Die drei Federn

Die drei Federn ist ein Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 63, ab 2. Auflage). Das Märchen handelt von einem Dummling, dem jüngsten von drei Brüdern, der von den anderen gering geschätzt wird und sich im Laufe der Handlung emanzipiert.

Illustration von Anne Anderson zu dem Märchen Die drei Federn von den Brüdern Grimm
Die drei Federn. Illustration Anne Anderson (Old, Old Fairy Tales, Whitman Publishing Company, 1935)

Inhalt

Ein alter König sorgt sich, welchem seiner drei Söhne er sein Reich vererben soll. Um Streit zu vermeiden, beschließt er, die Entscheidung durch einen Wettstreit herbeizuführen. Er bläst drei Federn in die Luft, denen die drei Söhne folgen sollen. Wer ihm, der Richtung seiner Feder folgend, den schönsten Teppich nach Hause bringt, soll der Thronfolger sein.

Klar scheint dabei, dass nur einer der beiden älteren Söhne als Sieger infrage kommt. Der Jüngste ist gar zu einfältig, weshalb er von allen Dummling genannt wird. Nicht einmal mit seiner Feder hat er Glück, denn während die Federn der Älteren weit nach Osten und Westen hinaus fliegen, taumelt seine einfach schlapp zur Erde. Traurig lässt der Dummling den Kopf hängen. Da sieht er am Boden eine Falltür. Er folgt der Treppe hinab und findet hinter einer Tür eine Menge Kröten. Sie schenken ihm einen Teppich, wie er schöner noch nie auf der Erde gewebt wurde. Erstaunt verkündet der alte König, dass gemäß der gestellten Aufgabe das Königreich an den Jüngsten gehen soll.

Doch die beiden älteren Brüder bringen ihn dazu, eine neue Aufgabe zu stellen. Wer dem Vater den schönsten Ring bringt, soll das Reich erben. Wieder folgen die Prinzen ihren Federn, und wieder landet der Dummling unter der Erde bei den Kröten. Sie schenken ihm einen Ring, so schön, wie ihn noch kein Goldschmied auf der Erde gemacht hat. Da die Brüder den Dummling nicht ernst nehmen, haben sie sich nicht viel Mühe gemacht und jeweils den erstbesten Wagenring genommen. Auch nach dieser Aufgabe sollte das Reich an den jüngsten Prinzen gehen.

Der König lässt sich überreden, noch eine dritte Aufgabe zu stellen: Wer die schönste Braut heimführt, soll das Königreich haben. Diesmal wählt die alte Kröte eine ihrer jüngeren Gefährtinnen aus. Sie setzt sie in eine Kutsche, gebaut aus einer gelben Rübe und bespannt mit Mäusen. Kaum sitzt die Krötenbraut in der Kutsche, verwandelt sie sich in ein wunderschönes Fräulein.

Die neidischen Brüder, die beide zwei grobe Bauernweiber gewählt haben, versuchen noch ein letztesmal, das Geschick zu wenden: Die Bräute sollen durch die Ringe springen (was, wie sie hoffen, den an körperliche Arbeit gewohnten Bauernweibern gelingen wird, dem feinen Fräulein aber nicht). Doch während sich die Bäuerinnen Arme und Beine bei der sportlichen Übung brechen, springt die zierliche Braut des Dummlings hastdunichtgesehen durch den feinen Ring. Der Dummling wird König und sie seine Königin.

Motive, ähnliche Märchen

In dem russischen Märchen Die Froschprinzessin lässt der alte König seine drei Söhne Pfeile schießen, in deren Richtung sie dann in die Welt hinaus ziehen, um sich eine Braut zu suchen. Es gibt dort ebenfalls einen Wettbewerb, wessen Braut die Schönste, Gescheiteste und Geschickteste ist. Die Braut des Jüngsten (Iwan = Hans) ist zunächst eine Unke, entpuppt sich dann aber als die schöne und kluge Wassilissa. Das Motiv, dass der unreife Märchenheld zunächst ein »unedles« Tier (Frosch, Maus, Katze) heiratet, das sich dann in eine strahlende Prinzessin verwandelt, taucht in vielen weiteren europäischen Märchen auf (siehe z.B. Der arme Müllersbursch und das Kätzchen, Die weiße Katze) und kommt auch in den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht vor.

Eine weitere Variante ist Das Märchen von der Padde aus der Sammlung von Johann Gustav Gottlieb Büsching (Volks-Sagen, Märchen und Legenden, Reclam, Leipzig 1812). »Padde« ist ein älteres Wort für (Erd-)Kröte. Das Märchen beginnt allerdings mit einem Motiv, das im deutschsprachigen Raum vor allem durch das Märchen Rapunzel bekannt ist. Denn die Padde (Fröschin, Kröte) war ehemals ein schönes Mädchen, das für ihr Leben gern Petersilie, genauer gesagt Petersilienwurzeln, aß. Da ihre Mutter arm war und nicht jeden Tag auf dem Markt Petersilie kaufen konnte, stahl sie manchmal welche aus dem benachbarten Klostergarten. Zur Strafe verwandelte die Äbtissin das Mädchen in eine Kröte (Padde), die später den jüngsten der drei Königssöhne trifft. Der Rest des Märchens ist ähnlich wie bei der Froschprinzessin bzw. den Drei Federn.

Quellen

Das Märchen von der Padde, auf zeno.org

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