Das Ebenholzpferd

Das Ebenholzpferd

Orientalisches Märchen, vermutlich indischen Ursprungs, das in einigen Ausgaben der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht enthalten ist. Ein ähnliches Märchen findet sich in der Sammlung russischer Volksmärchen von Alexander Afanassjew (Iwan Zarewitsch, der Feuervogel und der graue Wolf).

 Inhalt

Ein mächtiger und reicher König hat drei Töchter und einen Sohn. Er ist wohltätig und ein Förderer der Künste und Wissenschaften. Eines Tages kommen drei Gelehrte an seinen Hof und bringen ihm kunstvolle Geschenke: der erste einen goldenen Pfau, der zweite ein Horn aus Messing und der dritte ein Pferd aus Ebenholz. Der König fragt die Gelehrten, welchen Zweck die Dinge haben. Der mechanische Pfau ist so konstuiert, dass er mit seinen Rufen jede volle Stunde anzeigt. Das Horn bewirkt, auf die Stadtmauer gelegt, zuverlässige Warnung vor Eindringlingen. Der König überzeugt sich von der Funktionsweise der Gegenstände und fragt die Gelehrten, was sie sich als Dankeschön wünschen. Beide wünschen sich eine von des Königs Töchtern zur Frau. Das wünscht sich auch der dritte Gelehrte, doch zunächst muss er erklären, was der Zweck des Ebenholzpferdes ist, und der König muss prüfen, ob es tatsächlich so funktioniert wie behauptet.

Das Ebenholzpferd, Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, Illustration Walter Paget

Illustration von Walter Paget

Das Ebenholzpferd kann den, der auf ihm sitzt, überall hin bringen, wo es ihm beliebt. Der König bittet so seinen Sohn, es auszuprobieren. Kaum hat er an dem Knauf gedreht, der das Pferd in Bewegung versetzt, steigt es mit ihm in die Lüfte. Bald wird ihm bange, wie er je zur Erde zurück kommen soll, doch dann entdeckt er an den Schultern des Pferdes zwei Knöpfe, mit deren Hilfe er auf- und absteigen kann. Als er unten eine schöne, fremde Stadt sieht, beschließt er, dort die Nacht zu verbringen und landet auf der Dachterasse eines Schlosses. Das Schloss hat ein König als Geschenk für seine schöne, geliebte Tochter erreichten lassen, die dort mit ihren Freundinnen den Abend verbringt. Der Prinz verliebt sich augenblicklich in das Mädchen und vertreibt kurzerhand den Eunuchen, der auf sie aufpassen soll. Dann unterhält er sich mit ihr in ihrem Gemach, wobei auch sie zu ihm große Zuneigung fasst.

Als der Vater der Prinzessin von der Beziehung erfährt, ist er zunächst wenig begeistert, doch der Jüngling gefällt ihm. Allerdings wäre es unschicklich die beiden ohne weitere Umstände zu vermählen, da zuvor viele Bewerber mit großem Brimborium um sie angehalten haben. Der Prinz erklärt, dass er bereit sei, gegen das gesamte Heer des Königs zu kämpfen. Allerdings unter der Bedingung, dass er dazu sein eigenes Pferd benutzen darf. Als er auf die Frage, wo sich sein Pferd befindet, amtwortet: »Auf der Dachterasse«, beginnt man, ihn für wahnsinnig zu halten. Auf seinem Ebenholzpferd tritt er den Soldaten entgegen, von denen jeder einzelne bereit ist, ihn zu töten. Doch bevor es dazu kommt, hebt sich das Pferd mitsamt Reiter in die Lüfte und entschwindet.

Er kehrt an den Hof seines Vaters zurück, ohne die schöne Prinzessin vergessen zu können. Der Vater hatte den Gelehrten, der ihm das Ebenholzpferd geschenkt hat, in den Kerker geworfen. Nun, da der Sohn wieder da ist, lässt er ihn wieder frei, gibt ihm aber trotzdem nicht die dritte Tochter zur Frau. Während der Prinz überlegt, wie er seine Prinzessin zu sich holen kann, schmiedet der Gelehrte einen Plan, um sein Ebenholzpferd zurück zu bekommen. Zunächst aber fliegt der Prinz zurück zum Schloss der Prinzessin. Die ist zum Kummer ihrere Eltern vor lauter Sehnsucht nach dem Prinzen ganz krank geworden. Als er nun wieder auftaucht, erklärt sie sich ohne zu zögern bereit, ihre Eltern zu verlassen und mit ihm zu fliehen. Sie fliegen sie den beide auf dem Zauberpferd in die Heimat des Prinzen. Der bittet sie zunächst im Schlossgarten auf ihn zu warten, während er dem Vater die Ankunft seiner Braut meldet. Das Ebenholzpferd lässt er ebenfalls dort, denn der Vater hat geschworen, es zu zerstören, weil es zu nichts anderem gut ist, als ihm den Sohn zu entführen. Dies ist die Gelegenheit für den Gelehrten, sich sein Pferd zurück zu holen und sich gleichzeitig an dem Prinzen zu rächen. Er begibt sich in den Garten und behauptet gegenüber der Prinzessin, ein Bote des Prinzen zu sein. Kaum sitzt sie mit ihm auf dem Pferd, begreift sie, dass er ein Lügner ist. Aber es hilft nichts, der hässliche Alte fliegt mit ihr davon, sodass sie nun weder ihre Eltern noch ihren Geliebten hat.

Der Alte kann seinen Triumph allerdings nicht lange genießen. Als sie nach einer Weile auf einer Wiese rasten, kommt ein fremder König vorbei, dem das ungleiche Paar verdächtig vorkommt. Er fragt, wie sie miteinander verwandt seien. Der Alte antwortet, sie seien Mann und Frau, was die Prinzessin sofort heftig bestreitet. Da sie so offensichtlich nicht zusammenpassen, glaubt der König dem Mädchen und lässt den Alten verprügeln. Er nimmt sie mit an seinen Hof, und bald ist auch er in sie verliebt. Doch die Prinzessin verzehrt sich vor Sehnsucht nach ihrem Prinzen und gilt bald als unheilbar krank.

Währendessen hat sich der Prinz auf die Suche nach ihr begeben. Da sich die ungewöhnliche Geschichte von dem hässlichen Alten, dem schönen Mädchen und dem Ebenholzpferd herumgesprochen hat, findet er bald ihre Spur. Nun muss er sie nur noch aus der Obhut des fremden Königs befreien, der die Hoffnung nicht aufgegeben hat, sie könnte gesund und seine Frau werden. Um an sie heranzukommen, gibt sich der Prinz als Arzt aus. Die Prinzessin erkennt ihn und verspricht, alle seine Anweisungenzu erfüllen. Der falsche Arzt erklärt dem König, das Mädchen leide an Besessenheit, und ihm sie davon zu heilen, müsser er sie an den Ort bringen, wo der König sie gefunden hat. Das Pferd ebenso, weil es ebenfalls dem Zauber unterliegt. Auf der Wiese setzt sich der „Arzt“ mit der Prinzessin auf das Ebenholzpferd und entschwindet. Am Hof des Vaters halten sie Hochzeit. Das Ebenholzpferd wird zerstört und Schwiegereltern werden mit reichen Geschenken versöhnlich gestimmt, und der junge König regiert seine Land ebenso fürsorglich und gerecht wie zuvor sein Vater.

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