East of the Sun and West of the Moon

East of the Sun and West of the Moon

Östlich der Sonne und westlich vom Mond

norwegisches Märchen, enthalten in der Sammlung Norske Folkeeventyr (1843/44) von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Engebretsen Moe. Da das Märchen starke Parallelen zu »Der Eisbär König Valemon« aufweist, werden beide hier zusammen vorgestellt.
Siehe auch Das singend, springende Löweneckerchen, Die Schöne und das Biest

Inhalt

Ein armer Mann hat viele Kinder, die er kaum ernähren kann.

Schön waren sie alle, aber am schönsten war die jüngste Tochter.

Eisbär König Valemon, norwegisches Märchen. Illustration Theodor Kittelsen

Illustration von Theodor Kittelsen zu Der Eisbär König Valemon

Eines Abends klopft ein Eisbär an der Tür und verspricht dem Mann, dass er ebenso reich wird, wie er jetzt arm ist, wenn er ihm die jüngste Tochter zur Frau gibt. Sie sträubt sich erst, doch nach einer Woche Bedenkzeit willigt sie zugunsten ihrer Familie ein. Auf dem Rücken des Eisbären gelangt sie zu seinem Schloss, das in einem Berg versteckt liegt. Dort mangelt es ihr an nichts; immer wenn sie etwas braucht, muss sie nur mit dem Silberglöckchen läuten, das ihr der Bär gegeben hat. Das größte Wunder aber geschieht immer nachts, denn dann legt sich jedesmal ein Mensch zu ihr ins Bett, den sie jedoch nie zu sehen bekommt. Tagsüber ist sie allein und sehnt sich, trotz der Fürsorge des Eisbären, nach Ihresgleichen, besonders natürlich nach ihrer Familie.

Was sie nicht weiß: Der Mensch der jede Nacht zu ihr kommt, ist niemand anderes als der Eisbär, der in Wirklichkeit ein verzauberter Prinz ist. Nur nachts kann er sein Fell ablegen, doch er wird erlöst, wenn das Mädchen ein Jahr lang unter Beachtung gewisser Tabus mit ihm zusammenlebt.

Der Eisbär erfüllt seiner jungen Frau den Wunsch, ihre Familie zu besuchen und trägt sie selbst auf seinem Rücken dort hin. Die einzige Bedingung ist ihr Versprechen, nicht mit ihrer Mutter allein zu sprechen. Das Mädchen hält sich zunächst daran, wird dann aber von der Mutter so bedrängt, dass sie nachgibt und ihr unter vier Augen von den nächtlichen Besuchen in ihrer Kammer erzählt. Die Mutter ist besorgt, der Besucher könnte ein Troll sein, und rät ihrer Tochter deshalb, einen Kerzenstummel in ihrem Hemd zu verstecken und sich den Mann, wenn er eingeschlafen ist, anzuschauen.

Auf dem Heimweg errät der Bär, dass sich seine junge Frau nicht an ihr Versprechen gehalten hat. Nun mahnt er sie eindringlich, den Rat ihrer Mutter nicht zu befolgen, sonst würden sie beide sehr unglücklich. Sie verspricht, und bricht auch dieses Versprechen. Nachts, mit ihrer Kerze, sieht sie, dass ein wunderschöner Prinz in ihrem Bett liegt. Während sie in küsst, tropft etwas Wachs auf ihn und er erwacht (vgl. Amor und Psyche). Todunglücklich teilt er ihr mit, dass er nun fort muss zu seiner bösen Stiefmutter, die ihn verzaubert hat.

Sie wohnt in einem Schloß, das liegt östlich von der Sonne und westlich vom Mond.

Und er muss eine Trollprinzessin heiraten, die er gar nicht mag. Sie hat eine Nase — drei Ellen lang. Seine junge Frau darf ihn nicht begleiten, das einzige was sie tun kann, ist ihn zu suchen (»Suchwanderung«). Das tut sie auch und lässt sich dabei von niemandem Bange machen. Sie trifft drei alte Weiber, die ihr jeweils ein Pferd für die Weiterreise und einen goldenen Zaubergegenstand geben (einen Apfel, eine Haspel und einen Spinnrocken). Die letzte verweist sie an den Ostwind, der wiederum an den Westwind, der an den Südwind und der, ganz zum Schluss, an den Nordwind. Mit dem eisigen Nordwind gelangt sie schließlich zum Schloss östlich der Sonne und westlich vom Mond. Dort steht die Hochzeit ihres Prinzen mit der Trollprinzessin bevor, doch die kann sie — natürlich — mit ihren goldenen Zauberdingen abwenden. Der Prinz verlangt von seiner künftigen Frau, dass sie aus seinem Hemd die Wachsflecken auswaschen soll. Die Waschversuche der Trollprinzessin machen das Hemd nur noch schmutziger, während die rechte Braut das Hemd nur ins Wasser tauchen muss.

Und sie zogen weit, weit fort vom Schloß östlich der Sonne und westlich vom Mond.

Variante: Der Eisbär König Valemon

Hier ist die Auserwählte des verzauberten Prinzen kein armes Mädchen, sondern eine Königstochter. Die träumte eines Nachts von einem goldenen Kranz, den sie seit diesem Traum unbedingt haben will. Alle Goldschmiede des Landes geben ihr bestes, aber kein Kranz ist der Königstochter gut genug. Eines Tages sieht sie im Wald einen Eisbär mit dem geträumten goldenen Kranz. Der ist bereit, ihn ihr zu geben, aber nur unter der Bedingung, dass sie seine Frau wird. Der Königstochter ist ‚s egal, wen sie heiratet, Hauptsache, sie bekommt ihren Kranz. Das Zusammenleben des jungen Paares verläuft dann ähnlich wie im Märchen East of the Sun and West of Moon, einschließlich des Tabubruchs. Dabei wird die Rolle der Mutter stärker betont, indem der Eisbär fordert, dass sie nur dem Rat ihres Vaters, nicht dem der Mutter folgen soll. Auch mahnt der Vater selbst beim Abschied angesichts des von der Mutter mitgegebenen Kerzenstummels: Nein, das darfst du nicht! Ein größerer Unterschied ist, dass das Paar auf diese Weise — der Ehemann ist tagsüber als Eisbär fort, nachts aber als Mann bei seiner Frau — mehrere Jahre zusammenlebt. Die Frau bekommt in dieser Zeit drei Töchter, die der Eisbär jedesmal fortbringt. Als sich die Frau nach dem Tabubruch auf die Suche nach ihrem Mann macht, trifft sie bei jedem der drei Weiber ein kleines Mädchen, das ihr den Zaubergegenstand schenkt. Erst nachdem sie ihren Mann auf dem Schloss der Rivalin (ebenfalls eine Trollfrau) wiedergefunden und erlöst hat, erkennt sie die Mädchen als ihre Töchter und versteht, warum der Eisbär / ihr Mann sie ihr entzogen hat.

NEU: Märchenquiz

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