heiratsabtrag macht, kommt kein Wort über ihre Lippen. Jedoch nickt sie und wird seine Frau. Das Paar ist gleücklich miteinander, obwohl die junge Frau noch immer kein Wort redet und auch niemals lacht. Doch ihre Schwiegermutter hasst und verleumdet sie, solange, bis ihr Ehemann widerstrebend ihr Todesurteil unterschreibt. Ein Scheiterhaufen wird errichtet und sie an den Pfahl gebunden. Als schon die Flammen an ihrem Kleid lecken, kommen zwölf Raben geflogen, die, als sie Erde berühren, zu ihren Brüdern werden. Die sieben Schweigejahre sind in dieser Sekunde vorrüber, sie kann erklären, warum sie lange schweigen musste und niemals lachen durfte. Statt  ihrer wird die boshafte Schwiegermutter verurteilt und muss einen grausamen Tod erleiden.

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