Der süße Brei

Der süße Brei ist ein kurzes Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 103). Die kleine Märchenheldin ist wie in Die Sterntaler ein armes, frommes Mädchen, das durch ein Wunder von der Not erlöst wird. Siehe hierzu auch Armut und Reichtum im Märchen.

Illustration von Tom Seidmann-Freud zu dem Märchen der süße Brei
Der süße Brei. Illustration Tom Seidmann-Freud (Kleine Märchen, Peregrin Verlag, Berlin, 1921)

Inhalt

Ein armes, Hunger leidendes Mädchen trifft im Wald eine alte Frau. Die kennt ihre Not und schenkt ihr ein Töpfchen, das immerzu süßen Hirsebrei kocht, wenn man ihm nur sagt: »Töpfchen koch!« Von nun an müssen das Mädchen und ihre Mutter nicht mehr hungern. Als das Mädchen einmal außer Haus ist, befiehlt die Mutter »Töpfchen koch!« Doch leider weiß sie das Zauberwort nicht mehr, um den Topf anzuhalten. Fast die ganze Stadt ist schon in einem Berg aus Hirsebrei verschwunden. Endlich kommt das Mädchen nach Haus und sagt: »Töpfchen steh!« Sofort hört der Topf auf, seinen Hirsebrei zu kochen, doch wer in die Stadt wollte, musste sich durch den Hirseberg essen.

Anmerkungen

Der Hirseberg, der schließlich die ganze Stadt überzieht und alle Menschen satt macht, erinnert an die Geschichte vom Schlaraffenland. In der Märchenfassung von Ludwig Bechstein (Das Märchen vom Schlaraffenland) heißt es am Ende:

»Um das ganze Land herum ist aber eine berghohe Mauer von Reisbrei. Wer hinein oder heraus will, muß sich da erst überzwerch durchfressen.«

Deutsches Märchenbuch, Nr. 50

Der süße Brei im vorliegenden Märchen ist nicht aus Reis, sondern aus Hirse. Dieses Getreide stammt ursprünglich aus Asien und breitete sich im Mittelalter nach Europa aus. Für die arme Bevölkerung war Hirse(brei) ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Und da Zucker lange Zeit ein Luxusgut war, das ihre Gaumen nicht gewohnt waren, dürfte die natürliche, mäßige Süße der Hirse ausgereicht haben, einen Hirsebrei zu einem »süßen Brei« zu machen.

Ebenso wertvoll wie Zucker war Salz, was den Hintergrund für ein bekanntes norwegisches Märchen bildet, das in seinem Hauptmotiv dem Märchen vom süßen Brei ähnelt. In Die Mühle auf dem Meeresgrund tritt an die Stelle des Töpfchen eine (Hand-)Mühle, die ihrem Besitzer jede gewünschte Speise in jeder gewünschten Menge liefert. Schließlich erwirbt sie ein reicher Salzhändler, der nie genug haben kann. In seiner Gier versenkt er die Mühle, sein Schiff, Berge von Salz und sich selbst im Meer — das seitdem salzig ist.

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