Die drei Tierbrüder

Die drei Tierbrüder, auch Die drei Tierkönige, ist ein Märchen aus Giambattista Basiles Märchenzyklus Pentameron (Li tre ri animale, dritte Geschichte des vierten Tages). Ein ähnliches Märchen ist in J.K.A. Musäus‘ Volksmärchen der Deutschen enthalten; es heißt dort Die Bücher Chronika der drei Schwestern. In den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gibt es eine deutlich kürzere Fassung mit dem Titel Die drei Schwestern.

Illustration von Warwick Goble zu dem Märchen Die drei Tierbrüder aus dem Pentamerone von Giambattista Basile
Die drei Tierbrüder. Illustration Warwick Goble (Stories from the Pentamerone, Macmillan, 1911)

Inhalt

Ein König hat drei schöne Töchter, in die sich die drei Söhne eines anderen Königs verliebt haben. Leider aber wurden die jungen Männer von einer Fee in Tiere – einen Falken, einen Hirsch und einen großen Fisch – verwandelt. Natürlich denkt der Vater der Mädchen nicht daran, sie mit den Bewerbern zu verheiraten. Daraufhin ruft der Falke alle Vögel herbei und befiehlt ihnen, sämtliche Knospen aller Bäume im Reich des Königs zu zerstören und auf diese Weise nachhaltig zu entlauben. Der Hirsch als Gebieter über alle Wald- und Huftiere lässt diese alle Felder des Königreichs verwüsten, sodass eine Hungersnot droht. Und schließlich sorgt der Fisch zusammen mit verschiedenen Seeungeheuern dafür, dass auch die Küste verwüstet wird. Dem König bleibt nicht mal die winzigste Barke.

Der König sieht ein, dass sein Widerstand zwecklos ist. Schweren Herzens verheiratet er die Töchter mit den ungestalten Freiern und lässt sie ziehen. Beim Abschied gibt die Königin jeder ihrer Töchter einen identischen Ring, der sie für immer mit ihrer Herkunftsfamilie verbinden soll. Der Falke bringt seine Frau in seinen Palast, der auf einem Berggipfel hoch über den Wolken steht und in dem es an nichts fehlt. Der Palast des Hirsches steht in einem dunklen Wald, ist aber ebenso prachtvoll und hat obendrein einen wunderschönen Garten. Der Palast des Fischs befindet sich auf einer kleinen, felsigen Insel im Meer und steht den beiden anderen in nichts nach. So leben die Töchter des Königs in größtem Luxus, jedoch fernab ihrer Familie.

Ihre Eltern sind darüber sehr unglücklich. Die Königin bald nach dem Fortzug der Töchter noch ein viertes Kind zur Welt, einen Jungen, den sie Tittone nennen. Als dieser sechzehn Jahre alt ist, zieht er in die Welt hinaus, um seine Schwestern zu finden. Zum Abschied bekommt auch er von der Mutter einen Ring von der gleichen Art, wie die Schwestern ihn haben. Nachdem er lange herumgeirrt ist und bei seinen Abenteuern all seine Begleiter entweder in Wirtshäusern oder in Spitälern zurückgelassen hat, steht er irgendwann am Fuße eines Berges.

Oben auf dem Gipfel lebt seine Schwester mit dem Falkenmann. Die Geschwister erkennen sich an den Ringen und schließen sich in die Arme. Schwager Falke erweist sich als großzügiger Gastgeber. Nach zwei Wochen zieht Tittone weiter, um die anderen beiden Schwestern zu finden. Schwager Falke gibt ihm zum Abschied eine Feder, mit der er ihn in der Not herbeirufen kann. Bald findet Tittone die zweite Schwester, die Frau des Hirsches. Auch hier ist die Freude groß. Nach wiederum zwei Wochen verabschiedet er sich. Der Hirsch gibt ihm ein Haar aus seinem Fell, mit dem er ihn herbeirufen kann. Schließlich findet er die dritte Schwester, verlebt bei ihr und dem Fisch zwei glückliche Wochen. Dann will er zu seinen Eltern zurückkehren, damit auch sie erfahren, wie gut es ihren Töchter in all den Jahren ergangen ist. Zum Abschied gibt ihm Schwager Fisch eine seiner Schuppen, mit der ihn herbeirufen kann.

Auf seinem Heimweg gerät Tittone in einen unheimlichen Wald. Er entdeckt einen Turm, an dessen Fenster er eine schöne Jungfrau erblickt – und neben ihr einen schlafenden Drachen, der sie offensichtlich gefangen hält. Die Schöne sagt, sie sei die Tochter des Königs von Helltal und fleht ihn an, sie aus den Fängen des Ungeheuers zu befreien. Tittone zögert nicht, die Zaubermittel auszuprobieren, mit denen er seine Schwäger, die Tierbrüder, herbeirufen kann. Der Falke erscheint mit einer Schar Greife, die die Königstochter vom Turm herunterholen. Tittone schließt sie in die Arme, doch dann erwacht der Drache. Nun greift der Hirsch mit einer Armee von Löwen, Tigern und Bären ein, die den Drachen in Stücke reißen. Und zum Schluss bewirkt der Fisch, dass der See am Fuße des Turms über seine Ufer tritt und den Turm sowie die Überreste des Drachens verschlingt.

Tittone bedankt sich herzlich bei den Schwägern, doch die sagen, dass im Gegenteil sie ihm zu danken haben. Denn weil sie die Königstochter gerettet haben, wird ihnen ihre menschliche Gestalt wiedergegeben – so hatte es die Fee bestimmt, die sie in Tiere verzaubert hatte. Die drei Königssöhne holen ihre Ehefrauen, und dann reisen sie alle zusammen mit Tittone und seiner Braut (der aus dem Turm befreiten Jungfrau) zum Hof der Eltern, die überglücklich sind, ihre vier Kinder samt Ehepartnern wiederzusehen.

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