König Schwein

König Schwein

König Schwein ist ein Märchen aus Francesco Straparolas Sammlung Ergötzliche Nächte (veröffentlicht 1550-53). Es ist vom gleichen Typus wie das Märchen Hans mein Igel von den Brüdern Grimm: ein Junge (bei Straparola ein Königssohn) wird in einer Tierhaut geboren, was es für ihn schwierig macht, eine Frau zu finden. Indem er trotz dieses Handicaps die Zuneigung einer Frau gewinnt, wird er seine Stachel- bzw. Borstenhaut los und folgt dem Vater bzw. Schwiegervater auf den Thron. Das Motiv des Tabubruchs durch die Ehefrau (vgl. Amor und Psyche) wird nur angedeutet: Zwar bricht die Frau ihr Versprechen, das Geheimnis ihres Mannes für sich zu behalten, jedoch hat dies keine bösen Folgen, sondern führt direkt zum Happy End.

Inhalt

Galeotto, König von England, ist überreich mit irdischen Gütern wie auch mit geistigen Gaben gesegnet, zudem hat er eine schöne und sanftmütige Frau, Hersilia. Doch nach einigen Jahren ist die Ehe noch immer kinderlos, was beide zunehmend betrübt. Eines Tages pflückt Hersilia im Garten Blumen und lässt sich, um auszuruhen, auf einem schönen, grünen Platz nieder, wo sie einnickt. Da kommen drei Feen vorbei, die beim Anblick der anmutigen, schlafenden Frau beschließen, diese durch einen Zauber unverletzbar zu machen. Und weil sie wissen, dass ihre Verletzbarkeit vor allem daher rührt, dass sie ihrem Gemahl bisher keine Kind geschenkt hat, wünscht die erste ihr, dass sie alsbald einen Sohn zur Welt bringen werde, der an Schönheit seinesgleichen sucht. Die zweite wünscht, dass diesr Sohn mit allen nur denkbaren Tugenden ausgestattet ist. Die dritte jedoch verbindet die Segenswünsche mit einer schweren Bewährungsprobe für Mutter und Sohn: der Sohn solle mit dem Fell eines Schweins geboren werden und auch in seinen Bewegungen und Gewohnheiten ganz einem Schwein gleichen. Erst wenn er dreimal geheiratet hat, solle er von seinem Makel erlöst werden.

Bald darauf stellt sie Königin mit großer Freude fest, dass sie schwanger ist, und auch der König kann den Tag der Niederkunft kaum erwarten. Umso entsetzter sind sie, als sie das kleine Schweinchen erblicken, dass ihr Sohn sein soll. Der König gerät in Versuchung, die Missgeburt töten zu lassen, doch sein gutes Herz siegt über dies Anfechtung, zumal die Mutter ihr Kind schnell liebt gewinnt, es umsorgt und liebkost, als wäre es ein menschliches Wesen. Die mütterliche Liebe wird auch nicht erschüttert, als der Sohn größer wird und immer öfter nach Schweineart im Dreck wühlt, die feine Bettwäsche vollkotet und die kostbaren Kleider seiner zärtlichen Mutter beschmiert. Doch als ihr Sohn ihr eines Tages mitteilt, er wolle sich eine Frau nehmen, weiß sie, dass sie ihren Sohn vor der Ablehnung durch die Außenwelt nicht länger schützen kann. Sie sagt ihm unverblümt, dass keine Frau der Welt ein schmutziges, übel riechendes Schwein wie ihn zum Mann haben will. Der Sohn lässt sich nicht beirren und präzisiert seinen Wunsch: er hat bereits ein bestimmtes Mädchen im Auge, die älteste von drei schönen Töchtern einer armen Frau. Und so versucht die Königin die Sache mit Geld zu regeln. Sie lässt das Mädchen mitsamt ihrer Mutter an den Hof bringen und überzeugt schließlich immerhin die Mutter, dass die Ehe ihrer Tochter mit dem königlichen Schwein nur zu ihrem Besten wäre. Die Tochter selbst ist angewidert, doch bleibt ihr nichts anderes, als sich zu fügen.

Am Abend der Hochzeit findet die junge Frau für ihren Ehemann nur abweisende Worte; sein Hinweis, dass immerhin er es war, der ihr schönes Kleid bezahlt hat, macht die Sache nicht besser. Ihr einziger Gedanke ist, wie sie den ungeliebten Gatten möglichst schnell wieder los werden kann. Dabei murmelt sie, dass sie ihn töten werde, sobald er eingeschlummert ist. Dies belauscht das Schwein und dreht den Spieß um: es stellt sich arglos, und wartet, bis die Frau einschläft, dann stößt er ihr die Hauer in die Brust. Am nächsten Morgen findet die Königin ihre Schwiegertochter tot im Bett. Zur Rede gestellt, rechtfertigt sich das Schwein: er habe ihr nur angetan, was sie ihm antun wollte.

Den Wunsch nach einer Frau gibt das Schwein jedoch nicht auf und heiratet bald darauf die zweitälteste der drei Schwester. Dieser ergeht es nicht besser als der ersten Frau. So kommt schließlich die Reihe an die jüngste Schwester. Diese zeigt sich weniger abweisend, was der Königin Hoffnung macht, die dritte Ehe ihres Sohnes könnte gelingen. Und tatsächlich stößt die dritte Frau das Schwein nicht von sich, als es abends zu ihr kommt, sondern streichelt es und lässt es unter ihre Bettdecke schlüpfen. Als die Königin am nächsten Morgen voll banger Erwartung ins Brautgemach schaut, findet sie das Bett nach Art ihres Sohnes besudelt, die Schwiegertochter jedoch quicklebendig. Am folgenden Abend kündigt das Schwein seiner Frau an, ihr ein Geheimnis zu verraten zu wollen, dass sie jedoch gut für sich behalten müsse. Dann entledigt es sich seines Schweinefells und steht vor ihr als wunderschöner Mann. Die junge Frau, die bereits das Schwein recht liebgewonnen hatte, kann ihr Glück kaum fassen. Bald wird sie schwanger, und nachdem sie einen Jungen von menschlicher Gestalt zur Welt gebracht hat, fühlen sich auch der König und die Königin von einer schweren Last befreit. Die junge Mutter kann nun nicht mehr an sich halten und vertraut der Königin das Geheimnis an. König und Königin schleichen sich nachts in Schlafzimmer des jungen Paares und sehen im Schein der Kerzen tatsächlich einen schönen, schlafenden jungen Mann, der ihre Tochter im Arm hält.[1]Vgl. dagegen Amor und Psyche: Als Psyche verbotener Weise den schlafenden Amor im Schein einer Öllampe betrachtet, muss dieser sie verlassen. Erst nach schweren Prüfungen ist das Paar wieder vereint. Auf dem Boden liegt das Schweinefell, das sie umgehend in kleinste Fetzen reißen lassen. Am nächsten Tag übergibt der König Krone und Reich an seinen Sohn.

Anmerkungen   [ + ]

1. Vgl. dagegen Amor und Psyche: Als Psyche verbotener Weise den schlafenden Amor im Schein einer Öllampe betrachtet, muss dieser sie verlassen. Erst nach schweren Prüfungen ist das Paar wieder vereint.

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