Die kluge Else

Die kluge Else, enthalten in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (ab 2. Auflage, KHM 34), ist ein Schwank. Darin geht es um eine junge Frau, die wegen ihres seltsamen Benehmens von ihren Eltern und zunächst auch von ihrem Ehemann für außerordentlich klug gehalten wird, während sich der Leser oder Zuhörer der Geschichte über die Narrheiten der »klugen« Else amüsiert. In der Sammlung der Brüder Grimm gibt es eine ganze Reihe weiterer »Dummenschwänke« dieser Art, etwa Der Frieder und das Katherlieschen oder Der gescheite Hans. Ein älteres Beispiel für einen solchen Schwank ist Basiles Vardiello. Vom Titel her ähnlich, aber vom Verlauf her doch sehr verschieden ist der Schwank Das kluge Gretel (Brüder Grimm), in dem eine Dienstmagd ziemlich clever für ihr eigenes Wohlergehen sorgt.

Illustration von Franz Müller-Münster zu dem Märchen Die kluge Else von den Brüdern Grimm
Die kluge Else. Illustration Franz Müller-Münster

Inhalt

Ein Ehepaar hat eine Tochter, die kluge Else, die sie verheiraten wollen. Sie sind froh, als Hans um sie anhält. Sie versichern ihm, dass ihre Else gewiss die einzige Bedingung erfüllt, die er an seine künftige Frau stellt: nämlich, dass sie recht gescheit sein soll. Hans wird von den Eltern bewirtet, und als er aufgegessen hat, soll Else aus dem Keller einen Krug Bier holen. Sie stellt den Krug vor das Fass, dreht den Hahn auf und lässt ihre Augen im Kellergewölbe umherschweifen.

Da sieht sie direkt über sich eine Kreuzhacke im Mauerwerk stecken, die der Maurer dort offenbar vergessen hat. Sie stellt sich vor, dass sie mit Hans verheiratet wäre und einen kleinen Jungen hätte, den sie zum Bier holen in den Keller schickt … und dann würde die Hacke herunterfallen und ihren Jungen töten. Bei dieser Vorstellung beginnt Else zu weinen und kann gar nicht mehr aufhören. Schließlich schicken die Eltern die Magd in den Keller um nachzusehen, wo die Tochter bleibt. Else erzählt der Magd von ihrer Vision, worauf diese ebenfalls zu weinen beginnt. Als die Magd nicht wiederkommt, schicken die Eltern den Knecht hinterher, der zusammen mit den jungen Mädchen weint; als nächstes geht die Mutter nachschauen, dann auch der Vater und zum Schluss Hans. Am Ende sitzen sie alle zusammen im Keller und weinen. Hans ist restlos überzeugt, dass die kluge Else die richtige Frau für ihn ist.

Nachdem sie schon eine Weile verheiratet sind, bittet er sie eines Tages, an seiner Stelle die Arbeit auf dem Feld zu verrichten. Er sich selbst wolle sich auswärts als Tagelöhner verdingen, um ein bisschen Geld für ihren Hausstand zu verdienen. Else verspricht ihm, das Korn zu schneiden. Sie kocht sich einen schönen, dicken Brei, den sie mit raus auf’s Feld nimmt. Und noch bevor sie mit der Arbeit beginnt, lässt sie sich den Brei schmecken und gönnt sich anschließend ein Schläfchen. Hans ist inzwischen von der Arbeit nach Haus gekommen und freut sich, dass Else so eifrig bei der Sache ist. Als sie aber gar nicht wiederkommen will, geht er aufs Feld nachschauen.

Dort liegt Else friedlich schlummernd, während um sie herum das Korn ungeschnitten steht. Hans läuft zum Haus und kommt mit Vogelgarn (Garn, an dem kleine Schellen angebracht sind) zurück, mit dem er seine Else behängt. Als Else schließlich wach wird und nach Haus läuft, weiß sie vor lauter Gebimmel nicht mehr, wer sie ist. »Bin ich’s oder bin ich’s nicht?« fragt sie sich, und klopft ans Fenster ihres Hauses. Hans antwortet auf ihre Frage, ob die Else drinnen sei, ja, die wäre drin. Die Verwirrte kommt zu dem Schluss, dass sie dann wohl nicht die Else sein kann und läuft mit ihren Schellen von einem Haus zum anderen. Niemand will sie einlassen, und so trollt sie sich schließlich aus dem Dorf und ward nicht mehr gesehen.

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