Pervonto

Pervonto (auch Peruonto) ist ein Märchen aus dem Pentamerone von Giambattista Basile (dritte Geschichte des ersten Tages).

Illustration von Warwick Goble zu dem Märchen Pervonto aus dem Pentamerone von Giambattista Basile
Pervonto. Illustration Warwick Goble (Stories from the Pentamerone, Macmillan, 1911)

Inhalt

Eine Mutter hat einen nichtsnutzigen, unansehnlichen Sohn namens Pervonto. Eines Tages schickt sie ihn in den Wald, um Reißig zu holen. Auf dem Weg dorthin bummelt er wie gewohnt, schaut hierin und dorthin, und sieht auf einmal an einem Feldrand drei hübsche junge Burschen in der prallen Sonne liegen und schlafen. Pervonto nimmt sich die Zeit, ihnen eine Laubhütte als Schutz gegen die Sonne zu bauen; dann zieht er weiter seines Weges. Er ahnt nicht, dass er mit seiner guten Tat (fast) sein Glück gemacht hat, denn bei den Burschen handelte es sich um Feenkinder. Zum Dank verleihen sie ihm Zauberkraft: Was immer er sich wünscht, soll in Erfüllung gehen.

Pervonto sammelt unterdessen nichtsahnend ein riesiges Bündel Reißig zusammen, das am Ende so groß ist, dass er gar nicht weiß, wie er es nach Hause bringen soll. So setzt er sich rittlings auf das Bündel und murmelt: »Ich wünscht, ich könnte auf der nach Hause reiten wie auf einem Pferd.« Zu seiner Überraschung setzt sich das Bündel zügig in Bewegung. Als der sonderbare Reiter am Schloss des Königs vorbeikommt, sieht ihn die Königstochter und muss laut lachen. Pervonto ist nicht so dumm, dass er nicht wüsste, dass er ausgelacht wird. Ärgerlich wünscht er sich, sie würde schwanger von ihm. Er ahnt nicht, dass auch dieser Wunsch in Erfüllung geht.

Der König ist so außer sich wegen der Schande, dass er seine Tochter am liebsten noch vor der Niederkunft töten lassen möchte. Doch seine Räte geben zu bedenken, dass man dann niemals erfahren könne, wer der Übeltäter war, dessen Namen die Prinzessin (wie sie meinen) unter keinen Umständen preisgeben will. Die Königstochter bringt ein Zwillingspaar zur Welt, und als die Jungen sieben Jahre alt werden, lässt der König nach dem Plan seiner Räte ein großes Bankett veranstalten, zu dem alle Männer von Stand eingeladen werden. Der Vater der Kinder würde sich bei dieser Gelegenheit mit Sicherheit zu erkennen geben, so der Plan. Doch weder zeigt einer der Gäste irgendeine väterliche Regung, noch fühlen sich die Jungen zu einem der Männer hingezogen.

Nach diesem Misserfolg zieht man in Erwägung, dass der Vater womöglich ein Mann aus den niederen Ständen sei. Also wird ein zweites Bankett gegeben, zu dem das einfache Volk, einschließlich aller Taugenichtse, eingeladen ist. Auch Pervonto ist auf Drängen seiner Mutter gekommen, und siehe da: die beiden Jungen heften sich sofort an seine Seite. Der König lässt seine Tochter mitsamt ihren Kindern und Pervonto in ein Fass stecken, das ins Meer geworfen wird. Immerhin haben die mitleidigen Zofen der Königstochter ihr ein Gefäß mit Rosinen und getrockneten Feigen mitgegeben.

Ins Fass gesperrt und notdürftig mit Proviant versorgt hat das Elternpaar Gelegenheit, sich kennenzulernen. So erfährt die Mutter, wie es zu ihrer Schwangerschaft gekommen ist und dass der Vater ihrer Kinder eine besondere Gabe besitzt, was das Wünschen betrifft. Mit Feigen und Rosinen bringt sie ihn dazu sich zu wünschen, dass ihr Fass ein ordentliches Schiff mit allem Drum und Dran sei. Umgehend geht der Wunsch in Erfüllung. Die Familie ist fürs Erste gerettet und die Mutter fühlt sich wieder wie eine Königstochter. Nachdem sie eine Weile gesegelt sind, erscheint es ihr sinnvoller, dass ihr Schiff ein Palast auf festem Grund sei. Für ein paar Feigen und Rosinen wünscht Pervonto einen Palast herbei, der tatsächlich ganz zur Zufriedenheit der Königstochter ausfällt. Als er auf ihren Wunsch schließlich noch herbeiwünscht, dass er gutaussehend und jung ist, steht dem Glück der Familie nichts mehr im Weg.

Indessen fühlt sich der alte König einsam und unglücklich. Zerstreuung findet er an ehesten bei der Jagd, und als er sich einmal bei dieser Gelegenheit verirrt, sieht er in der Ferne Licht in dem Palast, in dem seine verstoßene Tochter mittlerweile lebt. Er schickt einen Diener vor um nachzufragen, ob man ihn dort beherbergen könne. Der kehrt zurück mit der etwas rätselhaften Antwort, er könne sogar ein ganzes Fass haben. Im Schloss trifft der König nur zwei Jungen an, die ihm freudig entgegenrennen und »Großvater, Großvater!« rufen. Unsichtbare Diener bewirten ihn und sein Gefolge. Als es Zeit ist, schlafen zu gehen, werden ihm von unsichtbarer Hand die Stiefel ausgezogen und ein weiches Bett bereitet. Am nächsten Morgen will er seine Enkel mit an seinen Hof nehmen, als plötzlich seine Tochter samt Ehemann erscheinen. Sie erzählen ihm, wie sich alles zugetragen hat und erweichen sein verhärtetes Herz.

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