Der goldene Vogel

Der goldene Vogel

Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 57). Das Märchen gehört zur großen Gruppe der Geschichten von drei Brüdern, von denen der jüngste als Dummling nicht ernst genommen wird, dann aber verschiedene schwierige Aufgaben meistert, um am Ende sein Glück zu machen. Der goldene Vogel ist ein Zaubervogel wie der Phönix, der ein Symbol für die Neuerschaffung des eigenen Ichs steht. Sehr ähnlich ist das russische Märchen Iwan Zarewitsch, der Feuervogel und der graue Wolf.

AT 550

Inhalt

Ein König hat einen Lustgarten, in dem ein Baum mit goldenen Äpfeln steht. Als sie reif werden, werden die Äpfel gezählt — und am nächsten Morgen fehlt einer. Der König lässt seinen ältesten Sohn des nachts den Baum bewachen, doch der schläft ein, und am nächsten Morgen fehlt wieder ein Apfel. Auch der zweite Sohn schläft ein, als er in der nächsten Nacht den Baum bewachen soll. Dem jüngsten traut der König die Aufgabe von vornherein nicht zu, aber weil er unbedingt will, darf auch er eine Nacht die goldenen Äpfel bewachen. Und tatsächlich sieht er um Mitternacht den Apfeldieb kommen: einen Vogel mit goldenem Gefieder. Der Jüngling schießt einen Pfeil ab, doch der Vogel verliert nur eine seiner goldenen Federn und kann entkommen.

Als der König die Feder sieht und die Beschreibung des ganzen Vogels hört, interessieren ihn seinen goldenen Äpfel nicht mehr. Nun will er den Vogel. Der älteste Sohn zieht in die Welt hinaus, um den Vogel zu finden. Am Waldrand sieht er einen Fuchs und zielt auf ihn. Der Fuchs weiß, dass er auf der Suche nach dem goldenen Vogel ist, und bittet gegen einen guten Rat um sein Leben: der Jüngling solle, wenn er in das nahegelegene Dorf kommt, nicht das einladend wirkende Gasthaus wählen, sondern das andere, das eher abweisend aussieht. Doch der Jüngling achtet weder auf die Bitte noch auf den Rat. Er schießt auf den Fuchs ohne ihn zu treffen. Dann, im Dorf, kehrt er frohen Mutes in das fröhlich wirkende Gasthaus ein, wo er seinen Auftrag, nach dem goldenen Vogel zu suchen, umgehend vergisst. Zuhause wartet man vergeblich auf ihn, und als eine gewisse Zeit vergangen ist, macht sich der zweite auf den Weg. Diesem Sohn ergeht es genauso wie dem ersten.

Der goldene Vogel, Märchenbilder von Arthur Rackham

Der goldene Vogel. Illustration Arthur Rackham

Schließlich bittet der Jüngste, nach dem goldenen Vogel suchen zu dürfen. Auch er trifft am Waldrand den Fuchs, und anders als seine Brüder versichert er dem Fuchs, dass er im nichts tun und seinen Rat beherzigen werde. Daraufhin lädt der Fuchs ihn ein, sich auf seinen Schwanz zu setzen und läuft mit ihm in Windeseile zum Dorf, wo der Jüngling in dem etwas schäbigen Gasthaus übernachtet. Am nächsten Morgen geht die Reise auf dem Fuchsschwanz weiter. Denn der Fuchs weiß, wo der goldene Vogel zu suchen ist, nämlich in einem Schloss, zu dem er den Königssohn bringt. Und er weiß auch wieder guten Rat: Alle Menschen in dem Schloss würden schlafen, sodass er ungehindert zu einer bestimmten Kammer gehen könne, in der sich der Vogel befindet. Dort stehen ein goldener Käfig und ein Käfig aus Holz. Der Königssohn solle auf keinen Fall den goldenen Käfig nehmen, sondern den anderen.

An diesen Rat hält sich der Königssohn nicht. Deshalb geht der Plan schief, und er muss nun auch noch ein goldenes Pferd stehlen, was wiederum misslingt, weil er den Rat des Fuchses erneut in den Wind schlägt. Um das Pferd zu bekommen, das er braucht, um den Vogel zu bekommen, muss er als dritte Prüfung die Königstochter aus dem goldenen Schloss entführen. Dabei hält erwieder eine Bedingung nicht ein, doch der Fuchs hilft ihm ein weiteres Mal. Als er alles beisammen hat und stolz und glücklich auf dem Pferd mit Jungfrau und Vogel nach Hause reitet, bittet der Fuchs, er möge ihn nun erschießen und ihm dann Kopf und Pfoten abschneiden. Das bringt der Jüngling nicht übers Herz, und so trennen sie sich an dieser Stelle. Etwas später trifft er seine Brüder, die wegen diverser Vergehen am Galgen hängen sollen, und kauft sie frei. Zum Dank wird er von ihnen in einen Brunnen gestoßen. Am väterlichen Schloss rühmen sie sich, den goldenen Vogel erobert zu haben, dazu noch das Zauberpferd und die Jungfrau. Doch das Pferd will nicht fressen, der Vogel nicht singen, und die Jungfrau weint immerzu. Doch auf den treuen Fuchs ist Verlass. Er rettet den jüngsten Königssohn aus dem Brunnen. und als der verkleidet auf dem Schloss erscheint, beginnt das Pferd zu fressen, der Vogel zu singen, und die Jungfrau fühlt sich auf einmal leicht und froh. So kommt die böse Tat der Brüder ans Licht und der jüngste Königssohn die Prinzessin zur Frau.

Als er später im Wald wieder auf den Fuchs trifft, bittet der ihn, nun doch bitte ihm zu helfen, nachdem er ihm so oft geholfen hat. Es ist die gleiche Bitte, die er ihm schon einmal ausgeschlagen hat: der Königssohn soll ihn erschießen und ihm dann Kopf und Pfoten abschneiden. Nachdem er so oft den Rat des Fuchses missachtet und dies sich jedesmal als Fehler erwiesen hat, tut der Königssohn, was der Fuchs von ihm wünscht. Damit hat er einen Prinzen erlöst, der niemand anderes ist, als der Bruder seiner jungen Frau.

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