Die sieben Schwarten

Die sieben Schwarten

Die sieben Schwarten ist ein Märchen aus Giambattista Basiles Märchenzyklus Pentameron (vierte Erzählung des vierten Tages). Es gehört zum gleichen Märchentyp wie das Grimm’sche Märchen Die drei Spinnerinnen; siehe auch Ricdin-Ricdon. Das Motiv, dass ein junges Mädchen durch unbedachte Worte eines Elternteils um Übermaß spinnen muss, obwohl es dies weder will noch besonders gut kann, findet sich in abgewandelter Form in dem bekannten Märchen Rumpelstilzchen. Eingeleitet wird das Märchens mit einem aus Schwänken bekannten Motiv (etwa in Das kluge Gretel), das im Titel anklingt: eine junge Frau wird beim Kochen von den leckeren Düften überwältigt, sodass sie alles aufisst und anschließend ihre Tat zu vertuschen versucht.

Inhalt

Eine alte Bettlerin hat von mitleidigen Frauen in der Stadt sieben Speckschwarten erbettelt. Zu Hause übergibt sie diese ihrer Tochter, die daraus eine gute Suppe kochen soll. Sie selbst geht zu den Gärtnern, um noch ein paar Kohlreste für die Suppe zu erbetteln. Während sie fort ist, steigt der Tochter der Dampf aus dem Kochtopf in die Nase. Sie kann nicht widerstehen und angelt sich eine von den sieben Schwarten aus dem Topf. Das regt ihren Appetit nur noch mehr an, und so futtert sie die sieben Schwarten eine nach der anderen auf. Es dauert natürlich nicht lange, bis ihr klar wird, dass dieser Genuss sie teuer zu stehen kommen wird. Um die Mutter zu täuschen, schneidet sie eine alte Schuhsohle in sieben Stücke und gibt sie zur Suppe. Als die Mutter kommt, schüttet sie noch ihre gesammelten Kohlreste dazu, und dann will sie sich die köstliche Suppe schmecken lassen. Sie merkt sofort, dass etwas nicht stimmt und beginnt, die Tochter zu verprügeln. Diese versucht zuerst, die Tat zu leugnen. Dann gibt sie zu, dass die Schwarten weg sind, schiebt es aber auf den Dampf. Doch die Mutter lässt nicht locker, bis die Tochter alles gesteht.

Zufällig kommt während dieser Szene häuslicher Gewalt ein Kaufmann am Haus der Bettlerin vorbei. Das Wehgeschrei der Tochter lässt ihn nicht ungerührt, und so geht er nachsehen. Er fragt die Alte, was das Mädchen denn Schlimmes getan habe. Die lügt ihn an: Ihre Tochter wäre so über die Maßen arbeitsam, dass sie damit ihre Gesundheit schädigen würde. Sieben Spindeln voll hätte die Ungehorsame allein heute morgen vollgesponnen – das könne sie, als liebevolle Mutter nicht mit ansehen. Der Kaufmann ist begeistert von so viel Fleiß, also sagt er der Alten, er würde ihre Tochter nur zu gern mit in sein Haus nehmen und sie heiraten. Das lässt sich die Bettlerin nicht zweimal sagen, und so ist die Tochter auf einmal eine Kaufmannsfrau.

Das heißt aber nicht, dass sie den ganzen Tag lang faulenzen könnte. Der Kaufmann kann es gar nicht erwarten, am nächsten Markttag große Mengen Flachs einzukaufen, die er seiner Frau übergibt – in der Überzeugung, ihr eine Freude zu machen. Dann verabschiedet er sich für ein paar Tage, um auf auf eine Messe reisen. Für das feine Garn, dass er bei seiner Heimkehr ganz sicher vorfinden wird, verspricht er ihr schöne Geschenke. Die junge Frau denkt aber nicht daran zu spinnen. Viel lieber genießt sie all die Annehmlichkeiten, die ihr das Leben als Kaufmannsfrau bietet. Vor allem bedient sie sich aus den reichen Vorräten und bäckt sich leckere Pfannkuchen und Torten. Doch je näher der Tag der Heimkehr ihres Gatten rückt, umso drängender wird die Frage, wie sie sich diesmal rauswinden soll. Schließlich kommt sie auf die Idee, den gesamten Flachs aufs Dach zu schaffen und von dort oben an einer Riesenspindel einen Faden so dick wie ein Schiffstau zu spinnen. So, hofft sie, würde sie bis zur Ankunft ihres Ehemanns doch noch fertig werden. Kaum dass sie mit der Arbeit begonnen hat, kommen unten ein paar Feen vorbei, die bei dem Anblick der Frau auf dem Dach und der Riesenspindel so herzhaft lachen müssen, dass sie sich für die köstliche Erheiterung nach Feenart bedanken. Sie wünschen der Frau, dass aller Flachs auf dem Dach und im Haus zu Garn gesponnen ist, dass dieses zu feinem Leinen verwebt ist und das Leinen ordentlich gebleicht ist. Die junge Frau kann ihr unverhofftes Glück kaum fassen, vergisst darüber aber nicht, dafür zu sorgen, dass sie künftig von solcher Plackerei verschont bleibt. Deshalb legt sie ein paar Nüsse unter ihr Laken und, als ihr Mann kommt, sich selbst wimmernd ins Bett. Sie jammert, was sie für Schmerzen habe von der anstrengenden Arbeit, und wälzt sich dazu theatralisch hin und her. Unter ihr knacken die Nussschalen, doch der Mann glaubt (und soll glauben), dass es ihre überbeanspruchten Knochen sind. Ein herbeigerufener Arzt befindet, dass der jungen Frau nichts weiter fehle, als Bewegung und Arbeit. Der Kaufmann schickt ihn weg und sagt seiner Frau, sie solle sich nur ja pflegen und künftig das Arbeiten lassen, auch wenn es ihr schwer fiele.

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