Das blaue Licht

Das blaue Licht

Märchen der Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 116). Das Märchen ähnelt dem Feuerzeug von Hans Christian Andersen sowie, was das Hauptmotiv betrifft, dem orientalischen Märchen von Aladdin und der Wunderlampe. In allen drei Märchen steigt ein Unterprivilegierter (bei Andersen und den Grimms ein ausgemusterter Soldat, im orientalischen Märchen ein armer Junge) in eine Höhle oder einen Brunnen, um gemäß den Anweisungen eines zauberkräftigen, betrügererischen Wesens (Hexe bzw. Zauberer) ein Licht (Lampe bzw. Feuerzeug) zu holen. Dieses Licht ist die Wohnstatt eines mächtigen Geistes, der seinem jeweiligen Besitzer treu ergeben ist und große Macht verleiht. Der Held muss verschiedene Abenteuer und Prüfungen bestehen, bevor er zum reichen Herrscher aufsteigt.

AT 562

Inhalt

Ein Soldat hat seinem König lange Jahre treu gedient, doch als er alt ist, wird er ohne Abfindung entlassen und muss hungern. Er kommt an das Haus einer alten Hexe und bittet um ein Nachtlager. Die Hexe verlangt als Gegenleistung, dass er am nächsten Tag ihren Garten umgräbt. Damit ist der Soldat den ganzen Tag beschäftigt, und am Abend ist er so müde, dass er die Hexe bittet, noch eine zweite Nacht bleiben zu dürfen. Dafür muss er am nächsten Tag ein Fuder Holz hacken. Wieder ist er nach getaner Arbeit so müde, dass er noch eine Nacht im Haus der Hexe bleiben möchte. Die dritte Aufgabe scheint vergleichweise einfach zu sein: der Soldat soll aus dem ausgetrockneten Brunnen der Hexe das blaue Licht holen. Er seilt sich ab, nimmt das Licht an sich und lässt sich von der Hexe an seinem Seil wieder nach oben ziehen. Als er den Rand erreicht, verlangt sie zuerst nach dem Licht. Der Soldat traut der Hexe nicht und will ihr das Licht erst geben, wenn er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Das macht die Hexe so wütend, dass sie ihn mitsamt dem blauen Licht in den Brunnen fallen lässt.

Unten glaubt der Soldat, sein letztes Stündlein sei gekommen. Das Ende vor Augen, will er sich noch ein letztes Pfeifchen gönnen, schleißlich hat er das blaue Licht zum Anzünden. Doch kaum hat er angefangen zu rauchen, steht ein schwarzes Männlein vor ihm und fragt nach seinem Befehl. Denn das Männlein muss demjenigen dienen, der das blaue Licht besitzt. Der erste Befehl des Soldaten ist natürlich, ihn aus dem Brunnen zu befreien. Und der zweite, die Hexe zu erschlagen.

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Das blaue Licht. Illustration Robert Leinweber

Dann zieht er in die Stadt, quartiert sich im besten Gasthof ein und lässt sich elegante Kleider machen. Dass der König ihn so schnöde weggeschickt hat, geht ihm nicht aus dem Kopf. Um sich Genugtuung zu verschaffen, befiehlt er seinem Diener, die Tochter des Königs nachts in sein Zimmer zu bringen, wo sie ihm als Magd dienen muss. Vor dem ersten Hahnenschrei lässt er sie an den Hof ihres Vaters zurückbringen. Sie meint, das unangenehme Erlebnis nur geträumt zu haben, und erzählt ihrem Vater davon. Der rät ihr, in der nächsten Nacht Erbsen in die Tasche ihres Schlafgewandes zu füllen und ein kleines Loch in die Tasche zu machen. Die Erbsen würden — sollte es doch kein Traum sein — den Weg zu dem Übeltäter weisen. Doch das kleine Männlein erlauscht diesen Plan und lässt überall in der Stadt Erbsen ausstreuen. So bleibt der Soldat unentdeckt, als sich die Demütigung der Königstochter in der nächsten Nacht wiederholt. In der dritten Nacht aber versteckt die Königstochter einen Schuh unter dem Bett ihres Entführers. Der Schuh wird gefunden und dem Soldaten droht der Galgen. Der König gewährt ihm einen letzten Wunsch. Eine fatale Entscheidung, denn der Soldat zündet mit dem blauen Licht seine Pfeife an, woraufhin das kleine Männlein erscheint und unter den Umstehenden ein Gemetzel anrichtet. Der König bittet um Gnade und überlässt dem Soldaten seine Tochter wie auch sein Reich.

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