Die hagere Liese

Die hagere Liese ist ein kurzer Schwank der Brüder Grimm (ab 4. Auflage der Kinder- und Hausmärchen, KHM 168). Er verweist am Anfang auf einen anderen Eheschwank aus der Sammlung der Brüder Grimm, nämlich Der faule Heinz, und kann als Kommentar zu diesem verstanden werden. Die hagere Liese und ihr Mann, der lange Lenz, sind zwar von gänzlich anderem Charakter als der faule Heinz und seine dicke Trine, jedoch ähneln sich beide Schwänke in ihrer Pointe. Hier wie dort malen sich die beiden Eheleute Ereignisse, die in der Zukunft vielleicht einmal eintreten könnten, so lebhaft aus, dass sie sie für real halten.

Illustration von Rudolf Schiestl zu dem Schwank Die hagere Liese
Die hagere Liese. Illustration Rudolf Schiestl (Der deutsche Spielmann, Callwey, München 1924)

Inhalt

Tagein, tagaus rackert sich die hagere Liese ab und lädt auch ihrem Ehemann, dem langen Lenz, »so viel Arbeit auf, dass er schwerer zu tragen hat[te] als ein Esel an drei Säcken.« Trotzdem kommen die beiden auf keinen grünen Zweig. Eines Abends liegt Liese todmüde im Bett ohne Ruhe zu finden. Sie erzählt ihrem Mann von dem Gedanken, der ihr durch den Kopf geht.

Würde sie einen Gulden finden, jemand ihr einen anderen schenken, sie dazu noch einen borgen und schließlich er, der Lenz, ihr auch noch einen dazu geben… ja, dann könnte sie eine junge Kuh kaufen! Lenz weiß zwar nicht, wo er einen Gulden hernehmen sollte, findet die Idee seiner Liese aber grundsätzlich gut. Denn wenn die Kuh ein Kälbchen bekäme, dann würde sie Milch geben. Davon könnte er dann ab und zu auch ein wenig trinken.

Die hagere Liese widerspricht energisch. Die Milch sei allein für das Kälbchen, auf dass es groß und fett würde und sie es für gutes Geld würden verkaufen können. Das mag Lenz nicht einsehen — was schadet es schon, eine kleine Menge abzuzweigen? Über die Frage, wie mit der Milch der Kuh zu verfahren sei, die sie gar nicht besitzen, geraten die Eheleute in Streit. Schließlich drückt Lenz seine Liese so lange aufs Kissen, bis sie, müde vom Schimpfen, endlich einschläft.

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