Vardiello

Vardiello ist ein Märchen (Schwank) aus dem Pentamerone von Giambattista Basile (vierte Geschichte des ersten Tags). Es handelt von einem Taugenichts, der seiner Mutter mit seiner Dummheit das Leben schwer macht. Ähnliche Ketten von Tölpeleien sind Gegenstand der Schwänke Der gescheite Hans, Frieder und das Katherlieschen sowie Die kluge Else (alle von den Brüdern Grimm), wobei die beiden Letzteren für die »Heldinnen« noch weniger gut ausgehen.

Illustration von Warwick Goble zum Märchen Vardiello aus dem Pentamerone von Giambattista Basile
Vardiello. Illustration Warwick Goble (Stories from the Pentamerone, Macmillan, 1911)

Inhalt

Eine Frau von Stand und Verstand hat einen Sohn namens Vardiello, der leider der einfältigste Tropf in der Gegend ist. Als sie einmal ausgeht, schärft sie ihm ein, gut auf die Glucke aufzupassen, die gerade einige Küken ausbrütet. Außerdem warnt sie ihn, nur ja nicht ein gewisses Glas in der Speisekammer anzurühren, weil sich darin angeblich Gift befindet, das ihn auf der Stelle umbringen würde. In Wirklichkeit befinden sich in dem Glas eingelegte Nüsse, welche die Mutter vor ihrem naschhaften Sohn in Sicherheit bringen will.

Als die Mutter weg ist, macht sich Vardiello im Garten zu schaffen. Dabei geschieht, was nicht geschehen sollte: die Glucke läuft aus der Stube. Vardiello versucht, sie mit Worten zur Umkehr zu bewegen, und nachdem dies nicht fruchtet, wirft er einen Knüppel nach ihr. Der trifft ihren Kopf etwas zu gut, sodass sie tot umfällt. Vardiello versucht nun, den Schaden möglichst gering zu halten, und lässt daher die Hosen runter und sich selbst auf den Eiern nieder. Da passieren gleich zwei Missgeschicke: Er zerquetscht die Eier und macht dann vor Schreck einen eigenen Haufen auf die Eierpampe.

Nun ist Vardiello schon sehr unglücklich, denn er ahnt, wie sehr die Mutter ihn schelten wird. Resigniert beschließt er, das Huhn, da es schon mal tot ist, wenigstens zu essen. Er brät es am Spieß, und als es fast gar ist, geht er in den Keller, um sich einen Krug Wein zum Essen zu holen.

Kaum hat er das Fass angezapft, hört er es oben poltern und scheppern. Nichts Gutes ahnend, rennt er nach oben — und tatsächlich: eine Katze hat sich das Brathuhn geschnappt und rennt mit ihm davon. Eine weitere Katze, die auch etwas abhaben möchte, hinter ihr her. Zwar gelingt es Vardiello, beim Streit der Katzen der lachende Dritte zu sein und sich wieder in Besitz des Brathuhns zu bringen. Doch das Lachen vergeht ihm schnell, als er feststellt, dass währenddessen das ganze Weinfass ausgelaufen ist. Damit die Mutter den Schaden nicht bemerkt, schüttet Vardiello einen Sack Mehl über den Wein, um alles wegfegen zu können.

Doch als sein Blick auf das angerichtete Elend fällt, dämmert es ihm, was für ein Trottel er ist. Und so fasst er den Entschluss, sich vor der Mutter nicht mehr lebendig blicken zu lassen, wozu ihm das von der Mutter erwähnte Gift in der Vorratskammer bestens geeignet scheint. Er futtert das ganze Glas leer und kriecht in den Ofen, um zu sterben.

Als die Mutter zurückkommt, kostet es sie viel gutes Zureden, ihren nichtsnützigen, geliebten Sohn wieder aus dem Ofen zu locken. Schließlich kann sie ihn überzeugen, dass das Nusskonfekt doch kein Gift, sondern nur eine Medizin war. Und um ihn zu zeigen, dass sie ihm durchaus zutraut, etwas Nützliches zu tun, schickt sie ihn mit einem Ballen Leinenstoff nach Neapel, wo er ihn verkaufen soll. Dazu gibt sie ihm den Ratschlag, nicht mit geschwätzigen Leuten zu handeln. Das nimmt Vardiello allzu wörtlich. Interessenten, die nach der Qualität oder dem Preis der Ware fragen, lässt er einfach stehen.

Am Abend hat er den Ballen immer noch unter dem Arm, und so kommt er in den Hof einer verlassenen Villa, wo eine Statue steht. Als diese all seine Fragen nach der Villa und ihren Bewohnern unbeantwortet lässt, erscheint sie ihm der ideale Käufer. Leider will sie nicht bezahlen, weshalb Vardiello einen Stein nach ihr wirft. Getroffen kippt die Statue mitsamt ihrem Sockel um. Da bemerkt Vardiello, dass unter der Statue ein Topf mit lauter alten Goldstücken versteckt war. Er rennt damit nach Hause und ruft der Mutter zu, er hätte einen Topf voller Feigen gefunden. Die Mutter lässt ihn in dem Glauben, weil sie fürchtet, dass er in seiner Einfalt aller Welt von dem Fund erzählen würde. Dann täuscht sie ihm vor, es würde Rosinen und Feigen regnen, indem sie selbige durchs Fenster in die Stube rieseln lässt. Über dieser ungeheuerlichen Begebenheit vergisst Vardiello die Sache mit dem Topf.

Eines Tages sieht er zwei Männer um ein Goldstück streiten und lacht sie deswegen aus. Das sei doch gar nichts meint er, davon hätte er einst einen ganzen Topf voll gefunden. Auf die Frage, wo und wann das gewesen sei, antwortet er: Im Palast des stummen Menschen, am Tag, als es Rosinen und Feigen geregnet hat. Daraufhin steckt man ihn in ein Narrenhaus. Seine Mutter darf als Ausgleich für ihren dummen Sohn einen Topf voller Gold ihr eigen nennen.

Das könnte Dich auch interessieren …